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Paradoxien in der Glücksspielbranche

Paradoxien in der Glücksspielbranche 0001

In Österreich wird seit Jahren darüber diskutiert ob Poker ein Glücks- oder Geschicklichkeitsspiel ist. Der Begriff „Spielerschutz" wird bei Monopolisierungsversuchen immer wieder zitiert. Doch das „kleine Glücksspiel", also Automatenspiele, wird eigentlich immer mehr zum Problem. Dagegen wird allerdings nicht viel unternommen, im Gegenteil - im Prater in Wien soll jetzt ein Riesen-Casino entstehen – 600 Unterhaltungsspiel- und Münzgewinnapparate plant die Firma Novomatic in diesem Mega-Komplex zum Einsatz zu bringen.

Der Antrag für dieses Riesen-Casino soll bereits Anfang März bei der Magistratsabteilung 36 (zuständig für Gewerbeangelegenheiten) eingegangen sein. Vizebürgermeisterin Grete Laska unterstreicht seitens der Presse, dass noch keine Details eingegangen seien.

Dieses Projekt würde in den Prater-Masterplan des Franzosen Emanuel Mongon passen. Der Experte für Themenparks und Freizeitanlagen hatte 2003 den Auftrag bekommen, ein allumfassendes Konzept für die Umgestaltung des Wiener Praters zu verfassen. Drei Jahre Planungszeit waren anberaumt. Mongons Vertrag ist im Juni 2006 bereits ausgelaufen, sein Honorar: 1,5 Millionen Euro für 3 Jahre Planung. Kritiker sprechen von einem „zweiten Disneyland" und einer „Verschandelung" des historischen Praters und seiner Kultur. Passiert ist seitdem nicht viel…

Die Geschäftspraktiken und die Anwendung der Gesetze im Bereich Glücksspiel sind paradox. Wie soll „Spielerschutz" ernst genommen werden, wenn ein Mega-Automatencasino in Wien geplant wird?

In Wirklichkeit geht es nur ums Geschäft, denn das Automaten-Business ist für die Stadt Wien sehr einträglich. Jeder Automat bringt Wien eine monatliche Abgabe von € 1.407,-. Insgesamt gibt es knapp 3.000 Automaten in Wien – das bedeutet fast € 50 Millionen, die dieses Jahr ins Wiener Stadt-Budget geflossen sind. Kein Cent davon wurde in Prävention oder Spielerschutz investiert, geschweige denn in Therapien für Spielsüchtige.

Jetzt hat sich die Politik zum Mega-Automaten-Projekt zu Wort gemeldet. „Die Grünen" lehnen das Vorhaben der Firma Novomatic klar ab. Grün-Stadtrat David Ellensohn sieht sogar hinter der ganzen Aktion eine „alte Verbindung" - gegenüber der APA (Austrian Press Agency) meint er: „Die Achse Stadt Wien und dem Glücksspielkonzern Novomatic, früher vertreten durch dessen ehemaliges Vorstandsmitglied und Volkspartei-Gemeinderat und nunmehrigen Bundesminister Gio Hahn, schein noch gut zu funktionieren. Trotz hoher Verschuldungen und einem Anstieg der Spielsucht werde in Wien das Glücksspiel nicht zurückgedrängt, sondern noch ausgebaut." Das sind harsche und klare Worte… Wien ist eben anders…Glücksspielautomaten sind in den Bundesländern von Österreich entweder verboten oder limitiert. Nur Wien tanzt aus der Reihe.

Im Gegensatz zu den Grünen steht die freiheitliche Partei (FPÖ) dem Spiel und Spaß im Prater weniger skeptisch gegenüber. Zwar wäre der „Wildwuchs", so FP-Gemeinderat David Lasar, einzudämmen, allerdings sieht er in Form von Mega-Komplexen bessere Möglichkeiten zur Spielerkontrolle als in kleinen Gassenlokalen.

Über Einschränkungen im Bereich des „kleinen Glücksspiels" wird auf politischer Ebene schon länger nachgedacht, getan wurde bislang nicht viel. So wird denn wohl weiter über Poker diskutiert- Glücksspiel oder Geschicklichkeitsspiel oder Glücksspiel oder Geschicklichkeitsspiel?

Im Vergleich zu diesen Neuigkeiten erscheint das schon fast lächerlich. Aber so sind sie eben – die Paradoxien der Glücksspielindustrie…

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