2019 World Series of Poker Europe

Die andere Seite des Spieltisches: 2002 bevor der Boom begann, Teil 2

Die andere Seite des Spieltisches: 2002 bevor der Boom begann, Teil 2 0001

Vom Dealer zum professionellen Pokerspieler in zwei Tagen

Die 2002 World Series of Poker starte mit einigen Limit Events und zu diesem Zeitpunkt erlaubten wir es den Dealern an den Turnieren teilzunehmen. Mike Majarus war eigentlich engagiert um bei der WSOP als Dealer zu arbeiten, nachdem er aber dritter beim Angestellten Limit Holdem wurde, entschloss er sich am 2000$ Limit Holdem Event teilzunehmen. Er musste sich an einem Tisch durchkämpfen an welchem TJ Cloutier, Huck Seed, Ram Vaswani und der Spieler, welcher als der beste Limit Holdem Spieler der ganzen Welt bezeichnet wird, der Gewinner des WPT Championchips David Chiu, saßen. Nachdem er 407.000$ für seinen 1.Platz erhalten hatte, sagte Mike zwar er würde jetzt wieder Karten dealen, aber letztendlich hat er bei der WSOP 2002 keine einzige Karte mehr ausgeteilt.

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Flack

In Event #4, zahlten jeweils 2000$ um an dem No-Limit Event teilzunehmen. Es gab keinen besseren Spieler während des Turniers, als den späteren Gewinner, Layne Flack. Ich habe noch nie einen Spieler gesehen, welcher so talentiert war, man könnte ihn mit dem jungen Stu Unger und den Johnny Chan der späten 80er vergleichen. Layne setzte sich gegen das Feld durch, obwohl er während des Spiels durch eine Entscheidung benachteiligt wurde, welche nach meiner heutigen Meinung falsch war. Layne setzte auf einen Bluff und der Spieler deckte eine Karte auf. Während Layne und Benny Binion Behnen sagten, daß die Hand tot wäre – und einer meiner Assistenten ebenfalls bestätigte, daß die Hand tot war, entschied ich, daß die Hand noch gut wäre und der Spieler nach dem Showdown nur eine Strafe zahlen müsste. Der Spieler callte letztendlich und hatte beim Showdown die beste Hand. Obwohl Layne diese Hand verlor, konnte er das Turnier noch gewinnen, ich glaube aber, daß ich an diesem Tag eine falsche Entscheidung getroffen habe.

TDA Rule #7:

Strafen und Disqualifizierungen: Eine Strafe kann verhängt werden, wenn ein Spieler eine Karte zeigt, während noch Aktion in der Hand ist, eine Karte offen auf den Tisch wirft, die One-Player-to-a-hand Regel oder ein ähnlicher Vorfall passiert. Strafen werden verhängt bei Softplay, Beschimpfungen oder bei störendem Benehmen. Die Strafen welche auf Basis des TD verhängt werden können, sind Verbale Verwarnungen und "Missed Hand" Strafen. Eine Strafe, welche den Spieler zwingt, einige Hände auszusetzen, ist folgendermaßen geregelt: Der Übeltäter muss eine Hand für jeden Spieler aussetzen, welcher sich zum Zeitpunkt des Verstoßes am Tisch befindet. Die Anzahl der Spieler wird mit der entsprechenden Anzahl von Runden multipliziert, welche in der Strafregelung definiert ist. Während seiner Aussetz-Runden, muss der Spieler sich vom Tisch entfernen. Die Turnierleitung kann den Spieler aufgrund von Verstößen zum Aussetzen von 1 bis max. 4 Runden verurteilen oder ihn disqualifizieren. Wenn ein Spieler disqualifiziert wurde, werden alle seine Chips aus dem Spiel genommen. Bei mehrfachen Verstößen können mit entsprechend gesteigerten Strafen verhängt werden.

Rule #31 Bestätigt daß die Hand nicht tot war:

Karten zeigen; Ein Spieler, welcher seine Karten zeigt, während noch Aktion in einer Hand ist, kann zu einer Strafe verurteilt werden, die Hand ist allerdings nicht tot. Die Strafe beginnt zum Ende der entsprechenden Hand.

