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Buchtipp: „One of a Kind: The Rise and Fall of Stuey, the Kid"

Buchtipp: „One of a Kind: The Rise and Fall of Stuey, the Kid" 0001

Zugegeben, das Buch ist bereits 2006 erschienen – dennoch ist es auch jetzt noch wert empfohlen zu werden – als „All-Time-Lektüre" sozusagen. Wenn man so will ein Pokerlehrbuch der anderen Art, denn hier geht es nicht um trockene Theorie, sondern um das bewegte und traurige Leben des wohl bedeutendsten Pokerspielers aller Zeiten: Stuart Errol „The Kid" Ungar.<br>

Die Biographie von Nolan Dalla, Peter Alson und Mike Sexton beschreibt detailgenau den Aufstieg und Fall von Stu oder Stuey Ungar. Er gilt bis heute als Poker-Genie – bei ihm bestätigt sich der Spruch „Genie und Wahnsinn liegen dicht zusammen", denn obwohl er so erfolgreich war, war er doch ein Zerrissener, der sich mit seiner Kokainsucht regelrecht selbst dahingerafft hat. Er hat es als einziger Pokerspieler geschafft drei Mal die WSOP UND drei Mal die „Super Bowl of Poker" zu gewinnen. Das ist niemandem bis dato gelungen. <br>

Schon die Kindheit von Stu Ungar war durch Glücksspiel geprägt. Sein Vater hatte ein Bar und war Buchmacher in New York City/Manhattan/Lower Eastside. Klein Stuey ging jeden Tag nach der Schule in die Bar, dort hatte er sozusagen seinen „zweiten Bildungsweg", denn als 10-Jähriger war er schon voll beim Wetten dabei. Er bat immer Erwachsene seine Wetteinsätze zu tätigen. Stu war schon damals gut in dem was er tat und hatte ein besonderes Talent für Zahlen. Das blieb auch in der Schule nicht unbemerkt. Er konnte einige Schulstufen überspringen und hätte wohl eine steile Wirtschaftkarriere machen können. Doch Ungar fühlte sich für das Glücksspiel berufen, darin fühlte er sich zu Hause. Die Kunden in der Bar seines Vaters hatten mehr oder weniger mit dem organisierten Verbrechen zu tun, von ihnen lernte Ungar das Kartenspiel und wurde in die Hinterzimmer mitgenommen. Eine harte Schule, die sich später bezahlt machen würde. Stu Ungar konnte die Karten seiner Gegner lesen wie kein Anderer. <br>

1974, Stuey war gerade 21 Jahre alt, kam er das erste Mal nach Las Vegas. Diese Stadt packte ihn sofort. Gerade in dieser Zeit begann Las Vegas zur Entertainment-Stadt für Jedermann zu werden, nicht nur exklusives High-Society Clientel. Er erspielte sich durch die Casinos der Stadt und war schon Bald in der Liga der „High-Roller". Er spielte jeden Tag und konnte sich stetig verbessern. <br>

1980 dann die erste Teilnahme an der WSOP – Stuey „The Kid" Ungar gewann. Der klein gewachsene, zierliche Mann konnte sich fulminant gegen Doyle Brunson durchsetzen. Diesen Erfolg konnte Stu gleich im Jahr darauf wiederholen – er wollte beweisen, dass sein Sieg nicht nur Glückssache war. Jetzt glaubte ihm jeder, dass er ein Poker-Ass war. Damals war es üblich mehrere Tage am Stück zu spielen, Kokain diente dazu munter zu bleiben und fokussiert spielen zu können. Der Tod seiner Mutter brachte Stu mehr oder weniger zur Droge. Denn das war ein tiefer Einschnitt für ihn. Entgegen seiner Coolness am Pokertisch, war der taffe Spieler privat ein sensibler und tiefgründiger Mensch. Bei Freunden probierte er Kokain das Erste mal. Schon bald wurde die Droge zu seinem ständigen Begleiter, er konnte nicht mehr ohne sie leben. <br>

Mit dem Drogenkonsum veränderte sich auch sein Umgangston am Tisch, er beschimpfte Personal und Spieler aufs übelste. Kokain brachte die Seite von Stu zum Vorschein, die er immer gehasst hatte und trotzdem konnte er es nicht lassen. Das Spiel und Kokain waren sein Lebensinhalt. <br>

1983 dann die Heirat mit Madelaine. Sie brachte Richie mit in die Ehe, der Stiefsohn wurde geliebt wie das eigene Kind. Doch das Familienleben, das Stu so wichtig war, vernachlässigte er mehr und mehr. Setzte oft mehrere Hunderttausend in nur einem Pferderennen und verlor immer wieder all sein Geld. Zwei Jahre nach der Hochzeit kam dann Tochter Melanie zur Welt. Ungar konnte sich wieder etwas fangen. Doch der Selbstmord von Richie 1989 sollte der sensiblen Seele Ungars den , Rest geben. Er fühlte sich für den Selbstmord verantwortlich. Nur ein Jahr danach, 1990, wurde seine Ehe geschieden. <br>

Stu war mehr denn je kokainabhängig. Noch mehr Dramatik als sein Aufstieg, hatte sein tiefer Fall. Ungar war Geld egal, ihm ging es um das Spiel. Er wollte spielen, wetten, setzte alles auf ein Pferd. Es war ihm egal. Brauchte jemand Geld, er lieh es ihm, wenn er es hatte. Ja, er wollte es nicht einmal zurück, es spielte keine Rolle für ihn. Er war dem Spiel und den Drogen verfallen. Mehr wollte er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Stu Ungar war vom „rising star" nun ganz unten angelangt. Er hatte nicht einmal mehr Geld um seiner Tochter Gewand für die Schule zu kaufen. <br>

