Pokerbuchbesprechung: ‘Check-Raising the Devil’ von Mike Matusow, mit Amy Calistri und Tim Lavalli

mike matusow

“Ich denke, wenn die Dinge etwas anders gelaufen wären, dann hätte ich dieses Buch nicht geschrieben” So erklärt einer der führenden Figuren der internationalen Pokerszene, Mike Matusow. Diese Aussage findet man auf den ersten Seiten von Mike Matusow’s neuer Biographie “Check-Raising the Devil“, welche er zusammen mit Amy Calistri und Tim Lavalli geschrieben hat. Die beiden Co-Autoren haben ihm sicherlich sehr dabei geholfen dieses Selbstporträt in einem sehr nüchternen, selbstkritischen Ton zu schreiben.

Matusow’s Geschichte ist manchmal erheiternd und manchmal bedrückend und schildert sowohl die Erfolge als auch die Misserfolge in seiner Karriere eindrucksvoll. Die Höhen und Tiefen eines Lebens als professioneller Pokerspieler können auch einen ausgeglichenen Spieler aus dem Gleichgewicht bringen, was erklären würde, warum vieles in Matusow’s Leben nicht so einfach war.

Viele welche Check-Raising the Devil lesen werden, sind sicherlich mit einigen Details aus Matusow's Karriere vertraut. Er hat drei WSOP Bracelets und über 7 Millionen Dollar bei Pokerturnieren gewonnen. Viele werden sich sicherlich auch noch an das eine oder andere Highlight erinnern, vor allem an die zwei WSOP Main Event Final Table (2001, 2005), seine Glückssträhne während dem Höhepunkt des Poker-Booms (gegen Greg Raymer bei der WSOP 2004, Shawn Sheikhan bei der WSOP 2005 und Phil Helmuth beim Tournament of Champions 2005) und sein gutes Abschneiden bei der letztjährigen WSOP.

Jetzt denken viele natürlich Sie wüssten auch alles über Matusow’s andere Seite, sein freches Mundwerk, was ihm den Spitznamen “The Mouth“ einbrachte. Alle welche ihn so kennen, werden überrascht sein, wie verletzlich, voller Selbstzweifel und wie schüchtern er in seinem Buch dargestellt wird. Ein Mensch, welcher verzweifelt um Anerkennung gekämpft hat. Wie viele andere professionelle Spieler wird er sehr schnell überheblich (“Ich denke ich kann schwache Spieler bei einem Live Game besser entdecken, als jeder andere lebende Mensch“). Wenn man aber das Buch liest, wird man seine Beweggründe mit jeder Passage besser verstehen können und es wird dem Leser sehr einfach fallen, sich mit ihm zu identifizieren.

Die Sache mit dem Spekulieren über “die Dinge hätten auch etwas anders laufen können“ führt auch dazu, daß Matusow sich mit der Geschichte von Stu Ungar beschäftigt, dem dreifachen WSOP Main Event Champion, welcher drogenabhängig war und im Alter von 45 Jahren starb. Die parallelen zwischen Stu Ungars Geschichte und der Geschichte von Matusow sind nicht von der Hand zu weisen. Deshalb ist es besonders spannend zu lesen, wie Matusow versucht die Fehler zu vermeiden, welche zu Ungar’s Untergang geführt hatten.

Das Buch beginnt in den frühen 90’ern und beschreibt einen 23-Jahre alten Matusow, welcher sich nach eigener Aussage in einer hoffungslosen Situation befand, in einem Wohnwagen wohnte und im Möbelgeschäft seiner Eltern arbeitete. Während dieser Zeit verspielte er seinen Lohnscheck regelmäßig beim Videopoker. Eines Tage brachte ihn ein Freund zum Live-Poker, wobei er schon bald sein Talent entdeckte andere Spieler zu lesen und ihre Karten einzuschätzen. Er konzentrierte sich hauptsächlich auf Limit Holdem und verdiente schon bald genug, um seinen Job aufgeben zu können und Vollzeit Poker zu spielen, wobei er zuvor noch in einigen Casinos in Vegas als Dealer arbeitete.

Er schaffte es aber nicht, sich einen Bankroll aufzubauen, da er noch einer anderen, destruktiven Leidenschaft frönte – den Sportwetten. Letztendlich fand er einen Unterstützer, welcher ihn von den Sportwetten abhielt, was dazu führte, daß seine Pokerkarriere ins Laufen kam. Er hatte einige kleine Erfolge bei der WSOP, so verpasste er beim Omaha Hi-Low Event im Jahr 1997 nur knapp ein Bracelet und gewann im Jahr 1998 eine größere Geldsumme, weil er Scotty Nguyen unterstützte, welcher letztendlich das Main Event gewann. Das gewonnene Geld nutzte er, um sich ein Haus zu kaufen und aus dem Wohnwagen auszuziehen. Im folgenden Jahr gewann Matusow dann sein erstes WSOP Bracelet.

