Wie schlägt man sich bei 1-Table Low Limit Sit and Go's - Teil 1
Mai 01, 2012, Marc Schwartz

Dieser Artikel konzentriert sich auf 6-max. Sit and Go’s (SnGs), aber viele Tipps in diesem Artikel sind auch auf Full Ring Games anwendbar. Die Strategie in diesem Artikel basiert auf Erfahrungen in SnGs mit Buy-In’s bis $13, kann aber auch bei etwas höheren Buy-In’s angewendet werden. Weitere Basis-Informationen finden Sie in dem Artikel 6-max Cash Games for Beginners (englisch).
Statistiken sind beim SnG spielen nicht wirklich wichtig. Am Anfang spielt man sowieso meistens gegen bis dahin unbekannte Spieler, wobei an diesem Punkt Statistiken durchaus hilfreich sein könnten. Bis man aber genug Daten über seine Gegner gesammelt hat, sind bei SnGs meistens so viele Spieler ausgeschieden, daß man nicht mehr aufgrund der Reads, sondern auf Basis der Mathematik spielen sollte. Es gibt also schon Momente, in welchen Statistiken sehr hilfreich sein können, aber darauf werden wir noch später etwas genauer eingehen.
Man kann SnGs in drei Phasen aufteilen:
1. die frühe Phase: die Blind-Level 10/20 bis 25/50
2. die mittlere Phase: die Phase bis zum Heads-Up
3. die End-Phase: das Heads-Up
In diesem Artikel beziehen wir uns auf eine Turnierstruktur, wie sie z.B. bei PokerStars verwendet wird. Jede der drei Phasen wird separat diskutiert und zu jeder Phase gibt es entsprechende Anmerkungen zum Preflop- und Postflopspiel.
Die frühe Phase:
Während der frühen Phase bei SnGs ist es vernünftig sehr tight zu spielen. Das Ziel ist es, herauszufinden wo die Fische am Tisch sitzen. Diese Spieler erkennt man, weil sie oft (open) limpen und hohe Pötte auf dem Turn und dem River mit marginalen Händen spielen. In den niedrigen Limits werden viele Ihrer Kontrahenten einige oder sogar alle diese Kriterien erfüllen, aber auch in den höheren Limits findet man immer wieder 1 oder 2 Spieler mit diesen Charakteristika am Spieltisch. In der richtigen Situation können Sie in der frühen Phase gegen diese Fische hohe Pötte gewinnen, aber normalerweise werden diese hohen Pötte in der mittleren Phase gespielt.
Ein weiterer wichtiger Aspekt bei SnGs ist, daß die Chips keinen linearen Wert haben. Wenn jemand seinen Stack in der frühen Phase verdoppelt, bedeutet dies nicht, daß dieser Spieler öfters Geld gewinnen wird. Gehen wir mal davon aus, daß alle Spieler am Tisch über den gleichen Skill verfügen würden, dann hätte jeder zu Beginn des SnGs eine Equity von 16,7%. Wenn nur noch 3 Spieler verbleiben und Sie hätten noch Ihren Start-Stack vor sich liegen, wäre Ihre Equity schon erheblich gestiegen und würde nun 25% betragen. Wenn Sie es also schaffen die Höhe Ihres Stacks über mehrere Blind-Level gleich zuhalten und gleichzeitig Spieler ausscheiden, wächst Ihre Equity. Ein weiterer Grund zu Beginn des Turniers tight zu spielen.
Sie sollten bei 6-max. SnGs niemals (open) limpen. Im speziellen bei 6-max. Games ist Aggression überaus wichtig und limpen spricht nicht gerade für eine gute Hand. Ihre Premium-Hände sollten auf jeden Fall geraist werden, da Sie keinen Multiway-Pot spielen möchten und Ihre Hand ja auch entsprechend ausgezahlt werden soll.
Sie sollten außerdem nur sehr selten over-limpen. Wenn Sie z.B. J7o auf dem Button haben und vor Ihnen hat ein Spieler gelimpt, ist es besser die Hand zu folden. Sie sollten zu jeder Zeit kritische Situationen mit marginalen Händen vermeiden. Sie möchten ja letztendlich keinen hohen Pot gegen den BB, welcher 83o auf der Hand hat, verlieren, nur weil auf dem Flop J83 kommt. Sie können mit Pocket Pairs bis 99 limpen (oder raisen, wenn Sie der erste Spieler sind, welcher Geld in den Pot einzahlt). Sie können aber limpen, wenn Sie die richtigen Odds haben, um zu limpen. Die richtigen Odds erhalten Sie z.B. wenn vor Ihnen eine Menge Spieler gelimpt haben. Ein Fehler, welcher oft gemacht wird, ist das Limpen vom Small Blind mit fast jeder Hand. Der Nachteil besteht darin, daß Sie sich auf der schlechtesten Position befinden und Sie zu selten einen Flop bekommen, welcher Ihren Call gerechtfertigen würde (was ihn +EV machen würde). Sie können callen, wenn vor Ihnen 3 Spieler gelimpt hatten, sollten aber Ihre Rags folden, wenn vor Ihnen nur 1 oder 2 Spieler gelimpt hatten.
