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Exklusiv für PokerNews: Interview mit Michael Keiner

Exklusiv für PokerNews: Interview mit Michael Keiner 0001

Er ist einer der besten Omaha-Pot-Limit Spieler der Welt, schreibt derzeit an einem autobiographischen Poker-Buch, ist plastischer Chirurg und steht seit letztem Jahr bei 888.com als Spieler unter Vertrag. Die Rede ist vom Deutschen Poker-Pro Michael Keiner. In der Poker Szene nennt man ihn gerne den „Gentleman". Warum das so ist und was wir noch erwarten können hat er uns in einem Interview erzählt:

Ließt man ihre Biografie (Offiziersausbildung, Medizinstudium/Facharzt Ausbildung, Motorrad-Rennfahrer, spekulative Optionsscheingeschäfte, „Keiner & Parnter" Vermögensverwaltungsgmbh, 2001 Entwicklung des BeautyLifter) dürften sie ein Mensch sein, der gerne die Limits sucht, den Kick. Stimmt das so?

Es stimmt, ich suche in der Tat gerne die Limits und liebe einen gewissen Adrenalinkick. Das größte Potential besteht für einen Menschen darin, sich Betätigungsgebiete zu suchen, in denen mit der nötigen Kreativität ein Wettbewerbsvorteil erarbeitet werden kann, ohne dass sich die Mitbewerber gegenseitig auf den Füssen stehen. Wird das Gebiet erst einmal von der Masse entdeckt, verliert es viel an Reiz. Den Adrenalinkick gibt es beim Pokern genauso wie beim Rennen fahren. Und das euphorische Gefühl, wenn man ein Turnier gewinnt oder bei einem Rennen gut abschneidet, ist ebenfalls nahezu indentisch.

Sie werden gern als Gentleman in der Pokerszene bezeichnet. Wer ist der Mensch hinter dem Pokerprofi „Michael Keiner"?

Der Mensch „dahinter" ist wissbegierig, neuen Erfahrungen gegenüber offen und respektiert vor allem seine Mitmenschen, auch wenn es sich dabei um die Gegner am Pokertisch handelt. Die Live-Pokergemeinschaft in Deutschland ist ja nach wie vor recht überschaubar und man sollte versuchen, mit seinen Mitspieler gesellschaftlich gut auszukommen, man läuft sich ja schließlich ständig gegenseitig über den Weg.

Sie schreiben sehr ausführlich in ihrer Biographie über ihren beruflichen Lebensweg, aber kaum private Infos. Gibt es überhaupt noch Privatleben, bei so vielen Reisen?

Natürlich gibt es auch ein Privatleben, mit sehr intensiven „up's and down's". Aber das gehört nicht in eine normale Kurzbiographie. Einblicke dazu gebe ich in meinem neuen Buch „Living on the Edge".

Ende Juli erscheint ihr Buch „Living on the Edge" – das klingt nach ihrem Lebensmotto. Was wird man erwarten können? Können sie uns schon vorab Infos geben?

Ich nenne es ein autobiographisches Pokerlehrbuch. Das Leben und die Entscheidungsfindung in den verschiedensten Situationen weisen so viele Parallelen zu einer Pokerpartie auf. Anhand dieser Momentaufnahmen gebe ich dem Leser praktische Tipps, die sich in einem Buch zur Spieltechnik nicht finden lassen. Ich stelle meinen persönlichen Weg zum Pokerprofi transparent dar. In meinem Buch wird man keine technischen Handanalysen finden. Aber auf alle anderen Dinge, die in der Summe genauso wichtig für den Erfolg sind, gehe ich ein. Ich konstruiere keine Spielsituationen, alle Beispiele sind aus dem wahren Leben gegriffen. Zum Beispiel, als ich im Mirage in Las Vegas noch mit Phil Ivey und Daniel Negreanu regelmäßig 40/80 Limit Hold'em oder Limit 7-Card Stud gespielt habe, bevor deren atemberaubende Karriere losging. „Living on the Edge" ist wohl irgendwie auch mein Lebensmotto und in dem Buch steckt auch eine Menge „Herzblut" drin. Ich habe versucht, dem Leser wirklich ein Stück von mir zu geben.

Würden Sie sich als typisch „deutsch" bezeichnen - Ausdauer, Akribie und alles genau geplant?

Ich würde mich als typisch undeutsch bezeichnen. Nichts war so geplant, ich habe auch nicht das typisch deutsche Sicherheitsdenken und liebe Wege abseits der normal befahrenen Karrierestraßen. Nur beim Stichwort Ausdauer und Zuverlässigkeit stimmt die Charakterisierung und darauf bin ich auch ein wenig stolz.

Warum haben sie ihren Beruf als plastischer Chirurg so gut wie an den Nagel gehängt? Ist das Pokerspiel für sie lukrativer? Oder beinhalten Fettabsaugungen, Nasenkorrekturen oder Brustvergrößerungen für sie zu wenig Spannung?

Als ich in der kosmetischen Chirurgie 1994 anfing, gab es nur eine sehr kleine Anzahl an Ärzten die sich auf dieses Fachgebiet spezialisiert hatten. Mittlerweile ist das Gebiet extrem überlaufen und in den letzten Jahren meiner Tätigkeit kamen mehr und mehr Patienten, die eigentlich nur psychische Probleme mit einer Schönheitsoperation kompensieren wollten. Das war nicht mehr meine Welt. Vom finanziellen Aspekt her sind die Verdienstmöglichkeiten ungefähr gleich, aber Pokern bietet mir wesentlich bessere Möglichkeiten, mein Leben so zu gestalten, wie ich es gerne möchte, ohne gesellschaftliche Schranken einrennen zu müssen.

