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Der Poker-Psychotherapeut – Kognitive Dissonanz: Wie man von einem Bad Beat lernen kann

Der Poker-Psychotherapeut – Kognitive Dissonanz: Wie man von einem Bad Beat lernen kann 0001

Kann man wirklich etwas von einem Bad Beat lernen? Abgesehen davon, dass der Gegner ein Narr ist und dass sich der Pokergott von einem abgewandt hat?

Erst einmal die Fakten. Ein Bad Beat ist, wenn man mit der besten Hand das Geld in den Pot legt und der Gegner dann mit einem schlechteren Draw als 50% Wahrscheinlichkeit gewinnt. Einige würden es sogar so beschreiben, dass ein echter Bad Beat nur von einem Gegner mit drei oder weniger Outs zugefügt werden kann. Es sind sich aber alle einig, dass man bei einem Bad Beat zunächst statistisch vorne ist und dann noch überholt wird. Desto weniger Outs der Gegner bis zum River trifft, desto schlimmer fühlt es sich an.

Pokerweisheiten sagen eventuell: „Ärgere dich nicht, das passiert jedem mal. Bei der nächsten Hand, bei der nächsten Session, beim nächsten Turnier läuft es dann wieder normal". Man könnte aber auch von einem Bad Beat etwas lernen. Dazu muss man sämtliche Elemente analysieren, die zu der schmerzhaften Erfahrung führten. Hier kommt die kognitive Dissonanz ins Spiel.

Kognitive Dissonanz ist die Auffassungskraft der Unvereinbarkeit zweier Wahrnehmung, die als Wissen, einschließlich Einstellung, Emotionen, Meinung oder Verhalten definiert werden kann.

Wenn man einen Bad Beat bekommt zeigt man gewiss Reaktionen, welche die innere Einstellung (man wird wütend),Emotionen (man entfernt sich vom Tisch und führt Selbstgespräche) Meinung (der Gegner ist ein Trottel) und Verhalten (man nimmt es gelassen oder auch nicht) widerspiegelt.

Jetzt kommt der schwierige Teil. Die Theorie der kognitiven Dissonanz sagt aus, dass gegensätzliche Wahrnehmungen und Erkenntnisse das Gehirn dazu verleitet, neue Gedanken oder Meinungen anzunehmen bzw. zu erfinden, oder bereits bestehende Überzeugungen zu modifizieren, um die Menge der Dissonanz (Konflikt) zwischen den Wahrnehmungen bzw. Erkenntnissen zu reduzieren. Nicht-wissenschaftlich ausgedrückt: Wir sind geneigt Konflikte zu umgehen, indem wir versuchen uns neue Überzeugungen und Verhaltensmuster ausdenken.

Diese innere Spannung möchten wir zwar abbauen, sie treibt uns aber auch dazu an neue Wege zu finden genau das zu tun, was diese Spannung ursprünglich auslöste. Aber! Beim Pokern ist es möglich diese Spannung zu lösen und dennoch nichts zu lernen. Wenn sich bei einem Bad Beat der Gedankenprozess auf „der Gegner ist ein Idiot" oder „ich habe einfach nur Pech" beschränkt, hat man eine wertvolle Gelegenheit versäumt das eigen Spiel zu verbessern.

Man sollte mit dieser Spannung und dem Unbehagen eines Bad Beats arbeiten und sich selbst fragen „was ist da wirklich geschehen?". Wie gut waren die eigenen Wahrscheinlichkeiten? Hatte man noch einen anderen Schachzug im Repertoire, der evtl. weniger Chips gekostet hätte? Wie wahrscheinlich war es, dass der Gegner diesen Einsatz mitgeht? Und falls es so war, hatte man die besten Odds um diesen Call oder diesen großen Reraise zu tätigen?

Das gefühlte Unbehagen nach einem Bad Beat ist eine Möglichkeit für eine Spielanalyse und Verbesserungen — allerdings nur, wenn man die richtigen Elemente in den besagten Konflikt einbaut. Nur wenn unsere kognitive Dissonanz auf ehrlicher, faktischer Beurteilung der fraglichen Hand basiert, können wir unser Spiel verbessern. Sicherlich, vielleicht hat der Gegner einen fürchterlichen Call gemacht, vielleicht haben wir aber zu oft versucht die Blinds zu stehlen und unser All in sah für ihn wie ein Semi-Bluff aus. Vielleicht hätte der Gegner auch gegen einen Checkraise gefoldet und der Backdoorflush wäre nie angekommen.

Kognitive Dissonanz zeigt, dass ein bisschen Unbehagen ein gutes Werkzeug für Verbesserungen sein kann – tatsächlich aber ein hervorragendes Werkzeug ist – falls wir es einsetzen wollen.

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