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Die andere Seite des Spieltischs: Das Jahr 2002, bevor die Branche boomte, Teil 1

Die andere Seite des Spieltischs: Das Jahr 2002, bevor die Branche boomte, Teil 1 0001

Im Jahr 2003, bevor Moneymaker für einen unglaublichen Boom beim Online Poker sorgte, wurde mir der Job des Turnierdirektors bei der World Series of Poker angeboten, es war zu einer Zeit in welcher es einige Probleme beim berühmtesten aller Turniere gab und unbedingt eine seriöse Leitung benötigt wurde.

Dem Personal war im vorhergegangen Jahr nicht das bezahlt worden, was eigentlich gezahlt werden sollte und die Dealer hatten angekündigt zu streiken, wenn ihnen nicht eine gerechte Entlohnung garantiert würde. Die WSOP war schon immer ein Sammelpunkt für besten Dealer des ganzen Landes, eigentlich ein recht gut bezahlter Job, aber noch wichtiger war es, dass es eine große Ehre war bei der WSOP als Dealer zu arbeiten. Ich nahm den Job an, obwohl mir viele Kollegen aus der Branche geraten haben, den Job nicht anzunehmen. Sie hatten Bedenken, ob ich mein Geld bekommen würde oder dass es meiner Reputation schaden könnte. Wie es sich herausstellte, sollte diese Entscheidung, die beste Entscheidung sein, welche ich im Laufe meiner Karriere getroffen habe.

Georg Fisher war der Vermittler zwischen mir und den kampfbereiten Inhabern Becky Binion Behnen und ihrem Ehemann. Während wir verzweifelt auf einen Aufwärtstrend für das Pokerspiel warteten, mussten wir feststellen, daß das Marketing Budget für das Event 0$ betrug. Das Cardplayer Magazin stellte sich quer und sagte, daß das Binions ein Casino wie jedes andere wäre und deshalb für seine Werbeanzeigen voll bezahlen müsse. Becky war jedoch nicht bereit zu zahlen, da sie sich sicher war, daß wir letztendlich sowieso auf dem Titelblatt der CP abgedruckt werden würden. CP traf die richtige Wahl, lies aber dadurch die Inhaber des Binions gleichzeitig wissen, daß Becky und ihr Ehemann gewonnen hatten und das System geschlagen war.

Den Spielern an sich, waren die Bracelets und die Chance Geschichte zu schreiben, wichtiger als ihre Rechte und die Politik. Die Tatsache daß sich keiner der Spieler für die damalige Situation interessierte, war wahrscheinlich für das Weiterbestehen der WSOP sehr wichtig. Doyle Brunson und Chip Reese gehörten zu den wenigen Spielern, welche sich für die Hintergründe interessierten und aus diesem Grund die WSOP einige Jahre boykottierten.

Einer der schärfsten Kritikpunkte, war die Tatsache, daß ein Fee von 6% einbehalten werden sollte und in den Jahren vorher keine Gebühr für das Main Event erhoben wurde. Viele Spieler waren darüber sehr unglücklich, aber was soll man tun… es ist halt die WSOP!

Die Teilnehmeranzahl war damals ganz anders als heute und es bildeten sich Gruppen von 100 Poker Pros, welche jeden Tag spielten. Spezialisten für bestimmte Pokervarianten, welche lange Anreisewege in Kauf nahmen, um ihr bevorzugtes Spiel zu spielen und Spieler, welche einfach nur ihre Chance auf das große Geld nutzen wollten. Es gab damals noch keine Auszeichnung für den besten Allround Spieler, deshalb erstellte Daniel Negreanu, seine eigene Bestenliste auf Basis der Platzierungen. Ich erinnere mich noch ganz genau daran, wie er jeden Tag seinen Rucksack und sein Laptop mitbrachte, um seine Liste auf den neusten Stand zu bringen. Von vielen der heute populären Spieler hatte man im Jahr 2002 noch nichts gehört. Wenn man bedenkt, daß Gus Hansen, Michael Mizrachi, Erick Lindgren und JC Tran mittlerweile zusammen über 25.000.000$ bei Turnieren gewonnen haben und vor der WSOP 2002 zusammen gerade mal zwei Preisgelder in Höhe des WSOP Main Event Buy-Ins gewonnen hatten.

Ein weiterer wichtiger Punkt, welcher für uns heute fast unglaublich klingt, war die Tatsache, daß die Limit Turniere zu dieser Zeit besser besucht waren als die No Limit Turniere mit gleichem Buy-In. Es gab damals, genauso wie heute, vorgelagerte Turniere, welche wegen der Bracelets wichtig waren, aber der Erfolg der WSOP basierte damals und heute auf der Anzahl der Spieler, welche am Main Event teilnehmen. Im Jahr 2001 hatten 613 Spieler teilgenommen und jeder (meine Person mit eingeschlossen) hatte starke Zweifel, ob wir bei der WSOP 2002 diese Teilnehmeranzahl wieder erreichen würden.

In den nächsten Artikeln werde ich ihnen einige weitere Storys von der WSOP 2002 erzählen. Unter anderem geht es dabei um interessante Regeln, fehlende Spieler, einzigartige Situationen und Rassismus.

Ich sehe Sie am Final Table!

Matt

Matt Savage ist einer der weltweit bekanntesten Poker Turnier Direktoren und war für über 350 im TV übertragene Events verantwortlich, wie z.B. die World Series of Poker und die World Poker Tour. Matt ist der Gründer der "Tournament Directors Association", der erste Kandidat für die "Poker Managers Hall of Fame" und Darsteller im Film "Lucky You". Wenn Sie Fragen zu Turnierregeln haben, können Sie diese per E-Mail an [email protected] senden. Weiter Informationen finden Sie auch auf Matt's Webseite http://www. SavageTournaments.com.

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