Der Poker Psychotherapeut: Das Premack Prinzip

Der Poker Psychotherapeut: Das Premack Prinzip 0001

Während David Premack in den 60'ern Kinder beobachtete, stellte er fest, daß einige Eltern eine bestimmte Verhaltenweise anwenden, um eine andere Verhaltensweise einzufordern. Ein Beispiel: Ihr Sohn spielt sehr gerne Video Games, macht aber nicht gerne sein Zimmer sauber. Sie als Elternteil möchten natürlich, daß der Raum sauber gemacht wird und daß Ihr Sohn weniger Zeit mit Videospielen verbringt. Eine Verhaltensweise (das Spielen von Video Games) wendet er oft und gerne an; die Andere (das Zimmer säubern) wendet er nicht oft und ungern an. Deshalb machen weise (bzw. manipulative) Elternteile ihren Kindern das Angebot, daß sie mehr Videospiele spielen dürfen, wenn ihre Zimmer sauber sind. Eine Verhaltensweise fungiert als Belohnung für die Andere. Es gab schon heftige Diskussionen zum Thema "belohnungsbasierte Verhaltenweisen", aber die meisten Eltern würden sicher den sauberen Raum im Tausch für mehr Video Spielzeit akzeptieren.

Ich erinnerte mich an das Premack Prinzip im letzten Sommer während der World Series of Poker NLHE Preliminary Events. Fünf hochkarätige PokerPros saßen praktisch Rücken an Rücken an vier Spieltischen: Phil Hellmuth, Mike Matusow, Layne Flack und Huck Seed. Der fünfte Spieler möchte nicht genannt werden, da er derjenige war, welcher das Premack Prinzip anwendet und er seine Strategie nicht öffentlich aufdecken möchte. Deshalb werde ich ihn einfach "Bill" nennen.

So lief das Spiel ab: Es war in der ersten Blind-Runde, was im Bezug auf die Deep-Stack WSOP Struktur bedeutet, daß im Vergleich zum Chip-Stack relativ wenig Chips im Spiel waren. Die fünf Pros, redeten über dies und das, machten Last-Longer Bets und diskutierten über die Zusatzwetten bei der WSOP 2008. Sie konzentrierten sich also eher auf ihr Gespräch, als auf das Spiel.

Bill, unser Poker Pro, saß am weitesten vom Zentrum der Unterhaltung entfernt, sodaß er sich immer zurücklehnen musste, um mit den anderen Spielern zu sprechen. Deswegen stand er relativ oft auf, um sich mit den anderen Spielern zu unterhalten. Wenn er in seinem Stuhl saß, spielte er einige wenige Hände und foldete am Flop oder am Turn, wenn ein Conti-Bet kam. Es schien so, als würde er eine Menge Hände spielen wollen, aber nicht in wirklich große Pötte verwickelt werden wollte. Einfach zu lesen, er erweckte den Anschein, daß er mehr daran interessiert war, mit den anderen Spielern zu chatten, als seine Karten zu spielen.

Zu einem bestimmten Zeitpunkt, ungefähr bei der 30. Hand des Turniers, schaute Bill in seine Karten und raiste – sein erstes Raise in diesem Turnier. Er konzentrierte sich auf die Hand und callte einen Bet auf dem Flop (K-8-6). Als eine 2 auf dem River kam, machte sein Gegenspieler einen Pot-Size Bet. Bill überlegte eine Minute, dann zeigte er seine Pocket Queens und gab die Hand auf. Der andere Spieler zeigte A-K und das Spiel ging weiter. Bill lehnte sich wieder zurück, setzte seine unterbrochenen Gespräche fort und foldete eine Menge Hände Post-Flop.

Als die Spieler nach der Runde 1 Pause an ihren Platz zurückkehrten, blieb Bill an seinem Platz stehen. Er sah sich seine Karten zwar an foldete aber, da er sich gerade mit Mike Matusow über die Unterschiede der EPT Blind Struktur im Vergleich zu der WSOP Struktur unterhielt. Als er sich schließlich hinsetzte, schien er immer noch mehr an den Gesprächen, als an den Händen interessiert zu sein. Dann kam folgende Hand.

Ein Spieler auf vorderer Position eröffnete mit einem Raise; wobei dieser Spieler schon einige Pötte durch Post-Flop Bets gegen unseren Pro gewonnen hatte. Bill callte Pre-Flop, während er sich weiterhin mit Phil Hellmuth über ein kommendes Wohltätigkeits-Turnier unterhielt. Der Flop kam mit A-K-8, der Raiser auf vorderer Position setzte 1/3 Pot, Bill callte und unterhielt sich weiterhin mit Phil. Der Turn brachte eine 6 und der VP Spieler setzte ½ Pot; Bill fragte wie hoch der Bet war, da er nicht richtig aufgepasst hätte, entschuldigte sich und callte. Auf dem River kam ein weiterer King, der VP Spieler machte einen Pot-size Bet, Bill raiste, der VP Spieler ging All-In und Bill callte ohne zu zögern. Der Dealer verkündete:" All-In und ein Call", um die Aufmerksamkeit der ESPN Kameras zu erregen. Huck Seed und Layne Flack hatten die Ankündigung ebenfalls gehört und machten eine kurze Pause, um sich den Ausgang dieser Hand anzusehen. Als jeder bereit war, zeigte der VP Spieler A-K für ein King Full House und unser desinteressierter Poker Pro zeigte A-A, ein Ace Full House, wodurch er diese Hand gewann und seinen Chip-Stack verdoppelte.

Als Huck wieder an seinen Spieltisch ging, sagte er:" Haben die wirklich gedacht, Bill würde sich nicht richtig auf das Spiel konzentrieren?".

War das der Effekt, welchen Bill erzielen wollte? Mit Sicherheit. Ich weiss es genau, da ich ihn bei der nächsten Pause danach gefragt hatte. Er hat es zwar nicht als Premack Prinzip bezeichnet, ich möchte seine Vorgehensweise aber trotzdem so bezeichnen. Lassen Sie Ihren Gegner das tun was sie am ehesten tun werden – holen Sie sich ihre Chips indem Sie setzen – und machen Sie es dadurch einfacher für sie, etwas zu tun, dass sie nicht so gerne machen, wie zum Beispiel um einen großen Pot mitspielen, anstatt zu folden.

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