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Wie schlägt man sich bei 1-Table Low Limit Sit and Go's - Teil 2

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Letzte Woche konnten Sie Teil 1 dieses Artikels welcher die Einleitung und die Frühe Phase behandelte lesen. In Teil 2 wird die mittlere Phase, die End Phase und eine Zusammenfassung beider Teile gebracht.

Die mittlere Phase:

Die Blinds sind nun 50/100 und man kann nun anfangen zu stehlen. In einigen Situationen können Sie zwar oft den einen oder anderen Pot damit gewinnen, aber im speziellen bei Turbo SnGs ist Ihr Stack zu diesem Zeitpunkt oft bei 1500 oder weniger. Dies ist kein wirkliches Problem, da Sie wieder recht schnell nach vorne kommen können, wenn Sie es schaffen zu verdoppeln, einige kleine Pötte zu gewinnen oder wenn es Ihnen gelingt mehrmals die Blinds zu stehlen. Während dieser Phase haben Sie den größten Vorteil gegen den Fish an Ihrem Spieltisch, welcher sich gerne Flops mit marginalen Händen ansieht. Aus diesem Grund ist dies die wichtigste Phase eines SnGs. Zu Beginn dieser Phase sitzen oft nur noch 4 Spieler am Spieltisch. Diese Phase wird oft auch als die Push/Fold Phase bezeichnet, da die meisten der verbliebenen Spieler sich keinen Flop mit +EV ansehen können.

In dieser Phase müssen Sie anfangen den “M“-Faktor Ihres Stacks zu berechnen, da dieser Wert darüber entscheidet, wie Sie spielen müssen. Ihr “M“-Faktor errechnet sich aus Ihrem Stack geteilt durch den Start-Pot (BB+SB[+ante]). Wenn Sie z.B. einen Stack von 1500 haben und die Blinds betragen 50/100, dann ist M gleich 10. Wenn Ihr “M“ kleiner als 10 ist, können Sie nicht mehr mit +EV Preflop raisen, da Sie nach einem möglichen C-Bet Pot-Committed wären. Ihr Stack ist so niedrig, daß Sie nach dem Flop keinen Spielraum mehr haben.

Wenn Ihr “M“ kleiner als 5 ist, müssen Sie unbedingt versuchen zu verdoppeln. In dieser Phase müssen Sie alle Pocket Pairs so spielen, als wären es die Nuts und diese immer so spielen, daß Ihr Stack wieder höher wird. Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn vor Ihnen eine Menge Aktion war und Sie nur ein niedriges Paar haben. Sie können nicht länger auf eine Premium Hand warten, mit welcher Sie hoher Favorit wären, wenn Sie All-In gehen würden. Eine Chance von 50-55% ist in dieser Situation nicht schlecht. Sie können sich natürlich an die Range aus dem Artikel über die 6-max. Microlimits halten, der einzige Unterschied ist, daß Sie nun damit nicht mehr raisen, sondern All-In gehen. Achten Sie immer auf die Limper vor Ihnen. Fragen Sie sich selbst, was diese Spieler halten könnten und ob Sie mit Ihren Karten gegen die Karten der Limper vorne liegen würden. In dieser Phase könnten Statistiken sehr hilfreich sein. Wenn zu Ihnen im SB gefoldet wird, sollten Sie mit jeder beliebigen Hand All-In gehen, sogar mit schlechten Händen, wie z.B. Q5o, 86s und sogar 27o. Der BB wird immer einige seiner Hände folden, somit haben Sie noch eine zusätzliche Fold-Equity und wenn er callt, haben Sie die Chance zu verdoppeln. Je mehr Spieler zum BB folden, umso lukrativer wird dieses Spiel, es ist aber immer +EV.