1997 tauchte „the Kid" wieder in der internationalen Turnierszene auf. Er kam zu Billy Baxter und wollte sich wieder Geld leihen. Baxter hatte ihn gefragt was er denn noch wollte, wieder alles für Drogen ausgeben? Stu versicherte, dass er clean sei und in der Lage gut zu spielen. Er wollte an der WSOP teilnehmen. Baxter gab ihm letztendlich die $ 10.000 um am Main Event der WSOP teilzunehmen. Aber mit der Auflage, dass wenn er es nur wagen würde, nicht zu erscheinen wie 1990 (da war er nach dem ersten Tag Chipleader, dann eine lange Drogennacht im Hotelzimmer und am nächsten Tag war Endstation Krankenhaus und die WSOP war gelaufen), dann dürfte er sich nie wieder unter Baxters Augen trauen. Stu wollte gewinnen, er wollte für seine Tochter gewinnen. Einem Mitarbeiter bei der WSOP zeigte er ein Foto seiner Tochter und sagte: „Ich will dieses Foto bei meinem Gewinn des Main Events allen zeigen, und sagen, dass ich für sie gewonnen habe." Stu hatte keinen Zweifel, dass er den Main Event gewinnen würde. Und er hat gewonnen – ein wahnsinns Comeback, nach all den Jahren ganz unten. Im Interview (nach seinem Sieg) mit ESPN machte er sein Versprechen wahr, zeigte das Bild in die Kamera und meinte: „Ich liebe dich mein Schatz, wir sehen uns bald." <br>

Jeder hoffte, dass dieses Comeback sein Leben ändern würde. Dass er zurück wäre. $1 Million war sein Gewinn bei der WSOP, ein Monat später war er wieder pleite – Sportwetten, Drogen,… <br>

1998 wollte er seinen Titel verteidigen, das war ihm sehr wichtig. Jeder sollte wissen, dass sein Comeback kein Zufall war. Baxter war auch wieder bereit ihm das Geld für das Buy-In zu leihen. Am Turniertag meinte Stu aber, dass er zu müde sei, zu schwach um am Turnier teilnehmen zu können. Er konnte kaum gehen. Ein paar Monate später wurde er wegen Crack und Kokain-Missbrauchs verhaftet. Seine Tochter Stefanie hatte den Kontakt abgebrochen, sie konnte es nicht mehr ertragen ihren Dad so zu sehen. Sie hoffte durch ihr Ultimatum etwas erreichen zu können. Sie wusste nicht, dass es das letzte Mal sein sollte, dass sie ihren Vater lebend sieht. <br>

2. November 1998: Stu Ungar wurde tot in einem billigen Hotelzimmer gefunden – Diagnose: Herzinfarkt. Zu viele Jahre Drogenkonsum hatten seinen Tribut gefordert. Er wurde nur 54 Jahre alt. <br>

In seiner Tasche fand man $ 800. Obwohl Stu Ungar in seiner Profispieler-Karriere mehr als $ 30 Millionen Dollar gewonnen hatte, waren diese $ 800 der Rest, der übrig war. Freunde bezahlten sein Begräbnis. <br>

Die Lebensgeschichte von Stu Ungar ist tragisch, eine Legende, ein Genie, Einer der Leben zerbrochen ist. Und dennoch gebührt ihm Hochachtung, denn er war der beste Pokerspieler aller Zeiten. Es ist spannend seinen Aufstieg und Fall so detailreich miterleben zu können. Neben dem Buch gibt es auch einige TV-Dokumentation, die für das Amerikanische Fernsehen produziert wurden. Diese sind zwar nicht auf DVD erhältlich, aber auf youtube sind einige Clips zu finden. Auch auf dem Pokerportal „pokertube" gibt es eine sehr interessante Dokumentation über Stu´s Leben. <br>

Diese ist besonders berührend, weil erstmals unveröffentlichte Tonaufnahmen von Stu Ungar zu hören sind. In den letzten Jahren seines Lebens hat er diese Bänder aufgenommen, für seine Autobiografie. Dazu kam er allerdings nicht mehr. Dieses Dokument zeigt den gebrochenen, zweifelnden Menschen hinter dem Poker-Face. Hier ein paar Auszüge aus dem, was Stu Ungar über sein Leben erzählt: <br>

„Ich glaube nicht, dass ich 65 werde, weil ich mich selbst schon sehr „abnütze" und „ablebe". Irgendwie schaffe ich es mir nur schlechtes zu tun. Zu anderen Menschen bin ich gut und verständnisvoll." <br>
„Ich glaube an den Himmel und die Hölle und ich habe eine Scheiß-Angst verdammt zu sein. Ich bete, aber auch nur dann wenn ich das Gefühl habe bald zu zu sterben." <br>
„Ich habe nie auch nur einen Drink angerührt, ich war das reinste und aufrechteste Kind das man sich nur vorstellen kann. Auch als junger Mann war ich noch so. Dann bin ich bei Freunden gewesen, das war nach dem Tod meiner Mutter, mir ging es schlecht. Und da stand ein Fläschchen mit Kokainpulver am Tisch. Ich wusste nicht was es war, ich kannte das Zeug bis dahin nicht. Manchmal denke ich darüber nach, was passiert wäre wenn ich in einem anderen Gemütszustand gewesen wäre. Der Tod meiner Mutter nicht so nahe." <br>
„Ich habe mich in den Schlaf geweint, wie Richie sich umgebracht hatte. Aber ich habe niemals eine Träne in der Öffentlichkeit gezeigt."
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