Die PokerNews Top 10: Die Top Momente bei TV-Pokerübertragungen

top zehn

Während die World Series of Poker bereits seit dem Jahr 1970 in der einen oder anderen Form im TV übertragen wurde, begann die Ausstrahlung anderer High-Stakes Poker Events erst während der letzten Dekade, wobei die Übertragungen oft in Sport bzw. Entertainmentprogramme integriert wurden. Die Popularität von Pokerübertragungen nahm nach Einführung der “Hole Card Camera“ stetig zu. Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß man in der Liste der Top 10 TV Moment überwiegend Ereignisse aus der näheren Vergangenheit findet, obwohl sich darunter auch das eine oder andere ältere Ereignis finden lässt. Die folgende Rangliste (wurde wie alle diese Listen natürlich nach subjektiven Gesichtspunkten zusammengestellt und man könnte über die einzelnen Positionen streiten) präsentiert ihnen die Top 10 der spannendsten Momente bei Pokerübertragungen und nutzt als Kriterien sowohl den historischen, als auch den dramatischen Wert.

10. “I Can Dodge Bullets, Baby” (2005 World Series of Poker, ESPN)

Phil “The Poker Brat” Hellmuth’s Status als Pokerikone wurde durch die steigende Popularität von Pokerübertragungen natürlich enorm unterstützt, deshalb wurde Hellmuth zu einem bekanntesten Pokerspieler überhaupt. Hellmuth hat seinen Spitznamen durch seine Wutausbrüche am Spieltisch bekommen, welche ihm die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Zuschauer bescherten. So sagte er z.B. “Wenn das Glück keine Rolle spielen würde, hätte ich jedes Spiel gewonnen (2004 WSOP, ESPN)”, “Der Junge kann doch noch nicht einmal das Wort Poker buchstabieren (2005 WSOP, ESPN)“, “Mori, wirst Du 5 Penalities für dieses **** vergeben oder nicht? (2007 Poker After Dark, NBC)“. Seinen bemerkenswertesten Auftritt hatte er jedoch am ersten Tag der WSOP 2005, als auf dem Board A-4-4-Q lag, Hellmuth schaffte es {a-Clubs}{k-Spades} gegen Frank Passantino’s {a-Diamonds}{a-Hearts} wegzuwerfen. Nach der Hand zeigte Passantino seine Hand, was Hellmuth dazu brachte folgende Äußerung von sich zu geben (an seine Frau auf den Zuschauerrängen gerichtet): “Liebling! Er hat wohl gedacht ich würde bei dieser Hand Pleite gehen. Er hat aber eine Sache vergessen – Ich kann Bullets (umgangssprachliche Bezeichnung für A-A, bzw. in der deutschen Übersetzung: Kugeln) ausweichen, Baby!“

9. "Late Night Poker" (Channel 4, 1999)

Die englische Serie wurde in Cardiff/Wales produziert und präsentierte den Zuschauern eine Anzahl von Heats (bzw. Sit-N-Gos), wobei die besten Spieler sich dann am Final Table wieder trafen. Als die Show im Sommer 1999 das erste Mal gezeigt wurde, war dieses das erste Mal im Fernsehen, daß die Zuschauer die Karten der Teilnehmer durch ein Hole Card Kamera sehen konnten. Die ersten Folgen wurden vom Erfinder der Show, Nic Szeremeta und dem amerikanischen PokerPro Jesse May kommentiert, wobei dieser später als die “Stimme des Pokers“ bekannt wurde. Diese Show war für die Geschichte des TV-Pokers überaus wichtig und hat die späteren WPT und WSOP Übertragungen maßgebend beeinflusst.

8. The Bear and the Champ Get Lost in Durrrrland (2009 "High Stakes Poker", GSN)

Seit der ersten Übertragung der Show auf dem Game Show Network im Jahr 2006, hat sich High Stakes Poker unter den Pokerspielern als faszinierende Präsentation von High-Stakes Cash Games etabliert. Besonders beliebt war die Show auch wegen den fachmännischen und humorvollen Kommentaren der beiden Moderatoren A.J. Benza und Gabe Kaplan. Während der Show gab es einige bemerkenswerte Momente wie z.B. Gus Hansen’s Quad 5’er gegen Daniel Negreanus Full House in Session 2; Brad Booth’s erfolgreicher Semi-Bluff mit {4-Spades}{2-Spades} gegen Ivey, welcher danach K-K wegwarf (Session 3); Sam Farha’s Asse gegen Jamie Gold’s Kings in Session 4. Aber keine Hand kann die Hand überbieten bei welcher Tom “durrrr” Dwan mit {q-Clubs}{10-Clubs} gegen Barry Greenstein und Peter Eastgate fast eine viertel Million Dollar gewann. Der Flop war {2-Clubs}{10-Diamonds}{2-Spades} und Dwan schaffte es tatsächlich, daß Greenstein ({a-Hearts}{a-Spades}) und Peter Eastgate ({2-Diamonds}{4-Hearts}) ihre Karten wegwarfen. Greenstein sagte später über Dwan’s Spiel:“ Er hat mich getäuscht”.

