2019 World Series of Poker Europe

Michael Keiner erstmals als Turnierleiter

Michael Keiner erstmals als Turnierleiter 0001

Beim 888.com Pokerfestival hat Michael Keiner erstmals als Turnierdirektor und „Master of Ceremony" fungiert. Beim 888.com Pokerfestival, von 18.-20. Jänner, wurden zwei Turniere ausgetragen - das "888.com Uni Poker Open" und das € 100.000,- Turnier. Die ersten zwei Tage der Vorrunden wurden im Poker Royale Casino in Wiener Neustadt ausgetragen. Bei 1008 Teilnehmern eine logistische und organisatorische Herausforderung.

Der Finaltag wurde dann ins Concord Card Casino in Wien verlagert – dort war schon ein TV-Studio für die Finaltische aufgebaut. Eine gute Gelegenheit den Seven Card Stud Weltmeister persönlich zum Interview zu treffen.

Was ist denn da jetzt wirklich in Asch vorgefallen und warum hat 888.com jetzt ein eigenes Turnier veranstaltet?

In Asch wäre 888 nur Titelsponsor gewesen und das ist eigentlich schon zuviel gesagt, weil de facto nur die Pokertische zur Verfügung gestellt worden wären. Die Veranstalter von PokerTour24.com sind ja wirklich Verbrecher. Die haben das Turnier einfach platzen lassen und dann haben auch noch die tschechischen Behörden den Riegel vorgeschoben. 888.com hatte natürlich dann eine moralische Verpflichtung, deshalb haben wir dann dieses Ersatzturnier organisiert - das 888.com Pokerfestival und das Uni Poker Open. Alle, die ich die letzten Tage, also in Wiener Neustadt im Poker Royale Casino und auch hier im Concord Card Casino in Wien, getroffen habe, sind sehr froh und begeistert, dass wir das auf die Beine gestellt haben.

Warum die Location Österreich?

Naja, aufgrund der riesigen Teilnehmerzahl war es klar, dass wir eine Location gebraucht haben, die diesem Andrang Herr werden kann. Immerhin haben 1008 Spieler/innen am Pokerfestival-Turnier teilgenommen. Das Poker Royale Casino war da die ideale Location. Und der Finaltag findet deshalb im CCC statt, weil hier das Studio für die Final Tables aufgebaut wurde. Die werden dann im Februar auf „Das Vierte" ausgestrahlt.

Wie sind denn jetzt die beiden Vorrunden-Tage der beiden Turniere verlaufen?

Also vor Beginn des Turniers hatte ich ehrlich gesagt etwas Bammel, ist mein erstes Turnier als Leiter und „Master of Ceremony" aber gemeinsam mit dem Poker Royale Team und dem CCC-Team hat die Organisation bestens funktioniert.

Was gefällt dir denn besser – Turnierleitung oder selbst spielen?

Auf jeden Fall spielen, ich bin einfach ein Pokerspieler.

Ich habe in meinem Urlaub dein Buch „Living on the Edge" gelesen und auch eine Rezension geschrieben, jetzt möchte ich die Gelegenheit ergreifen, wenn ich dich schon mal persönlich vor dem Mikro habe, zu dem Buch zu befragen. Es ist im Gegensatz zu vielen anderen Pokerbüchern sehr persönlich geschrieben und darin ist dann die Theorie verpackt, war das schon so geplant oder ist das erst während des Schreibens entstanden?

Ich hab das Buch schon zwei Jahre im Kopf gehabt und ich wollte kein Lehrbuch in dem Sinne verfassen. Ich wollte unterstreichen wie wichtig die Psychologie beim Pokern ist und dass das reale Leben da mit einfließt. Mal hat man einfach einen Lauf und dann wieder nicht, da hilft die beste Strategie dann auch nicht mehr. Und wenn man das mal angenommen hat, dann ist man gleich viel freier am Tisch.

In „Living on the Edge" kommt deine Motorrad Leidenschaft ja nicht zu kurz. Jetzt als Poker-Pro bleibt dafür keine Zeit mehr, trauerst du dieser Zeit ein wenig nach?

