Das PokerNews Interview: PPA Geschäftsführer John Pappas, Teil 2

john pappas

Im ersten Teil unseres zweiteiligen Interviews sprach der Geschäftsführer der PPA John Pappas über die neuen Initiativen der PPA und die politische Landschaft im Bezug auf die Gesetzentwürfe von Barney Frank. Im zweiten Teil sprachen wir mit Pappas über einige weitere interessante Themen im Bezug auf die Pokerspieler in den USA.

PokerNews: Zum Ende des Jahres 2009 sollen die Regulierungen, welche aufgrund des UIGEA für alle Banken und Kreditinstitute gelten, komplett implementiert sein. Wird sich dadurch für Poker etwas ändern und wenn ja, was wird sich ändern?

John Pappas: Es könnte sich sehr gut entwickeln. Wir hoffen daß wir zumindest einen Aufschub im Bezug auf die Regulierungen erwirken können. Barney Frank hat einen weiteren Gesetzentwurf eingereicht (H.R. 2266) welches die Implementierung der Regulierungen um mindestens ein Jahr verzögern würde. Obwohl wir denken, daß diese Entwicklung eigentlich relativ interessant ist, wird dies viele Banken sicherlich nicht davon abhalten die entsprechenden Anordnungen und Abläufe bereits vorab zu implementieren. Es wäre schön wenn weitere Unklarheiten beseitigt werden könnten, deshalb arbeitet die PPA mit einigen “unerwarteten Verbündeten“ zusammen, um den UIGEA in einigen Angelegenheiten zu stärken, sorgen aber gleichzeitig dafür, daß die Regelungen für Online Poker etwas gelockert werden.

PN: Reden wir mal über die Beschlagnahmung von $40 Millionen Einlagen von Online Spielern durch das US-Justizministerium. Können Sie dazu detaillierte Angaben machen?

Pappas: Sicher, wir erfuhren von der Aktion in der ersten Woche im Juni. Die PPA hat sich mit unserem Rechtsberater zusammengesetzt und wir haben ein neues Rechts-Team geschaffen, welches in diesem Fall ermittelt und feststellt, wie wir am besten dagegen vorgehen können. Wir haben verschiedene Möglichkeiten in Betracht gezogen und schließlich einen Weg gefunden, wie wir unserer Meinung nach das Geld der Spieler schützen können. Soweit ich es verstanden habe, sind die meisten Spieler von den Internet Pokerseiten bereits ausgezahlt worden, aber rein technisch betrachtet, ist das Geld immer noch eingefroren. Wenn das bedeutet, daß wir prozessieren müssen, werden wir diesen Weg gehen.

PN: Die PPA hat wiederholt die beschlagnahmten Gelder als Geld der Spieler bezeichnet. Können Sie dies ein wenig genauer erklären?

Pappas: Interessanterweise waren die meisten beschlagnahmten Gelder Auszahlungen an Spieler, welche aufgrund von Gewinnen bzw. Einzahlungen der Spieler entstanden waren. Diese Gelder basieren also nicht auf illegalem Glücksspiel. Es steht also gar nicht zur Diskussion, ob dieses Geld irgendwie illegal sein könnte. Die Leute spielen Poker im Internet und es gibt kein Staatsgesetz, welches besagt, daß es ungesetzlich sei, im Internet Poker zu spielen. Das Geld zu beschlagnahmen ist also eine Verletzung der persönlichen Rechte jedes einzelnen, betroffenen Spielers und wir werden alles versuchen, um dieses Geld zu schützen.

PN: Es scheint so, als würde die PPA langsam den Status eines Bindeglieds zwischen dem Rechtssystem und den US-Spielern erhalten. Schreitet dieser Prozess voran?

Pappas: Sicher, wir stehen mit allen unseren Mitgliedern in Kontakt um zu wissen, wie sie betroffen sind und wie wir falls notwendig in ihrem Sinne agieren können. Es sind keine überstürzten Handlungen, uns liegt nichts daran auf Biegen und Brechen einen Rechtsstreit anzuzetteln. Wir möchten sicherstellen, daß alle Angelegenheiten professionell abgewickelt werden, damit diese Sache auch die Aufmerksamkeit bekommt, welche sie verdient.

PN: Die PPA wird in Foren und Diskussionsgruppen oft im Bezug darauf kritisiert, sie wäre nur ein besserer “Nachbarschaftshilfsverein” und bisher noch nicht auf politischer Ebene getestet. Ist dies eine gerechtfertigte Kritik? Wie reagieren Sie auf solche Vorwürfe?