Wie ich schon vorher erwähnte, wenn Ihr “M“ kleiner als 10 ist, können Sie nicht länger raisen und Ihre einzige Option ist dann nur nach “Push or Fold“. Nur mit AA oder KK können Sie von dieser Regel abweichen. Diese Situation ist ein weniger unproblematisch als die weiter oben beschriebene Situation. Wenn ein durchschnittlich aggressiver Spieler auf 3xBB raist, können Sie mit Pocket Pairs 66+ All-In gehen. Sie werden überrascht sein, wie oft Ihr Gegenspieler einfach nur folden wird und wie oft Sie eine Coinflip-Situation haben, bei welcher Sie verdoppeln können. Asse (AJ+) sind ebenfalls gute Karten, um bei solch einem Raise All-In zu gehen. Abhängig von Ihren Reads können Sie öfters All-In gehen bzw. seltener All-In gehen. Wenn Ihr Gegenspieler eine Menge Hände raist, können Sie auch mit KQ All-In gehen und wenn Sie der Meinung sind, Ihr Gegner würde Asse mit kleinen Beikarten spielen, können Sie auch mit AT oder A) All-In gehen. Im speziellen in den niedrigen Limits werden Sie sehr erstaunt sein, mit welchen Händen Ihre Gegner Ihr All-In callen werden. Manchmal werden sie einfach versuchen mit Schrotthänden wie JT zu gamblen. Wenn Sie Shorthanded sind, können Sie mit vielen Händen All-In gehen, welche Sie in der frühen Phase bei einem Raise gefoldet hätten. Wenn Ihr “M“ ca. 10 ist, können Sie ein weniger länger auf eine gute Hand warten. Wenn Ihr “M“-Faktor allerdings 5 oder weniger beträgt, sollten Sie sich selbst fragen, wie oft Sie in dieser Situation von einer besseren Hand gecallt werden, wenn man den Pot in dieser Situation in die Betrachtung mit einbezieht.

Wenn Ihr M kleiner als 15 ist, haben Sie noch etwas Spielraum. Sie sollten allerdings nur raisen, wenn Sie Fold-Equity haben oder bereit sind den All-In eines Shortstacks hinter Ihnen eventuell zu callen. Fangen Sie also nicht an JTs bei Blinds 75/150 auf dem Button zu raisen und wenn der BB nur noch 800 Chips vor sich liegen hat. Die Chance, daß der BB mit Händen, wie z.B. K-6 All-In geht ist relativ hoch, wobei Sie dann einen Großteil Ihres Stacks mit einer marginalen Hand riskieren würden. Wenn die Spieler in den Blinds ein M zwischen 10 und 15 haben, besitzen Sie zusätzliche Fold-Equity, weshalb Sie versuchen können, die Blinds zu stehlen. Dies ist im speziellen der Fall, wenn nur noch drei Spieler am Tisch sind und der durchschnittliche Chipstack 3000 beträgt (Blinds 50/100 bzw. 75/150). Wenn Ihr M größer als 15 ist, sind Sie in der Lage mehr Hände gegen andere Big Stacks zu spielen, aber die gleichen Regeln gelten weiterhin für das Spiel gegen Short Stacks.

Wenn Sie die mittlere Phase erreicht haben, sollten Sie Ihre Raises auf 2,5xBB reduzieren. Erstens wird es dadurch leichter die Hand aufzugeben, falls es zuviel Action gibt und Sie haben mehr Spielraum für einen C-Bet auf dem Flop. C-Bets sind in der Regel 50-60% Potsize hoch, egal ob Sie etwas getroffen haben oder nicht. Wenn Sie auf einem Flop mit möglichen Draws nichts getroffen haben, sollten Sie bei jedem Einsatz folden, wenn Sie nur wenige Outs haben. Die einzigen Ausnahmen sind dabei “Blind-Battles“, bei welchen Sie immer 3xBB raisen sollten, sowohl im SB, als auch im BB, wenn der SB nur callt.

Wenn Sie in den Blinds geraist werden, können Sie darauf mit einem Minraise reagieren oder Sie gehen All-In, wenn Ihre Karten gut genug sind. Ihre Gegenspieler werden ebenfalls versuchen bei Ihnen zu stehlen und wenn Sie entsprechend reagieren, werden Ihre Gegenspieler oft folden. Wenn nur noch 3 Spieler am Tisch sitzen, Sie haben ein Pocket Pair auf der Hand und werden geraist, können Sie oft einfach All-In gehen. Erstens haben Sie in dieser Situation eine gute Fold-Equity und außerdem haben Sie auch oft sowieso die beste Hand. Wenn Sie noch etwas Entscheidungsspielraum haben, können Sie mit einem kleinen Pocket Pair auch folden, da viele Ihre Gegenspieler Ihr All-In mit jedem Pair callen würden und es kann sehr ärgerlich sein mit 2-2 gegen 4-4 antreten zu müssen.