Nein überhaupt nicht, denn ich bin sehr ehrgeizig in allem was ich tue. Bei den Motorradrennen wollte ich Weltmeister werden und konnte es nicht erreichen, beim Pokern hab ich das bei der WSOP geschafft. Ich bin seit 1995 nicht mehr am Motorrad gesessen – ja, unglaublich aber wahr!

Ich hab seit letzter Woche das Buch „die Pokermatrix" zu Hause, hatte aber noch keine Zeit es zu lesen. Darf ich schon mal vorab fragen ob der von dir geschriebene Teil ähnlich sein wird wie „Living on the Edge" oder komplett anders? Gibt es Überschneidungen?

Es gibt keine Überschneidungen zwischen den Büchern. In der „Pokermatrix" hat mich die reine Psychologie interessiert. Ich hab das ein bisschen anders gemacht wie es die meisten Psychologiebücher machen, in der Einleitung hab ich über den Finaltisch in Velden geschrieben – das war dieses Jahr und hab jeden einzelnen Spieler einzeln und sehr detailliert charakterisiert. Und dann dazu warum ich diese oder jene Hand so oder so gespielt habe. Am Tisch waren z.B. Harry Casagrande und Stefan Oberholzer und ich habe beschrieben warum ich genau die gleiche technische Situation bei dem jeweiligen Spieler anders spiele. Das ist der Einstieg in die Poker-Psychologie. Ausgehend aus dieser Situation hab ich gesagt „ok", WAS braucht es dazu um diesen NICHT technischen Aspekt am Pokertisch optimal aufzubauen. Ich sehe den psychologischen Aspekt heute als wichtige Basistechnik an. Bei einem EPT Turnier sind technisch gesehen 70% der Leute gute Pokerspieler. Ich muss also eine Edge gegenüber diesen Leuten bekommen, wenn ich nicht vollkommen untergehen will. Und das geht nur psychologisch – Imageaufbau, Profilierung, Manipulation. Und zum Schluss habe ich in meinem Kapitel dann noch ein umstrittenes Thema im Poker aufgegriffen – „Neurolinguistische Programmierung". Das hat meines Wissens auch noch nie jemand im Bezug auf Poker angesprochen.

Wenn wir jetzt bei der Psychologie bleiben, hattest du bei diesem Turnier Zeit die Teilnehmer/innen zu beobachten?

Ja ein wenig und ich war total überrascht, denn ich hab zum Teil sehr gutes Poker gesehen. Vor allen Dingen, es geht jetzt weniger um die Moves und ich hatte auch nicht die Zeit immer so lange an den Tischen zu stehen um die Gegnerprofilierung mitverfolgen zu können, aber die Art und Weise wie die Leute gewartet oder wie sie erhöht haben oder sich dargestellt haben, also Mimik und Körpersprache, war teilweise wirklich überraschend. Da waren einige Profis drunter.

Man wirft ja den Online Spielern immer wieder vor, dass sie technisch sehr gut sind, aber diese psychologische Komponente, die ja im Live-Spiel viel stärker ist, eher weniger gut trainiert ist, wie siehst du das?

Hier bei diesem Turnier waren extrem viele Live-Spieler dabei. Weil die Spieler/innen die nach Asch kommen wollten kommen ja aus dieser Amateurschiene wo es meistens um Sachpreise geht – Bundesliga und so weiter und die sind als Live-Spieler groß geworden. Die spielen wöchentlich ihre Live-Turniere und da sieht man dann schon den wesentlichen Unterschied zu Online-Spielern.

Damit meinst du also diejenigen die auch und hauptsächlich in Poker-Vereinen spielen und Poker als Sport betreiben?

Ja genau, ich find das super!

Der neue deutsche Glücksspiel-Staatsvertrag, was meint Michael Keiner dazu?

