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Interview mit Julia Ruff – Gewinnerin des „888.com Student Open" Turniers

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Julia Ruff ist 28 Jahre jung und studiert im siebten Semester Jura in Berlin, am meisten fasziniert sie Kriminologie, auf dieses Gebiet will sie sich nach ihrem ersten Staatsexamen spezialisieren. Sie konnte sich über ein Freeroll Turnier auf 888.com für das Student Open qualifizieren und setzte sich insgesamt gegen 40.000 Gegner/innen durch.

Pokernews hat die sympathische Gewinnerin gleich nach Turnierende zum Interview geben:

Wie bist du denn zum Poker gekommen?

Ich bin durch meinen Freund zum Pokern gekommen, er hat vor drei Jahren damit angefangen. Ich hab ihm dabei öfter zugesehen und mir so die Regeln eigentlich selbst angeeignet. Etwas später hab ich mir dann eigene Accounts angelegt und selbst begonnen zu spielen.

Wie ist deine Strategie?

Grundsätzlich spiele ich eher aggressiv, aber es kommt dann immer darauf an wie die Blind-Struktur ist, da kann man dann halt nicht großartig bluffen wenn die Blinds schon so hoch sind und das BigBlind schon ein Drittel des gesamten Chip-Stack ausmacht. Das wäre dann zu diesem Zeitpunkt nicht gut ein solches Risiko einzugehen. Im Heads-up denke ich mir dann, dass ich ohnehin schon „im Geld" bin und da bin ich auch wieder risikofreudiger und aggressiver in meinem Spiel.

Hast du dir deine Strategie selbst durchs Spiel angeeignet oder hast du auch Bücher gelesen?

Nein, das hat sich so entwickelt, durch Beobachtungen und das Online Spielen. Mehr aus dem Bauch raus, denn wie ich 2005 begonnen hatte, gab es nur englische Poker Bücher und mein Englisch ist jetzt nicht so toll, dass ich hier so locker mal Fachliteratur lesen könnte. Von daher bin ich da von Anfang an nicht so auf Bücher reingekippt. Und bevor ich ein Pokerbuch lese, spiele ich lieber drei Online-Games.

Wie ihr nur mehr zu dritt am Tisch gewesen seid war dein Spiel aber zu Beginn eher verhalten, erst nach und nach kam die „aggressive Julia" wieder zum Vorschein.

Als ich gegen Robert Bednarek einen großen Pot gewonnen hatte, war bei mir der Knoten wieder auf, konnte meinen Chip-Stack dadurch erhöhen und mein Spiel, so wie ich es am liebsten mag, also aggressiv, wieder aufnehmen.

Die Freude über den Gewinn steht dir ins Gesicht geschrieben, kommt das Preisgeld von € 2.000,- gerade zur richtigen Zeit?

Ja, das kommt wirklich gelegen. Ich bin 28 und muss mir mein Studium selbst finanzieren. Außerdem bin ich gerade auf Jobsuche, weil ich bei meinem alten Arbeitgeber nicht mehr bleiben will. Und so, zur Überbrückung, passt das gerade wirklich total gut. Im Februar werden ja auch wieder die Studiengebühren fällig.

Du interessierst dich für Kriminologie, wie kommt das?

Ich hab vor meinem Studium eine Ausbildung bei der Kriminalpolizei gemacht, da bin ich erstmals mit dem ganzen Thema in Berührung gekommen und das hat mich schon sehr fasziniert. Jetzt in meinem Jura Studium hab ich es als Schwerpunkt gewählt, mal schauen wies nach dem ersten Staatsexamen weitergeht.

Wie oft spielst du Poker?

Eigentlich eher unregelmäßig, das hängt von der Zeit ab. Ich arbeite ja 25 Stunden die Woche, dann ist da noch das Studium und bei meinem Vater helfe ich auch noch im Betrieb mit. Das kommt wirklich darauf an wie es sich aus geht – nach Lust und Laune.

Du spielst viel Online Poker, wie ist es denn jetzt bei einem richtigen Live-Event mal mitzuspielen?

Ich spiele auch immer wieder mit Freunden, bin es also auch gewohnt real am Tisch zu sitzen, aber es stimmt dass dieses Turnier so mein erster richtig großer Live-Event ist. Ich bin aber ein ehrgeiziger Mensch. Das ist bei allen Dingen die ich mache so, auch bei meinem Hobby dem Reiten. Im Freundeskreis fehlt halt diese Ernsthaftigkeit, wie sie im Turniermodus vorhanden ist. Da trinkt man dann schon mal ein Bierchen und es ist just-for-fun. Es ist schon was anderes hier zu spielen. Anfangs war ich sehr nervös und hab mir vor dem Start ein Gläschen Amaretto gegönnt um mich etwas zu beruhigen. Vor allem die Medienpräsenz ist ungewohnt – die Kameras und Interviews und so.

Wo fühlst du dich wohler Online oder Live?

Online natürlich, da kann ich unerkannt bleiben ;-) mein Nickname ist neutrum, somit weiß keiner, dass eine Frau dahinter steckt. Das finde ich ganz angenehm und kann gewisse Vorteile bieten.

Ist das so ein Unterschied für dich, wenn du dann als Frau am Tisch sitzt?

Naja, ich hab bis jetzt die Erfahrung gemacht, dass die Männer am Tisch oft denken, dass Frauen nur starke Hände spielen. Die Männer haben ja heute spekuliert welche starken Blätter ich wohl gehabt haben soll. Die werden dann bei der TV-Ausstrahlung schon sehen, dass da auch nicht so starke Hände im Spiel waren. Von daher war es heute ein Vorteil, weil ich mit einem Raise gut Druck machen konnte.

Und jetzt? Hast du „Blut geleckt" öfter mal bei größeren Events mitzumachen?

Klar, solange der Einsatz nicht meine Bankroll übersteigt – als Studentin hab ich da noch nicht so die finanziellen Möglichkeiten. Am besten also wieder über Qualifikationsspiele. Die drei Tage hier in Wien waren schon ein tolles Erlebnis, ich hatte sogar Zeit ein bißchen durch die Stadt zu schlendern und Sightseeing zu machen.

Wie hast du erfahren, dass 888.com Freerolls für das „Student Open" veranstaltet?

Das war über die Uni-Plattform „StudiVZ", da hab ich Ende September einen Eintrag gefunden über die Freerolls, die im Oktober gestartet sind. Da hab ich mir gedacht „Och, da kannste doch mal mitmachen", hab auch meinem Freund bescheid gegeben. Ja, so hat das begonnen. Generell bin ich jetzt nicht so die Poker-Foren Leserin, das war also wirklich Zufall.

Wenn du jetzt im Pokern weiter so erfolgreich bleibst, könntest du dir vorstellen es auch mal professionell zu spielen?

Naja, diese Kameras hier machen mich schon sehr nervös, ich glaube da werde ich lieber Kriminologin und spiele weiter Online Poker (lacht). Am Tisch hat es mich zwar nicht gestört, also da vergißt man das, aber dann später ist es schon ziemlich ungewohnt. Vor allem die Interviews und so, das ist nicht so mein Ding.

Naja, dann können wir ja froh sein, dass du so locker hier geplaudert hast.

Ist ja eine Tonaufnahme, da geht das gleich viel leichter.

Vielen Dank also und alles Gute für die Zukunft!

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