Ich würde Ihnen empfehlen ein Poker-Tool, wie z.B. den SnG Wizard, einzusetzen. Dieses Programm kann Ihnen vorschlagen, ob eine Hand gefoldet werden sollte, oder ob Sie All-In gehen sollten, indem es die Entscheidung auf Basis mathematischer Grundlagen errechnet. Ein Muss für alle SnG-Spieler, welche Ihr Spiel langfristig verbessern wollen. Das Programm ist sehr benutzerfreundlich und wird sich schon nach kurzer Zeit bezahlt machen.

Die End-Phase: Heads-Up

Herzlichen Glückwunsch, Sie sind im Geld! Es ist jetzt nur noch eine kleine Sache zu erledigen; Sie möchten gewinnen und Ihren Gegenspieler eliminieren. Unglücklicherweise gibt es keine Gewinnerstrategie, welche man gegen jeden Gegenspieler anwenden könnte, somit müssen Sie versuchen so schnell wie möglich die Schwachpunkte Ihres Gegenspielers heraus zu finden. Ihr Kontrahent könnte z.B. sehr passiv spielen, er könnte oft mit einem All-In eröffnen oder er gehört zu den Gegenspielern, welche genau wissen, wie im HU gespielt wird. Das Letzte wird nicht oft zutreffen und Sie werden oft beobachten können, daß Ihre Kontrahenten bei jedem HU anders spielen.

Manchmal haben Sie zu diesem Zeitpunkt den höchsten Stack, da Sie vielleicht für die letzte Eliminierung verantwortlich waren oder Sie haben viel weniger Chips als Ihr Kontrahent. Je besser Sie während der Push/Fold-Phase waren, umso mehr Chips haben Sie zu Beginn der HU-Phase. Wie zuvor bedeutet ein M von 5, daß Sie nur “Push or Fold“ spielen können, wobei man in dieser Situation vielleicht auch schon mit einem M von 8 (oder weniger) “Push or Fold“ spielen sollte. Da Sie im HU sowieso bei jeder Hand in den Blinds sind, werden Sie sehr schnell verdoppeln oder ausscheiden. Das einzige, was Sie nicht tun sollten, ist zu lange warten, daß eine gute Hand kommt.

Sie können relativ schnell feststellen, ob Ihr Gegner zu passiv ist, wenn er oft preflop foldet, nachdem Sie geraist hatten und wenn Sie oft einen Showdown sehen indem Sie die Hand durchchecken. Wenn dieser Spielertyp allerdings plötzlich raist, dann können Sie sicher sein, daß er eine gute Hand hat.

Dann gibt es auch noch Gegner, welche zu aggressiv spielen. Diese Spieler erkennt man an häufigen, hohen Preflop-Raises oder preflop All-In’s. Hier müssen Sie nur warten, bis Sie eine Hand bekommen, welche gut genug ist, um sein All-In zu callen oder Sie gehen selbst All-In, nachdem Ihr Gegner geraist hat. Bluffen ist zu diesem Zeitpunkt kein Thema mehr, da sich Ihr Gegner meistens oft selbst sein Grab gräbt. Hohe Pocket Pairs und starke Asse sind in dieser Situation die richtigen Karten, um entsprechend reagieren zu können.

Sie können ja auch mal im HU probieren, mit Ihrer ersten Monsterhand zu limpen. Es ist unglaublich, wie oft Ihr Gegner dies als Zeichen der Schwäche wertet und mindestens 3xBB raist. Ihr Gegner denkt dann, daß limpen nicht zu Ihrem Spieltstil passt und setzt Sie auf eine schwache Hand. Nachdem Ihr Gegner geraist hat, können Sie All-In gehen und die Chancen für einen Call sind sehr gut.

