2019 World Series of Poker Europe

Dr. Pauly bei der WSOP 2008: Der Kampf für Europa

Dr. Pauly bei der WSOP 2008: Der Kampf für Europa 0001

Nachdem ich jetzt schon von überall auf der Welt von Pokerturnieren berichtet habe, fiel mir auf, daß die skandinavischen Spieler zu den härtesten und aggressivsten Spielern der gesamten Welt gehören. Sie scheinen genau das zu sein, was man sich unter perfekten Pokerspielern vorstellt. Es scheint so, als könnten sie sich an alle Spielsituationen anpassen und als ob sie immer zu den dominierenden Spielern am Spieltisch gehören würden. Es scheint ein gesellschaftliches Phänomen zu sein, daß die Skandinavier immer ruhig, cool, stoisch und emotionslos erscheinen. Vielleicht liegt es ja daran, daß sie immer genügend Zeit zum Übern haben. In den langen, freudlosen und tristen Wintermonaten haben die Pokerspieler ausreichend Zeit um intensiv zu üben und ihr Spiel zu verbessern.

"Die Scandis werden überbewertet" sagte ein Reporter aus Texas.

"Hast Du jemals einen anderen Skandi gesehen, mal abgesehen von Thor Hansen?" fragte ein anderer Reporter aus England.

Ich dachte immer, daß die Spieler aus Skandinavien zu den besten Spielern der Welt gehören. Wie auch immer, nach den ersten 31 Events sagen die Statistiken jedoch etwas anderes. Die Scandis hatten keinen so guten Start. Selbst wenn wir Finnland (und die spielstarken Finnischen Poker Pros Patrik Antonius, Thomas Wahlroos und Juha Helppi) dazu nehmen, stehen Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland nach 3 Wochen WSOP nicht auf den Top Ranglisten Positionen.

Während der ersten 31 Events, haben die Skandinavier kein einziges Bracelet gewonnen. Die Schweden saßen nur 2 Mal am Final Table und haben 11 Mal Preisgeld gewonnen. Die Dänen hatten ebenfalls keinen Final Table und haben 8 Mal Preisgeld gewonnen. Die Norweger schafften es nicht an einen Final Table zu kommen und haben sieben Mal Preisgeld gewonnen. Und Finnland? Nur ein Final Table (Patrik Antonius) und einmal Preisgeld.

Der Hauptgrund warum die Scandis so schlecht abgeschnitten haben ist daß während der ersten 3 Wochen nur eine Handvoll Scandis bei der WSOP gespielt haben. Außer Gus Hansen, Thor Hansen und Patrik Antonius haben keine großen Namen aus Skandinavien gespielt. Ich vermisste alle Scandis, welche die EPT in der letzten Saison dominiert hatten, wie z.B. Trond Eidsvig, Bjorn-Erik Glenne, Andreas Hoivold, Kristian Kjondal, Soren Kongsgaard und Sander Lyloff. Und was ist mit Theo Jorgensen, Ola Brandborn, Johnny Lodden und William Thorson? Natürlich gehört Annette Obrestad zu den besten NL-Turnierspielerinnen der Welt , leider kann Sie dieses Jahr am WSOP Main Event teilnehmen, da sie zu diesem Zeitpunkt noch keine 21 Jahre alt ist.

Zusätzlich zu dem nicht wirklich guten Abschneiden der Scandis, haben die Engländer bisher auch keine wirklich gute Leistung gezeigt, obwohl erheblich mehr Engländer als Scandis an der WSOP teilnehmen, haben Engländer bisher noch kein Bracelet gewonnen, saßen nur 8 Mal am Final Table und haben 80 Mal Preisgeld gewonnen.

Wenn man sich im Gegenzug die Ergebnisse der Russen und der Italiener ansieht (und zusätzlich die Ergebnisse der Deutschen und der Holländer) sieht es schon ein wenig besser aus. Über diese Ergebnisse bin ich besonders überrascht, da ich eigentlich dachte, daß die Engländer und die Scandis bei der WSOP für Europas Ruhm und Ehre kämpfen würden. Die Ergebnisse zeigen aber daß die Italiener und die Russen hier eindeutig vorne liegen.

Max Pescatori und Dario Minieri haben in der letzten Woche WSOP Events gewonnen und verschafften Italien damit zwei Bracelets. Die Italiener saßen drei Mal am Final Table und haben 13 Mal Preisgeld gewonnen. Pescatori, Minieri und Dario Alioto saßen jeweils mindestens ein Mal am Final Table und haben zusammen bereits über 1,2 Millionen Dollar bei der diesjährigen WSOP gewonnen

Die Russen haben dieses Jahr bei der WSOP bisher ebenfalls eine hervorragende Leistung gezeigt. Sie haben ein Bracelet gewonnen, saßen vier Mal am Final Table und haben vierundzwanzig Mal Preisgeld gewonnen. Alex Kravchenko führt zusammen mit den jungen Senkrechtstartern Alexander Kostritsyn und Kirill Gerasimov. Zusätzlich steht der Russe Nikolay Evdakov aus Moskau den All-Time Rekord im Bezug auf die Preisgelder zu brechen. Nicht vergessen sollte man auch Vitaly Lunkin, welcher dieses Jahr das einzige Bracelet für Russland bei der WSOP gewonnen hat. Die Gewinnerin des Ladies Championchips, Svetlana Gromenkova, zählt zwar eigentlich für die USA, wurde aber in Russland geboren, bevor ihre Familie nach Brooklyn/NY übersiedelte.

Für die Holländer hat Rob Hollink ein Bracelet gewonnen. Holländische Spieler saßen fünf Mal am Final Table und haben 28 Mal Preisgeld gewonnen. Die Deutschen haben ebenfalls ein Bracelet gewonnen, saßen zwei Mal am Final Table und haben bisher 37 Mal Preisgeld gewonnen. Die Franzosen haben außer einem Final Table von David Benyamine noch keinen weiteren Erfolg erzielen können.

Ich glaube die Russen übertrumpfen die Italiener in einigen Punkten nur, weil wesentlich mehr Russen an der WSOP teilnehmen, als Italiener. Die Italiener sind mit ihren Pros bei der diesjährigen WSOP stark genug vertreten und könnten noch einiges erreichen.

Es wird erwartet, daß ein Großteil der Scandis erst kurz vor Beginn des Main Events in Las Vegas ankommen werden, aber dann wird es wahrscheinlich zu spät sein, um das Ranglistenergebnis der Scandis noch zu verbessern. Nachdem die Leistungen der Engländer und der Scandis den Erwartungen nicht entsprachen und bestenfalls als unterdurchschnittlich bezeichnet werden können, liegt es an Russland und Italien die europäische Ehre zu verteidigen, es sei denn die Deutschen und die Holländer würden extrem erfolgreich spielen und eine große Anzahl Bracelets gewinnen.

(Anmerkung: Alle in diesem Bericht verwendeten Statistiken wurden von der WSOP zur Verfügung gestell

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