Pappas: Ich denke nicht, daß dieser Vorwurf gerechtfertigt ist. Wir haben unseren politischen Eifer schon mehrmals unter Beweis gestellt. Damit meine ich jetzt nicht die Sache mit der SDNY (das US-Justizministerium/südlicher Distrikt von New York im Bezug auf die Beschlagnahmung der Einlagen), das war eher eine rechtliche Angelegenheit und weniger eine politische Sache. Wir haben uns in dieser Sache auch nicht mit einer Briefkampagne direkt an das Justizministerium oder an Präsident Obama gewandt. Wir werden die Sache auf rechtlichem Weg klären und nicht auf der politischen Schiene.

Im Bezug darauf unseren politischen Einfluss unter Beweis zu stellen, haben wir bisher ebenfalls gute Arbeit geleistet. Wir haben auf politischer Ebene Gespräche über Gesetze zur Lizenzierung und Regulierung von Internetpoker geführt und haben dafür gesorgt, daß das Spiel nicht durch Gesetze wie z.B. der UIGEA, verboten wurde. Wenn jemand behauptet, wir hätten unsere politische Schlagkraft noch nicht unter Beweis gestellt, sollte er bedenken, daß wir immer noch dabei sind unsere Organisation auszubauen.

Im letzten Kongress wurden acht Pro-Internet Gambling Gesetzvorlagen vorgestellt, eine davon hat Barney Frank’s Ausschuss passiert, obwohl eine 2-Parteien Mehrheit im Ausschuss vorherrschte. Das hing damit zusammen, daß die PPA dieses Gesetz unterstützt hat und dafür gesorgt hat, daß die republikanischen Mitglieder dafür gestimmt hatten. Es hat eine Menge damit zu tun, wie unsere Mitglieder in den entsprechenden Kongressdistrikten sich einsetzen. Unser schärfster Gegner, Spencer Bachus (R-AL), sagte folgendes:“ Ich bin zwar gegen dieses Gesetz, meine Kongresskollegen haben jedoch von den Pokerspielern aus ihren Wahlkreisen mitgeteilt bekommen, daß diese das Spiel spielen möchten“. Wenn man dann hört, daß unser schärfster Gegner feststellen muss, daß das “Volk” an der Basis gegen ihn ist, bedeutet dies eine Menge. In einem aktuellen Artikel im “The Politico“ erklärt Bachus, er keine Möglichkeit sieht Barney’s Gesetz in diesem Jahr abzulehnen. Diese Aussage hat er sogar schriftlich gemacht.

PN: 12 Monate in die Zukunft – was sind die Ziele der PPA?

Pappas: Wir werden verstärkt versuchen auf die Gesetzgebung einzuwirken. Sicherlich mögen wir unsere heutige Position, in welcher wir in der Lage sind jeden einzelnen Staat davon zu überzeugen, daß er sich für das Gesetz im Bezug auf die Lizenzierung und Regulierung von Internet Gaming Anbietern einsetzen sollte. Als Organisation müssen wir uns jedoch zukünftig darauf konzentrieren unsere Sache auf Bundesebene zu unterstützen.

Wir werden außerdem eine wichtige Rolle dabei spielen, wenn es darum geht die Rechte der Pokerspieler zu stärken und auf staatlicher Ebene sicher zu stellen, daß Poker ein “Game of Skill” ist. Ich glaube die Sache mit dem “Game of Skill“ ist ein entscheidender Faktor bei unseren Bemühungen. Die PPA sagt ganz klar:“ Es geht hier nicht nur um Internetpoker, es geht hier um das Spiel an sich und was gut für das Spiel ist, ist auch gut für das Internetspiel, was wiederum gut für die Live-Casinos ist, was sich wieder positiv auf die Home-Games auswirkt“. Ich denke, wir werden uns in dieser Beziehung unsere Kampfplätze sehr genau aussuchen, in Staaten, wo es Sinn macht, wo wir mit dem Argument weiterkommen, daß Poker ein “Game of Skill“ ist und deshalb nicht zu den unerlaubten Glücksspielen gehört.

Wir werden weiterhin unsere Gerichtsverfahren vorantreiben, weiterhin im Capitol Hill arbeiten und die Kongressmitglieder über die Bedeutung und die rechtlichen Aspekte von Poker unterrichten; wir haben erfreut festgestellt daß die Gesetze von Barney und Senator Menendez nu über 100 Unterstützer haben und möchten die Gesetze zur Abstimmung bringen. Unser klares Ziel ist es, diese Gesetze im nächsten Jahr im Repräsentantenhaus zur Abstimmung zu bringen. Ich denke innerhalb eines Jahrs sind wir soweit, daß wir eine Abstimmung im Bezug auf Internet Gaming erreichen können und ich bin mir sicher, daß wir bei einer Abstimmung gewinnen werden.

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