Dieser Staatsvertrag ist aus meiner Sicht ein völlig sinnloses Unterfangen, also von der Logik her. Mit aller Macht wird hier versucht ein Monopol zu sichern, was schon längst überholt ist. Und dabei bedient sich der Staat an Mitteln, die meiner Meinung nach die rechtlichen Grenzen überschreiten. Das ist sehr traurig, es wird zum Teil gelogen z.B. bei der EU-Kommission werden falsche Fakten dargestellt. Und es passieren Lächerlichkeiten, nehmen wir das Beispiel „bwin": das Landgericht Sachsen sagt sie dürfen tätig werden aber nur im Osten, das Landegericht Hamburg und Frankfurt sagt dann wieder „bwin" darf überall tätig werden und das Landgericht Bremen meint wieder „bwin" darf nur im Haus von Herrn XY tätig werden, das ist doch wirklich lächerlich. Ein Armmutszeugnis für die deutsche Justiz. Und ich bin der Meinung, der einzige Hintergrund sind NICHT die Millionen und Milliarden für den Staat sehr gut zu sichern, sondern es geht einfach darum, dass 100-150 Politiker, die in Aufsichtsratsposten oder Schlüsselpositionen sitzen und ein Gehalt von mehreren zehntausend Euro bekommen, dass die weiterhin ihr Gehalt bekommen. Deswegen werden 38.000 Arbeitsplätze nicht besetzt und auf mehrere Milliarden an Steuereinnahmen verzichtet. Die Leute werden ja jetzt in eine Grauzone getrieben in irgendwelchen nicht lizensierten Casinos. Unterm Strich hat das Alles nichts Positives.

Katja Thater hat mal gemeint, dass die Medienpräsenz auch viele Schattenseiten hat, man sitzt nie am Tisch und ist unbeobachtet, immer ist irgendwo eine Kamera auf einen gerichtet. Wie gehst du mit dieser ständigen Medienpräsenz um, lenkt dich das ab oder kannst du das gut wegschalten?

Am Tisch stört es mich nicht, am Tisch schalte ich ab. Es ist zum Teil schon heftig, aber es stört mich nicht. Es kann schon mal sein, dass es die anderen Spieler am Tisch mehr stört, weil sich ein Fotograf dreist in den Tisch hinein lehnt um ein gutes Foto zu bekommen. Aber ich nehme das nicht wahr und außerhalb vom Tisch sehe ich es als meinen Job. Denn immerhin sind 50% meines Jobs Marketing, tja das ist einfach so.

Was wird nach diesem Turnier passieren, was steht auf dem Plan?

Nächste Woche bin ich in München, da vertone ich noch 10 Folgen der UK-Open im Studio, das wird dann auf „Das Vierte" ausgestrahlt. Dann, am Freitag, bin ich bei „3 nach 9" das ist eine Talkshow im NDR, dann geht's direkt weiter nach Köln zur Pokermesse. Ich bin da am „888.com" Stand und spiele mit ein paar Leuten ein Heads-up. Danach bin ich bei der EPT in Dortmund, dann nach Innsbruck zur CAPT. Bis zur WSOP bin ich eigentlich schon ausgebucht.

Apropos, es soll ja jetzt einige Neuerungen und Verbesserungen bei der WSOP geben, kein Zelt mehr und die Räume des Kongresszentrums sollen jetzt bespielt werden?

Die haben ja eigentlich riesen Räume, aber die wurden bis dato nicht Freigegeben, weil ja eine Hochzeit, eine Firmenfeier oder eine Bachelor-Party reinkommen könnte. Das ist ein absolutes Unding was sich Harrah´s da leistet, weil die WSOP ist schließlich ein Multimillionen Dollar Event bzw. Unternehmen. Und dann so zu Geizen auf Kosten der Spieler? Aber es wird sich dieses Jahr ändern.

Ui, die Zeit vergeht so schnell - Michael Keiner muss den letzten Tag des 888.com Pokerfestival eröffnen und seinen Pflichten als Turnierleiter nachkommen...ich bedanke mich artig und sage "herzlichen Dank" für das Interview!

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