Ich erinnere mich, daß nachdem Layne das Event gewonnen hat und sich am Final Table gegen Spieler, wie Tom Jacobs und Harry Demetriou durchgesetzt hatte, nahm er die Bündel mit 100$ Noten und warf sie quer durch den Raum zu seinem Begleiter Ted Forrest. Eine Woche später wurde im Rahmen der WSOP ein 1500$ No-Limit Turnier ausgetragen, an welchem nicht nur einige der Top Poker Stars teilnahmen, sondern auch eine Menge Spieler, von welchen man vorher noch nie ein Wort gehört hatte. Layne hatte nicht nur das einzigartige Talent andere Spieler sehr gut lesen zu können, sondern er verfügte auch über ein bemerkenswertes Erinnerungsvermögen und war sich seiner Umgebung und den jeweiligen Situationen (egal ob er involviert war, oder nicht) immer ganz genau bewusst. Ich kann mich sehr genau an seine Fähigkeit erinnern Situationen zu rekonstruieren und er erinnerte sich an die Chip-Counts wie kein anderer. Als ich zu seinem Tisch gerufen wurde wollte er mir die Situation erklären, ich wollte jedoch die Informationen über den Vorfall direkt durch den Dealer erhalten. Letztendlich konnte Layne die Situation jedoch besser und genauer erklären und mir die notwendigen Informationen liefern. Als der Final Table erreicht war, hatte Layne nicht mehr so ein leichtes Spiel, wie beim 2000$ NL-Turnier, da an diesem Final Table Spieler wie Johnny Chan, Carlos Mortensen, TJ Cloutier und einige weitere bekannte Namen saßen. An diesem Final Table gab es eine sehr bemerkenswerte Hand, die einzige Vierer gegen Vierer Hände, welche ich jemals bei einem Final Table in einem der großen Turniere gesehen habe. Phillip Marmorstein hatte 4 Vierer und Layne hatte 4 Zehner.

Als noch 3 Spieler am Tisch saßen, spielte Layne so gut und dominieren, daß Johnny und TJ wohl ein wenig Angst bekommen haben und ihm einen Deal vorgeschlagen. Layne antwortete:" Den einzigen Deal, welchen ich mach würde, wäre daß wir um alles spielen!". TJ und Johnny lehnten beide dankend ab und mussten sich dann auch letztendlich mit Platz 2 und Platz 3 begnügen, da Layne im Jahr 2002 einfach zu Gut war.

Wollen wir Fair bleiben, Layne hatte auch ein großartiges Jahr 2003, er gewann seinen einzigen WPT Titel bei der Celebrity Invitational. Danach gewann er sein viertes und fünftes WSOP Bracelet, aber das Jahr 2002 war sicherlich das magische Jahr für Layne. Layne hat seit dem 2004 Monte Carlo Consolation Turnier kein einziges Turnier mehr gewonnen, fast vier Jahre ohne einen einzigen Gewinn, daß ist für einen Spieler, wie Layne einfach nicht akzeptabel.

Layne hatte mit mir gesprochen, nachdem er mir beim Golf 300$ abgeknöpft hat und mir erklärt, daß das Jahr 2002 einfach "sein" Jahr gewesen war und er plant seine damaligen Leistungen zu wiederholen und seine alte Form wieder herzustellen. Und obwohl er einige private Probleme hatte, welche er mittlerweile aber überwunden hat, glaube sein Können immer noch existent ist und daß sein Comeback gelingen könnte. Ich hoffe für das Pokerspiel, daß das Comeback von Layne glückt und er damit ein Zeichen für alle setzen kann.

In meinem nächsten Artikel über die WSOP 2002 werde ich ihnen etwas über Phil Ivey erzählen.

Wir sehen uns am Final Table!

Matt

Matt Savage ist einer der weltweit bekanntesten Poker Turnier Direktoren und war für über 350 im TV übertragene Events verantwortlich, wie z.B. die World Series of Poker und die World Poker Tour. Matt ist der Gründer der "Tournament Directors Association", der erste Kandidat für die "Poker Managers Hall of Fame" und Darsteller im Film "Lucky You". Wenn Sie Fragen zu Turnierregeln haben, können Sie diese per E-Mail an [email protected] senden. Weitere Informationen finden Sie auch auf Matt's Webseite http://www. SavageTournaments.com.

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