Ein Raise während dieser Phase sollte immer das Dreifache bzw. das Vierfache des Big Blinds + einen extra Big Blind für jeden Limper, betragen. Wenn Sie der erste Spieler im Pot sind, genügen 3BB. Wenn zwei Spieler vor Ihnen gelimpt hatten, sollte der Raise 6xBB hoch sein. Wenn Sie sich einen Flop gegen 2 oder mehr Spieler ansehen, sollten Sie nur mit Ihren guten Händen (z.B. Pair/Top Kicker, Overpair oder einem Combo-Draw) einen C-Bet machen.
Ausgenommen davon sind Situationen, wenn die Nuts gefloppt wurden. In diesem Fall kann es vorteilhaft sein, am Flop zu checken, abhängig vom Aggressionslevel Ihres Gegners. Wenn Sie einen Flop Heads-Up sehen, können Sie auch bei einem Flop ohne Draws C-Beten. Ein C-Bet auf einem Board ohne Draws sollte 60% Potsize betragen, ein C-Bet auf einem Board mit Draws sollte 100% Potsize betragen. Wenn es zu Gegenwehr kommt und Sie haben auf dem Turn nichts getroffen, sollten Sie in dieser Situation keine weiteren Einsätze machen und abwarten wie die Hand weiterläuft. Dies ist allerdings in dieser Art SnGs nicht profitabel. Ich schlage vor bei diesen SnGs mit einer guten Hand immer mindestens 75% Potsize zu C-Beten, wenn Sie vermuten, daß Ihr Gegner einen Flush bzw. Straight Draw hält. Wenn Sie ihm erlauben zu chasen, weil Sie nur niedrige (-EV) Bets machen, kann das Spiel Ihres Gegner wieder gewinnbringend werden, da Sie einen kleinen Einsatz wegen der Odds auf dem River eigentlich callen müssten. Sie haben Ihren größten Vorteil in der mittleren Phase, deshalb sollten Sie sich keine Gedanken darüber machen, wenn Sie einen Ihrer Gegenspieler in der frühen Phase aus dem Pot drücken, weil Sie sehr aggressiv gesetzt hatten.
Was die Handrange beim Eröffnen angeht, möchte ich Sie auf den oben genannten Artikel im Bezug auf die Grundlagen für 6-max. in Microlimits verweisen. Wenn Sie einen Spieler zu Ihrer Linken haben, welcher sehr loose oder sehr aggressiv spielt, müssen Sie Ihre Handrange entsprechend anpassen. In der frühen Phase möchten Sie auf keinen Fall auf einer schlechten Position sitzen und gegen einen Spieler antreten müssen, ohne eine gute Hand zu haben.
Niedrige und Medium Pocket Pairs werden wegen dem Setvalue gespielt, wenn damit ein Raise gecallt wird. Die Regel besagt, daß Sie preflop callen können, solange Ihr Stack und der Stack Ihres Gegenspielers mindestens 10 Mal höher ist, als der geraiste Betrag, welchen Sie callen müssten. Bei SnGs ist es vielleicht besser, wenn der Stack sogar etwas höher als das 10-fache beträgt, da es unwahrscheinlich ist, daß Sie Ihren Gegner jedes Mal, wenn Sie ein Set getroffen haben, dazu bringen werden All-In zu gehen. Bei einem Raise aus vorderer Position, sollten Sie sich an den Faktor 10 halten, da Ihr Gegenspieler in diesem Fall oft ein Monster hält. Bei einem Raise von einem Spieler auf CO I würde ich empfehlen einen höheren Faktor anzusetzen.
Beispiel: Der CO mit einem Stack von 1500, raist während des 15/30 Level auf 100 und Sie sind auf dem Button mit 1200 und haben 4-4 auf der Hand. Normalerweise ist dies ein Fold, da Sie vom CO nicht oft genug die 1000 Chips bekommen, durch welche dieser Call profitabel werden würde (die Hand-Range Ihre Gegenspielers ist nämlich erheblich größer und nicht nur auf Premiumhände beschränkt). Gegen einen Spieler auf UTG (oder UTG+1), könnten Sie jedoch mit dieser Hand callen.
Man sollte einen Raise sowieso nur callen, wenn man die richtigen Odds erhält. Wenn z.B. jemand einen Minraise macht, Sie sitzen auf dem Big Blind und haben hohe Suited Connectors und eine Anzahl von Spielern vor Ihnen haben den Raise bereits gecallt.
Lesen Sie nächste Woche Teil 2 dieses Artikels wo die Mittlere Phase, die End Phase und eine Zusammenfassung beider Teile veröffentlicht wird.
Werden Sie zum Gewinner und registrieren Sie noch heute einen Online Poker Account.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!