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Buchbesprechung (Vorschau): Gus Hansen's 'Every Hand Revealed'

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Nur wenige Poker-Pros in der internationalen Pokerszene werden so oft wegen ihres Spielstils analysiert und kritisiert wie Gus Hansen. Die Debatte begann bei der allerersten Ausgabe der World Poker Tour Season 1, bei welcher der "Great Dane" die 2002 Five Diamond World Poker Classics, dank seines unorthodoxen Spielstils gewonnen hat. ("Er spielt sehr schlecht", sagte Freddy Deeb, einer von Hansen's Gegnern am Final Table). Außer zwei weiteren WPT Open Event Titeln, hatte er noch diverse Auftritte in TV-Shows wie z.B. Poker After Dark" und "High Stakes Poker", einen Sieg bei den Aussie Millions und eine gute Platzierung (Platz 61) beim letztjährigen WSOP Main Event. Diese Erfolge führten natürlich zu vielen weiteren Spekulationen, viele fragten sich sicherlich von Zeit zu Zeit:" Was denkt Hansen sich wohl dabei?".

Mit dem Buch "Every Hand Revealed" präsentiert uns Hansen eine ausführliche Antwort auf diese Frage. Ausgehend von der Vorgabe, dass er für seine Leser "ein Buch geschrieben hat, welches überzeugend eine praktikable Pokerstrategie beschreibt, welche auf der Praxis und nicht auf der Theorie, beruht" hat Hansen minutiös die Aufzeichnungen seines Sieges bei den Aussie Millions 2007 niedergeschrieben. Es wird auf jede einzelne Hand eingegangen, beginnend mit Tag 1 bis zum Heads-Up am Final Table. Das Format erinnert an die Beispielhände aus diversen Online-Turnieren, welche von Spielern wie z.B. Greg Raymer oder Annette Obrestad veröffentlicht werden und durch welche andere Spieler dazu animiert werden sollen, sich ihre eigenen Gedanken über die einzelnen Spielzüge zu machen und von den Besten zu lernen. Der Unterschied ist aber, dass Hansen in seinem Buch auf seine Live-Poker-Erfahrungen eingeht und uns mehr Informationen als nur eine simple Aufzählung von Stack Größen, ausgeteilten Karten und den Aktionen beim Setzen zur Verfügung stellt.

Wenn man es ganz genau nimmt, wird natürlich nicht auf jede Hand von Hansens Triumph bei den Aussie Millions eingegangen, alle Hände, welche ohne Preflop Aktion gefoldet wurden, werden nicht kommentiert. Somit verbleiben immerhin 329 Hände, zu welchen er uns ausführliche Informationen gibt, welche er direkt nach der jeweiligen Hand auf einem Diktiergerät festgehalten hatte. Von diesen 329 Händen definiert Hansen 21 als "entscheidende Hände", da diese Hände besonders für seinen Erfolg in dem Turnier verantwortlich waren. Außerdem hat Hansen noch ein besonderes Kapitel mit dem Namen " Stats and Tips for all My Fellow Poker Nerds" angehängt, in welchem zusätzliche Daten bezüglich seiner Spielweise veröffentlicht werden.

Letztendlich handelt es sich um ein bemerkenswert konsistentes Porträt eines Spielers, welcher sich sehr wohl dabei fühlt, sich viele Flops anzusehen und dann maximalen Druck auf seine Kontrahenten auszuüben. Das Buch geht auf eine ganze Anzahl verschiedener Themen näher ein, wie z.B. das Verständnis für die Wichtigkeit der Blind/Ante Struktur, der Unterschied zwischen der Strategie bei Short Handed und Full Table Tischen, die Wichtigkeit die Tendenzen eines Gegners auf Null zu setzen und die Notwendigkeit immer auf den Stack Size und die Pot Odds zu achten. Der Leser erfährt, wie Hansen sich durch das zurückhaltende Spiel mancher Spieler während der ersten und der Letzten Runde des jeweiligen Levels, Vorteile verschafft. Man wird auch erkennen, warum Hansen Preflop limpen meistens als schlechte Idee ansieht, aber Postflop callen auf Position meistens die richtige Entscheidung ist.

In einer seiner "entscheidenden Hände" am Tag 3, beschreibt Hansen den schwierigen Entscheidungsprozess, welcher letztendlich darüber entscheidet ob er ein Check-Raise All-In von Paul Wasicka am Flop callt, obwohl er nur Ace-High und einen Open Ended Straight Draw hatte. Abseits der üblichen mathematischen und kalkulatorischen Kriterien, erzählt Hansen wie er die nicht unerheblichen Konsequenzen eines Foldings mit in seine Betrachtungen einbezog. "Wenn ich diese Hand folde und Mr. Wasicka mir einen Bluff zeigt, würde ich sicher etwas meiner Schwungkraft verlieren "erklärt er". Wenn er sich entscheiden würde seine Hand nicht zu zeigen und die Hand mit einem blöden Grinsen weggeworfen hätte, hätte sich Ungewissheit in mir festgesetzt und es hätte eine weile gedauert, bis ich meine Selbstbeherrschung und meinen Ruf am Tisch wiedererlangt hätte. Die ist eine von mehreren faszinierenden Passagen, in welchen Hansen versucht uns erklären, dass viele seiner Entscheidungen nicht immer auf Odds und Outs beruhen, sondern teilweise durch die nicht direkt greifbaren immateriellen Gründe begingt sind.

Auch erfahrene MTT Spieler werden in diesem Buch sicherlich sehr viele interessante Dinge finden, unter anderem einige Hände, welche auf jeden Fall einige längere Debatten in den Online Pokerforen wert sind. Das Buch sollte aber auch für jene interessant sein, welche keinen Wert auf eine solch große Anzahl von Hand Analysen legen, im Besonderen wegen des oft spielerischen und meistens sehr unkonventionellen Stils in welchem Hansen erzählt. Man findet in dem Buch humorvolle und auch sarkastische Anmerkungen. Der oft unerwartete Wortwitz sorgt dafür, dass die Spannung erhalten bleibt und das Lesen des Buchs von Kapitel zu Kapitel immer fesselnder wird.

Wenn wir Hansen auf seinem Weg zum Final Table begleiten, werden wir entdecken, dass er eigentlich die 329 Hände, welche er in seinem Buch beschreibt, ohne Fehler gespielt hat, er hat viele richtige Endscheidungen getroffen und nur sehr wenige Falsche. Und fast alle Entscheidungen wurden auf Basis von vorausschauendem, strategischem Denken getroffen. Hansen hatte während der Aussie Millions 2007 natürlich auch jede Menge Glück, z.B. lag er im Bezug auf den Chip-Stack im Heads Up gegen Jimmy Fricke im Verhältnis 3:1 zurück, schaffte es aber letztendlich doch noch sich den Titel zu holen. Nachdem Sie das Buch " Every Hand Revealed" gelesen haben, ist klar, dass wenn ihnen jemand die Frage stellt: "Was denkt Hansen sich dabei?" die einzige richtige Antwort lautet: "Jede Menge".

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