7. The November Nine (2008 World Series of Poker Final Table, ESPN)

Es war für viele Fans etwas überraschend, als am 01. Mai 2008 bekannt gegeben wurde, daß es am WSOP 2008 Final Table eine Pause von fast 4 Monaten geben würde. Der Final Table wurde erst im November zu Ende gespielt. Durch die Verzögerung sollte dafür gesorgt werden, daß die Zuschauer bei der Übertragung einen möglichst guten Live-Effekt genießen konnten und vorher noch nicht wussten, wer das Spiel letztendlich gewinnen würde. Die fast zwei Stunden lange Übertragung war ein voller Erfolg und brachte im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs von fast 50%. Während der Programmhöhepunkt eigentlich etwas verhalten war (es wurden nur zwei Heads-Up Hände zwischen dem späteren Gewinner, Peter Eastgate und Ivan Demidov gezeigt), kam es in den ersten 15 Minuten der Übertragung zum dramatischsten Moment der gesamten Übertragung, als Demidov ({a-Clubs}{q-Clubs}) seinen Positionsvorteil gegen den ehemaligen Chip Leader, Dennis Phillips, ausnutzte und Phillips, welcher {a-Hearts}{k-Clubs} auf der Hand hatte, bei einem Flop {8-Diamonds}{10-Clubs}{j-Spades} zum Folden brachte.

6. Yang gibt Gas (2007 World Series of Poker, ESPN Pay Per View)

Wie auch in den Jahren zuvor lieferte ESPN im Jahr 2007 ein Live-Streaming des WSOP Final Table, welches von Ali Nejad und Phil Gordon kommentiert wurde. Jerry Yang war zu Beginn des Final Table als 7’er im Bezug auf die Chips. Zu Beginn der Berichterstattung bezeichnete Gordon den Spieler Yang mehrfach als überaus “weak“ und überaus “tight“ und sagte, daß viele Fachleute den in Laote geborenen und in Kalifornien wohnhaften Spieler, als den schwächsten Spieler am WSOP Final Table ansehen. Durch seine Kommentare sorgte Gordon dafür, daß es am Final Table zu einer der spannendsten Situationen überhaupt kam. Yang spielte plötzlich überaus aggressiv und schaffte es innerhalb von 14 Händen die Position des Chip-Leaders zu übernehmen, ohne auch nur eine einzige Hand zu zeigen. Es gab keine Hole Card Kameras, was natürlich die Situation noch interessanter gemacht hätte. Yang zeigte die Hand Nr. 15, als er den ehemaligen Chip Leader Philip Hilm eliminierte. Außerdem zeigte er Hand 21, bei welcher er Lee Watkinson eliminierte. Nach nur drei Runden gehörten nun dem angeblich “schwächsten“ Spieler am Final Table die Hälfte aller im Spiel befindlichen Chips.

5. The Comeback Kid (1997 World Series of Poker, ESPN)

Beim einzigen WSOP Main Event Final Table, welcher außen gespielt wurde (in der Fremont Street, vor dem Binion’s Horseshoe) gewann der schwächelnde Stu Ungar seinen dritten Main Event Titel, sechzehn Jahre nachdem er seine beiden ersten Titel direkt hintereinander gewonnen hatte. Nach Ungar’s letzter Hand, bei welcher er eine Straight riverte und sich den Sieg gegen John Strzemp sicherte, wurde Ungar von Gabe Kaplan interviewt. In dem Interview sprach Ungar über seine Liebe zu seiner 14 Jahre alten Tochter Stephanie und über die Schwierigkeiten, welche er überwinden musste, um wieder an die Spitze zurückkehren zu können. Sein Comeback endete ein Jahr später dramatisch durch seinen vorzeitigen Tod.

