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Im Bankgeschäft topp, im Casino flopp?

Im Bankgeschäft topp, im Casino flopp? 0001

Die Casino Geschichte der Schweiz ist noch relativ jung, erst seit 2001 gibt es monopolisierte Spielbanken. Eigentlich sollte man annehmen können, dass die sonst so korrekten Schweizer sich auch in diesem Bereich durch Seriosität und Diskretion profilieren. Jüngste Berichte der schweizer Tageszeitung „Blick" geben aber Anlaß diese Annahme zu hinterfragen.

Zugegeben, die Zeitung „Blick" ist durchaus mit der deutschen „Bild-Zeitung" oder der österreichischen „Krone" vergleichbar, hier steht die Suche nach Sensationen und „heißen" Stories, die reißerisch ausgeschlachtet werden, im Vordergrund. Dennoch werfen die jüngsten Aufdeckungen ein schales Licht auf die schweizer Casinobetriebe. Im konkreten Fall auf das Casino Zürichsee und das Seedamm Plaza. Diesen wird vorgeworfen, dass alle Ausweise die beim Eingang überprüft werden, heimlich abgescant werden und diese Scans dann in der internen Casinodatenbank gespeichert bleiben. Angeblich nur für 28 Tage, aber wer von den Besuchern kann das schon wirklich kontrollieren? Diese Personendaten sollen „getrackt" also überprüft werden ob eine Sperrung vorliegt bzw. wie oft und wie viel der Besucher gewonnen oder verloren hat. Laut dem „Blick" Bericht wird bei High-Stakes Spielern und Besuchern, die häufig das Casino besuchen, das Auge der Saalkamera besonders wachsam und beobachtet jeden Handgriff des/der Spieler/in.

Das sind natürlich unangenehme Vorwürfe, denn wer will schon derart durchleuchtet werden? Und vor allem bleibt immer diese nagende Frage „wer hat noch Zugriff auf meine Daten und was könnte noch alles damit gemacht werden"? Andererseits muss man sich bewußt sein, dass z.B. in den Casinos Austria ebenfalls die Daten erfaßt werden und die Daten des/der Besuchers/in im Computer registriert sind.

Prinzipiell dient diese „Überwachung" dem Spielerschutz und der Vorbeugung vor Betrügereien oder Geldwäscherei. Aber in einer Zeit, wo schon jeder Schritt und Tritt überwacht wird, herrscht natürlich besondere Sensibilität, ja fast schon Hysterie, bei solchen Maßnahmen, wie sie das Casino Zürichsee und das Seedamm Plaza setzen.

Aufgrund des „Blick" Artikels hat das Casino Zürichsee eine Pressekonferenz einberufen um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Das Casino rechtfertigt seine Datenaufbewahrung damit, dass besonders bei hohen Spielbeträgen und Einsätzen die Betrugsgefahr häufiger ist, als bei kleinen Beträgen. Und bei besonderen Vorkommnissen werden die Spielerdaten länger als 28 Tage gespeichert, um nach einer eingehenden Prüfung noch Zugriff auf die Person zu haben – wenn z.B. ein Tatverdacht bestätigt wird. Abgesehen davon konnten in den letzten beiden Jahren knapp € 37.000,- an Besucher „zurückgezahlt" werden, weil entweder Chips am Tisch vergessen wurden oder der Dealer/Croupier sich geirrt hatte – soviel zur positiven Seite der Kamera Überwachung.

Selbst die Ausweispflicht hilft nicht vor Mißbrauch und Betrug. Laut dem Zürichsee Casino sind bis dato 51 Fälle mit ungültigen Ausweisen registriert worden. Und trotz des Scans konnten 15 Fälle nicht geklärt bzw. aufgedeckt werden. Es dauert oft Stunden bis die Mitarbeiter eine solche Fälschung aufdecken können.

Abgesehen von der Sperrung eines Spielers durch das Casino kann sich ein Spieler auch selbst sperren. Knapp 13.000 Spieler sind in der Schweiz gesperrt – nur 1/3 durch die Intervention eines Casinos. Liegt eine Sperrung vor, dann kann die betreffende Person Einblick in die Unterlagen und den Grund der Sperrung haben, die bei der „Eidgenössischen Spielbankenkommission" (ESBK) aufliegen.

Es ist vor allem wichtig anzumerken, dass sich die Casinos diese Kontrollvorschriften aber nicht im Alleingang ausgedacht haben. Die ESBK legt diese Auflagen vor und diese sind von den Casinos genau einzuhalten. Das Problem dabei ist nur, dass viele Kontrollregelungen eigentlich noch strenger von der ESBK gefordert werden als sie in der Praxis durchführbar sind. Sollte ein/e Besucher/in mehr als CHF 5000,- (= ca. € 3.100,-) wechseln muss er/sie nicht nur registriert sondern auch identifiziert werden. Die ESBK will hier der Geldwäsche vorbeugen. Die Wechselbeträge können aber auf verschiedenen Tischen gemacht werden und eben auch immer unter diesem Betrag. Das Casino hat zu verantworten diese zu erkennen und Maßnahmen der Identifikation zu ergreifen. Aber wie soll das in der Praxis bei hunderten Besuchern funktionieren? Somit werden alle Besucher registriert, um nicht das Risiko einzugehen eine/n Betrüger/in zu übersehen.

Im Prinzip ist schon klar, dass sich niemand gerne kontrollieren läßt, aber es gibt nun mal schwarze Schafe und das sind meistens diejenigen, die am wenigsten auffallen.

Es gibt also auch in diesem Fall zwei Seiten. Das wichtigste dabei sollte aber sein, dass man BEIDE Seiten im Auge behält. Also man einerseits davon ausgehen kann, dass das Casino verantwortungsvoll mit den Daten umgeht, aber sich auch der Besucher sich nicht alle Sicherheits-Schikanen gefallen läßt.

Um die Frage der Überschrift noch zu beantworten: weder topp noch flopp, wenn dann gesunde „ambivalente Skepsis".

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