Wenn im Heads-Up das Blindlevel 200/400 oder sogar 300/600 erreicht wurde, könne Sie mit jeder einigermaßen annehmbaren Hand All-In gehen. Wenn Sie noch 2.500 Chips haben, sollten Sie jedes Mal All-In gehen, wenn Sie auf dem Button sind und mit jeder annehmbaren hand All-in gehen, wenn Sie auf dem BB sitzen und der SB limpt. Sie haben immer noch zusätzliche Fold-Equity, da Ihr Gegner auf eine Hand wartet, mit welcher er Sie eliminieren kann. Wenn Sie mit den Chips vorne liegen, sollten Sie ebenfalls regelmäßig All-In gehen. In dieser Situation ist Ihr Gegner derjenige, welcher ein All-In überleben muss, falls Sie Ihr All-In verlieren, haben Sie nämlich immer noch Chips übrig. Viele Gegner spielen in dieser Phase so passiv, daß praktisch alles passieren kann. Wenn Sie noch 2.500 Chips haben, hoffen Sie vielleicht manchmal darauf, daß die Blinds auf 200/400 steigen, weil es dann für Sie einfacher werden würde, zu verdoppeln. Wenn das Blindlevel 300/600 ist es nur noch reine Lotterie und Sie müssen mit jeder Hand auf dem Button All-In gehen. Sie werden überrascht sein, wie oft Ihr Gegenspieler einfach nur foldet. Oft foldet dann Ihr Gegner auch noch, wenn er auf dem Button ist. Somit können Sie sogar nach einem verlorenen All-In ohne Probleme wieder zurück ins Spiel kommen.

Zusammenfassung:

Frühe Phase: Spielen Sie Tight und spielen Sie keine marginalen Hände. Niemals 0pen-limpen, da dies Schwäche bedeutet. Nicht zu hoch C-Beten, es sei denn Sie hätten eine gemachte Hand. Umso gefährlicher das Board, umso höher sollten die Value Bets ein. Die größten Vorteile haben Sie in der mittleren Phase und deshalb beenden Sie die frühe Phase oft mit 1200-1500 Chips, was völlig normal ist.

Mittlere Phase: Kalkulieren Sie vor jeder Hand Ihr M, was sich aus Ihrem Stack geteilt durch den Start-Pot errechnet. Wenn Sie einen M-Faktor von 5 oder weniger erreicht haben, sollten Sie mit jeder einigermaßen annehmbaren Hand All-In gehen und mit einem M-Faktor von 10 oder weniger können Sie keine Preflop-Raises mehr machen. Dies gilt auch, wenn Sie der Big-Stack sind und Ihr Gegner der Short-Stack ist. Wenn Sie noch etwas Spielraum haben, sollten Sie raisen, wenn Sie die entsprechende Fold-Equity haben, wobei Sie aber dann auch bereit sein müssen ein All-In vom hinter Ihnen sitzenden Short-Stack zu callen. Sich viele Flops anzusehen ist in dieser Phase keine Option.

Heads-Up: Versuchen Sie so schnell wie möglich herauszufinden, wo die Schwachpunkte Ihres Gegners sind. Das funktioniert am Besten, wenn Sie jedes Mal raisen oder folden, wenn Sie auf dem Button sind. Nach spätestens 10 Händen sollten Sie wissen, ob Ihr Gegenspieler passiv bzw. aggressiv spielt. Wenn er passiv spielt, müssen Sie aggressiv spielen und oft eröffnen. Wenn Ihr Gegenspieler aggressiv spielt, müssen Sie nur warten, bis Sie ein gute Hand bekommen, mit welcher Sie ihm Preflop Kontra geben können bzw. Sie können auch auf einen guten Flop warten, welcher Ihnen z.B. Top Pair bringt. Wenn Sie der Shortstack sind, reduziert sich das Spiel auf “Push or Fold“.

Generell: Wie bei den meisten Dingen beim Poker, besteht der beste Weg zu lernen darin oft zu spielen und dabei zu lernen, wie man mit den entsprechenden Situationen umgeht. Wenn Sie wirklich daran interessiert sind, Ihr Spiel zu verbessern, sollten Sie sich den SnG Wizard zulegen, welcher vor allem bei den Push/Fold-Phasen überaus nützlich sein kann. Es schadet nichts von diesen Regeln ab zu weichen, aber wenn Sie dies tun, sollten Ihre Aktionen immer durch entsprechende Reads begründet sein.

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