Die restliche Zeitspanne kann man grob in drei Abschnitte unterteilen: die “Party Jahre“ (2000-2003) – eine Zeit in welcher er sehr erfolgreich Turniere spielte, aber auch sehr viele Drogen konsumierte. Eine Übergangszeit (2003-2005) während welcher er versuchte von den Drogen weg zu kommen, da bei ihm diverse körperliche und psychische Störungen festgestellt wurden, wobei es während dieser Zeit zu einer Anzeige wegen Drogenmissbrauch kam, welche dazu führte, das er 6 Monate ins Gefängnis musste. Die “triumphale Rückkehr“ (2005-2008) eines neuen , eines besseren, eines Mike’s, welcher sowohl die Wettkämpfe am Pokertisch, als auch den Kampf gegen seine eigenen Dämonen gewonnen hatte.

Während der ersten Periode saß Matusow im Jahr 2001 im WSOP Main Event am Final Table, gewann im Jahr 2002 sein zweites WSOP Bracelet und spielte sehr erfolgreich Cash-Games. Seine Erfolge beim Pokern waren zu dieser Zeit untrennbar mit seiner Drogensucht verbunden (zuerst Ecstasy und danach Crystal Meth), wobei sein Lebensstil während dieser Zeit bedingt durch die Drogen überaus zügellos war. Obwohl von dieser Mischung aus Sex, Drogen und einem exklusiven Lebensstil, natürlich eine gewisse Faszination ausgeht, wird in dem Buch der Drogenmissbrauch nicht glorifiziert. Matusow kritisiert mehrfach seine falschen Entscheidungen, seine Anfälligkeit für schlechte Ratschläge und seine Unwilligkeit über seine Fehler nachzudenken.

Wenn es Matusow letztendlich schafft, einen anderen Weg einzuschlagen, als den Weg, welcher Ungar letztendlich in den Ruin getrieben hat, wird die Story richtig herzerweichend. Er schreibt über die Diagnose seiner Krankheiten und die Behandlung. Der Leser erfährt, wie er lernen muss, mit seinen Einschränkungen umzugehen und wie die Drogen seine Leiden noch verschlimmern. Er spart keine Details aus, geht ausführlich auf seine Inhaftierung ein und beschreibt das Leben hinter Gittern. Während Matusow einige rationelle Gründe aufführt, welche zu seiner Inhaftierung geführt hatten, bleibt es dem Leser letztendlich doch selbst Überlassen, sich ein Bild über Matusow’s Schuld oder Unschuld zu machen.

Nach seiner Entlassung im Frühling 2005 schaffte er es bei der WSOP erneut bis an den Final Table des Main Events und gewann das Tournament of Champions. Matusow schreibt, daß er es heute geschafft hat ein neues profitables Gleichgewicht in seinem Leben zu finden.

Check-Raising the Devil ist ein bemerkenswertes Buch, welches auf unterschiedliche Art und Weise betrachtet werden kann. Es handelt sich dabei sicherlich um einen sehr wichtigen Beitrag über die Geschichte des Pokers und es bietet dem Leser einen detaillierten Einblick in mehrere Jahrzehnte der Pokergeschichte, eine Periode, welche sich durch ein dramatisches Wachstum der Branche auszeichnete und über welche nun Matusow, als direkt betroffene, zentrale Person, berichtet. Das Buch warnt vor Drogenmissbrauch und den anderen Gefahren, welchen man im Rahmen eines Lebens als professioneller Pokerspieler ausgesetzt ist. Der Autor hat versucht in dem Buch seinen Prozess der Loslösung von den Drogen zu beschreiben. Aber das Buch ist für Matusow auch irgendwie eine Entschuldigung oder Selbstverteidigung, ein Versuch der Rechtfertigung.

Check-Raise ist vielleicht einer der effektivsten Spielzüge, welche ein Spieler beim Poker machen kann und ich oft ein aggressiver Versuch die Kontrolle über eine Hand zu übernehmen, bei welcher vorher ein anderer Spieler die Kontrolle hatte. Man kann das Buch von Matusow als eine ähnliche Geste betrachten, ein Versuch die Verantwortung für die Hand zu Übernehmen, welche an ihn ausgeteilt wurde.

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