Sie haben im April 05 erfolgreich ihre Firma „Beautyson" verkauft – auch das Patent des BeautyLifter? Benutzen sie selbst die Beauty Produkte von „Beautyson" – Sonocare, Sonofresh, usw… ?

Ich habe 2005 alles, auch das Patent, verkauft. Die Entwicklungsarbeit war getan, die erste Erfolgswelle des Gerätes durch den Markt erfasst. Jetzt waren Vertriebsleute gefragt und das ist dann nicht mehr der Job, mit dem ich mich identifizieren konnte, nachdem der kreative Part erledigt war. Das hätte mich auch wieder in extremen Zeitdruck in Hinblick auf meine Pokeraktivitäten gebracht. Und genau den hatte ich ja durch die Reduzierung der Praxistätigkeit beseitigt. Ja, ich habe meine eigenen Produkte in der Vergangenheit auch selbst benutzt.

2002 haben sie sich eine Auszeit genommen um sich auf Omaha Cash Games zu konzentrieren – wie haben sie sich damals weitergebildet? Sie gelten seither ja als einer der besten Potlimit Omaha Cash-Game-Spieler.

2002 war das internationale Turniersegment relativ schwach besetzt. Mit Ausnahme einiger wenigen Events waren die Preisgelder so niedrig, dass sich der Aufwand kaum lohnte. In Baden-Baden hatte sich eine Omaha Partie etabliert, die dagegen ausgezeichnet war. Bis heute verdient ein Pokerprofi sein Geld eigentlich hauptsächlich im Cashgame. Die Durststrecken bei Turnieren können aufgrund der Varianz sehr lange werden.

Weitergebildet habe ich mich hauptsächlich durch praktische Erfahrung und ständiger Rekapitulation von Spielsituation. Außerdem habe ich einen sehr guten Freund, der seit 25 Jahren Berufsspieler ist. In den zahllosen Gesprächen mit ihm habe ich eine Menge lernen können und Denkansätze abseits des „Mainstream" entwickelt.

Auf ihrer HP schrieben sie über „einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit" beim Minipokerturnier in Amber/Petrovice (CZ). Wieso war das für sie ein Ausflug in die Vergangenheit?

Petrovice hat mich sehr an meine eigenen Anfänge als Pokerspieler erinnert. Hier trafen sich jede Menge begeisterter Pokerfans zu einer Art Party. Bei allem sportlichen Ehrgeiz stand der Spaßfaktor im Vordergrund und die Atmosphäre war echt herzlich.

Im September 2006 haben sie einen Jahresvertrag als gesponserter Pokerprofi von 888.com unterschrieben. Wie vorteilhaft ist so ein Vertrag für einen Pokerspieler? Wird der Vertrag verlängert werden?

Der Vertrag hat sich insgesamt schon sehr positiv ausgewirkt. Ich spiele jetzt zwar bedeutend weniger Cashgames als vorher, aufgrund umfangreicher Marketingverpflichtungen. Dafür habe ich jetzt aber das Privileg, wesentlich mehr hoch dotierte Turniere spielen zu können. Die Arbeit mit 888.com macht riesig Spaß und fordert auch meine Kreativität. Außerdem ist das Betriebsklima sehr gut. Mir wurde von 888.com schon jetzt konkret eine Vertragsverlängerungsofferte gemacht. Ich habe zwar gegenwärtig ein lukratives Angebot von einem Mitbewerber vorliegen, aber wenn die Rahmenbedingungen stimmen, werde ich wohl bei 888.com bleiben.

Im 888.com Pokerblog schreiben sie über das Turnier im Zillertal. Auch mit der Bemerkung, dass nur 1 Frau mitgespielt hat- aber auch Penthouse Ladies anwesen waren. Warum, ihrer Meinung nach, sind Frauen immer noch so eine Minderheit im Pokern und warum haben Frauen immer noch gerne das Image als „optischer Aufputz" von Spielern oder Events?

Ich bedauere auch, dass im Zillertal nur eine Frau mitgespielt hatte, aber leider war keine zweite Dame qualifiziert. Poker ist sicher ein ziemlich testosterongeschwängertes Spiel und möglicherweise bestehen in der Damenwelt momentan noch zu viele Schwellenängste, sich dieser Atmosphäre zu stellen. Ich hoffe sehr, dass sich dies bald ändern wird. Mit den Penthouse-Ladies wurde die Veranstaltung auf jeden Fall bereichert. Pokern ist aus meiner Sicht ein Sport. Jeder Sport hat an sich eine gewisse Ästhetik, die durch schöne Frauen auch optisch nachvollziehbar gemacht wird. Ein Footballmatch ohne Cheerleader oder ein Formel 1 Rennen ohne Boxengirls wäre fad. Und das ist keine Diskriminierung, sondern ein Kompliment für die Damen.

Welche Turniere planen sie in den nächsten Monaten zu spielen? Und was erwarten sie sich?

Zunächst spiele ich vom 21. bis 29. Mai die Heads Up Weltmeisterschaften in Barcelona. Am 31. Mai geht es dann für 6 Wochen nach Las Vegas zur WSOP. Ich habe dort die Teilnahme an 18 Turnieren eingeplant. Natürlich hoffe ich sehr, dass es diesmal endlich mit einem der begehrten Bracelets klappt. Im Anschluss an Las Vegas geht es direkt nach Velden am Wörthersee. Hier will ich nicht nur Pokern, sondern auch ein wenig relaxen. Das Turnier in Velden ist jedes Jahr ein Highlight in punkto Lebensqualität.

Wir danken für das Interview und sind gespannt wie es dieses Jahr für Michael Keiner bei der WSOP ausgehen wird!

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