Interview mit dem englischen Bracelet-Gewinner John Paul Kelly

john paul kelly

Im Moment schaut wohl ganz England auf James Akenhead, für England war dies das beste bisherige WSOP-Jahr, da englische Spieler bisher schon 3 Bracelets gewonnen haben. Der junge Mann, welcher als erster ein Bracelet bei der diesjährigen WSOP gewonnen hatte, war John Paul Kelly, er gewann das $1.500 Pot Limit Holdem Event ($194.434).

PokerNews: Du bist nun zurück in England…hast Du Deinen Erfolg mittlerweile realisiert?

JP Kelly: Es war schon etwas seltsam, da ich das Bracelet schon zu Beginn der WSOP gewonnen hatte, erscheint es mir mittlerweile schon, als wäre es schon ewig her. Ich habe mit James Akenhead mitgefiebert, wie viele andere auch und vielleicht war dies auch einer der Gründe, warum es mir vorkommt, als wären schon Jahre vergangen. Am Tag als ich gewonnen hatte, machte ich eine Nacht Pause, dann bekam ich mein Bracelet im Rahmen einer kleinen Zeremonie am nächsten Tag überreicht und am Abend dieses Tages spielte ich schon wieder.

PN: Fühlt es sich anders an, wenn man an einem Spieltisch sitzt und schon ein Bracelet gewonnen hat?

JP Kelly: Nicht wirklich, ich habe danach noch eine gute Position bei einem PLO Event erreicht, habe aber nicht so gut gespielt. Ich hatte im Event welches ich gewann, das Gefühl die richtigen Entscheidungen zu treffen, aber nicht bei diesem PLO Event. Ich ging ein wenig zu verbissen an die Sache ran. Später wurde ich unruhig und fällte überstürzte Entscheidungen, so als würde ich nur versuchen schnell alles zu beenden und endlich am Ende der WSOP anzukommen. Ich hätte mehr Freizeit gebraucht und hätte einfach nicht in allen Events spielen sollen, welche ich in diesem Jahr gespielt habe.

PN: War das Bracelet Dein ein und alles bei Deiner diesjährigen Reise nach Las Vegas? Gab es nach dem Gewinn des Bracelets in Las Vegas noch Anreize für Dich, etwas, was Du noch unbedingt erreichen wolltest?

JP Kelly: Ich hatte immer das Gefühl, noch eine Chance zu haben, wenn man an der WSOP teilnimmt. spielt man immer mit der Erwartung, daß man gewinnen kann. Ich werde mich in diesem Jahr darauf konzentrieren, mein Turnierspiel zu verbessern und wenn ich dann im nächsten Jahr weit nach vorne komme, werde ich im Vorteil sein.

PN: Das öffentliche Interesse richtet sich momentan auf James Akenhead, würdest Du gerne mit ihm tauschen? Würdest Du dein Bracelet gegen einen Platz als Short Stack im Main Event Finale tauschen?

JP Kelly: Das ist lustig, ich würde gerne wissen, was er sagen würde, wenn ihr ihm die gleiche Frage stellen würdet. Ich weiß, wie geknickt er war, als er im letzten Jahr scheiterte und knapp den Gewinn eines Bracelets verpasste. Es ist eine andere Art von Erfolg, sein Erfolg ist definitiv mehr High Profile. Ich würde aber trotzdem nicht mit ihm tauschen. Ich erinnere mich daran, als ich es im letzten Jahr im Main Event bis nach vorne geschafft hatte; Ich erinnere mich daran, daß ich Jon Kalmar gefragt habe, wie aufregend es doch sein könnte, wenn man es von den letzten 300 bis an den Final Table schafft. Auf meine Erfolge bin ich überaus stolz und John sollte dies eigentlich auch sein.

PN: Pot Limit Hold'em wird auch als eine typisch englische Pokervariante angesehen (alleine in diesem Jahr gewannen Engländer bei Pot Limit Events zwei Bracelets) würdest Du Dir wünschen, daß mehr Games in diesem Format verfügbar wären?

JP Kelly: Pot Limit Hold'em macht mir Spaß, weil ich es nicht täglich spiele. Ich mag auch No Limit, weil es so viele dramatische Momente dabei gibt, wobei Pot Limit ein gutes Stück “slower“ ist. Eine Menge Spieler verstehen überhaupt nicht, wie unterschiedlich die beiden Varianten sind. Ich würde es schon gerne sehen, wenn mehr Pot Limit Events angeboten würden, aber halt auch nicht zu viele.

PN: Du bist ja noch relativ jung, spielst aber schon sehr lange in der internationalen Pokerszene, siehst Du Dich selbst als einen der jungen Ausnahmespieler?

JP Kelly: Ich fühle mich immer noch sehr jung und spiele immer noch hauptsächlich online. In England spiele ich nur selten Live Poker, somit gehöre ich sicherlich noch zu den jungen Online Kids. Ich möchte zwar mehr Live Events spielen, möchte aber irgendwie über den Dingen stehen. Online Poker ist sehr zweckmäßig und Live Poker ist sehr teuer und zeitintensiv. Bei einem Live Event kann man zwei Tage spielen und ist immer noch nicht im Geld, verschwendete Zeit, in welcher man online schon eine Menge Geld hätte gewinnen können. Ich mag es außerdem nicht irgendwo hin zu reisen, um dann nur an einem Event teilzunehmen, deshalb mag ich Las Vegas auch sehr gerne. Ich habe mich in diesem Jahr in Las Vegas als Teil einer Gruppe gefühlt, da mit mir zusammen noch so viele andere Engländer in Las Vegas waren.

PN: Du bist in der Pokerszene für Deine Demut und Bescheidenheit bekannt, wie schaffst Du es trotz all Deiner Erfolge mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben?

JP Kelly: Ich habe eine große Familie und eine Menge Freunde, welche dafür sorgen, daß ich so bleibe, wie ich bin. Die sind alle sicherlich sehr gelangweilt über mein Pokergespräch und behandeln mich so, als hätte ich einen ganz normalen Job. Meine Freunde und meine Familie wissen, daß der Gewinn eines Bracelets eine große Sache ist, ich habe ihnen das erklärt und sie haben sich sehr darüber gefreut, daß ich es geschafft habe.

PN: Was sind Deine nächsten Ziele? Ist ein zweites Bracelet bereits in Sicht?

JP Kelly: Ich will sicherlich noch etwas gewinnen, einen Big Pay Day haben und mich schon mal auf ein zweites Bracelet vorbereiten. Jeder kann mal ein Event gewinnen, aber ich will mich selbst auf die Probe stellen und ein weiteres Event gewinnen.

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