4. On the Inside of the World Series of Poker (Discovery Channel, 1999)

Diese Dokumentation wurde von Steve Lipscomb für den Discovery Channel produziert und ermöglichte den Zuschauern einen “Insider” Einblick in die WSOP. Somit wurde die WSOP einem sehr großen Publikum aus einem völlig anderen Blickwinkel präsentiert. Lipscomb sagte, daß sich die Anzahl der Zuschauer während der Übertragung verdoppelt hätte (was bedeutet, daß die Zuschauer zwischendurch nicht auf andere Kanäle umgeschaltet hatten) und die Zuschauer von dieser Übertragung fasziniert waren. Diese Erkenntnisse führten dazu, daß Lipscomb erkannte, daß es ein Publikum für Pokerübertragungen gibt. Die Show gehörte in diesem Jahr zu den Top 20 Sendungen des Discovery Channels im Bezug auf die Einschaltquoten und ist bis heute die Poker-Berichterstattung mit den allzeit meisten Zuschauern. Die Berichterstattung On the Inside of the World Series of Poker war ein Meilenstein für die TV-Pokerübertragungen und maßgeblich dafür verantwortlich, daß sich die WPT entwickelte.

3. “Puggy hat das gesamte Geld” (1973 World Series of Poker, CBS)

Im Jahr 1973, half Jimmy “the Greek” Snyder, welcher später als Kommentator von NFL Today bekannt wurde, bei der Erstellung einer Dokumentation über die WSOP 1973, welche später im Rahmen der populären CBS Wochenend-Show Sports Spectacular ausgestrahlt wurde. In dieser Dokumentation wurde den Zuschauern ein offener und seriöser Einblick in die WSOP 1973 und in die Pokerszene ermöglicht. Kurz vor Ende der Dokumentation wurde die Finale Hand gezeigt, in welcher Puggy Pearson seinen Kontrahenten Johnny Moos im Heads-Up eliminierte. Snyder kommentierte:” Dies ist ein Ereignis, bei welchem einem die das Herz stehen bleibt und dies sogar, wenn man nur zuschaut. Für die Zuschauer ist dies die totale Einbindung ins Spiel“. Nachdem er diese Worte sagte, schwenkte die Kamera ins Publikum und zeigte Snyder, welcher das Spiel aus dem Publikum beobachtete und somit das beste Beispiel für seine These war.

2. Die erste World Poker Tour (2003, The Travel Channel)

Am 30. März 2003 wurde die erste Episode der World Poker Tour auf dem Travel Channel ausgestrahlt. Die Produzenten der WPT hatten erfolgreich Elemente einer Sportübertragung mit einer Spielshow kombiniert, einen spannenden Plot produziert und dazu interessante Spieler eingeladen. Wenn man sich an die erste Show erinnert, wird man sicher auch an Gus Hansen denken, welcher das im Rahmen der ersten WPT Episode ausgestrahlte 2002 Five Diamond Poker Classic Event gewann, obwohl er eigentlich ein Poker-“Außenseiter“ war, welcher eigentlich Backgammon spielte und hier einfach mal sein Glück beim Pokern versuchen wollte. Hansen’s Erfolg am Final Table beeindruckte den Poker Pro Freddy Deeb (welcher von Hansen auf Platz 5 eliminiert wurde) nicht wirklich, er sagte in einem Interview: “ Der Spieler (Hansen), welcher die letzte Hand gegen mich gewonnen hatte, spielt meiner Meinung nach wirklich schlecht“. Die nachträglich hinzugefügten Kommentare von Mike Sexton und Vince Van Patten waren vor allem für die Poker-Neulinge unter den Zuschauern überaus hilfreich und wurden später als Anregung für die Kommentare bei den ESPN WSOP Übertragungen übernommen.

1. Moneymaker blufft Farha (2003 World Series of Poker, ESPN)

Über das WSOP 2003 Main Event wurde in sieben einstündigen Sendungen berichtet. Dieses Event sorgte nicht nur für den Start des Poker-Booms, sondern sorgte (zusammen mit der damals erstmalig ausgestrahlten WPT) für einen neuen Standard der Pokerübertragungen im Bezug auf die Produktion und die Art und Weise der Berichterstattung. Der Poker-Amateur und spätere Main Event Gewinner, Chris Moneymaker, machte in der letzten Episode einen epochalen Bluff gegen den erfahrenen PokerPro Sam Farha (Moneymaker ging am River mit nichts als einem gescheiterten Straight bzw. Flush Draw All-In) und genau dieser Bluff ist unserer Meinung nach das Highlight der spektakulärsten Momente bei Pokerübertragungen. Norman Chad sagte einmal, daß Moneymaker wohl den erfolgreichsten Bluff dieses Jahrhunderts gemacht hatte.

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