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Wie gehe ich mit einem Raise am River um?

Grundsätzliches

Auf dem River kann man aktiv feststellen, wie stark die eigene Hand im Vergleich zu den potenziellen Händen der Gegner ist. Obwohl es sich eigentlich um einen elementareren Prozess handelt, ist das Einhalten dieser Vorgehensweise umso wichtiger. Ich habe schon gesehen, wie einige Spieler unglaubliche Fehler gemacht haben, nur weil Sie sich nicht überlegt hatten, welche Hand sie schlagen könnte. Ich erinnere mich an einen Spieler, welcher 8-8 auf der Hand hatte und einen Bet auf dem River gecallt hatte, das Board war 8-J-J-J-J. Wenn er überlegt hätte, wäre ihm aufgefallen, daß das maximale, was er erreichen könnte, ein Split-Pot wäre. Ein anderes Mal hatte ein Spieler 10h-Jh, das Board war 10s-Js-Qs-Ks-Qd und er callte am River nachdem schon zwei andere Spieler gecallt hatten. Eine schlechte Entscheidung.

Diese Fähigkeit am River zu nutzen wird dazu beitragen, daß Sie Ihre Gegenspieler besser lesen können. Wenn Sie zum Beispiel A-K haben und das Board ist Ad-7s-5s-3h-7d, könnten Sie gegen 7-X, A-A, 5-5, 3-3 oder 4-6 verlieren. Nun können Sie versuchen Ihren Gegner auf eine bestimmte Hand zu setzen, indem Sie sich dieses Konstrukt von der anderen Seite her betrachten. Wenn mein Gegner normalerweise mit einer guten Hand am Turn raist, aber in diesem Fall nicht geraist hat, kann man -A, 5-5, 3-3, A-7, 7-5, 7-3 oder 4-6 vermutlich ausschließen. Er hat dann eher 7-X oder er blufft. Ich wünschte, daß ich Ihnen weitere Entscheidungshilfen geben könnte, wenn Sie Ihn auf eine bestimmte Hand gesetzt haben- dies wäre allerdings sehr schwierig. Wenn Sie es schaffen Ihre Gegenspieler immer sehr gut einzuschätzen und zu lesen, befinden Sie sich auf dem Weg ein weltklasse Spieler zu werden, im speziellen beim Big Bet Poker (Pot/No-Limit).

Wie gehe ich mit einem Raise am River um

Das wichtigste bei einem Raise am River ist, daß Ihr Gegenspieler der Meinung ist, daß er Sie besiegen kann. Auf dem Flop ist ein Raise oft nicht so problematisch, da Ihr Gegenspieler oft einfach versucht zu erfahren, wo er mit seiner Hand steht. Wenn ein Spieler am River raist, weiss er, daß er oft gecallt werden wird, deshalb ist die Chance eines Bluff-Raises am River nicht sehr wahrscheinlich. Dies ist im speziellen der Fall, wenn Sie die ganze Hand gesetzt hatten und er Sie dann am River raist. Er weiss auch, daß es Sie nur einen weiteren Bet kosten würde, um bis zum Showdown zu kommen. In vielen Fällen ist es vielleicht besser am River zu folden, wenn Ihr Gegner raist, weil er sich sicher ist, den Showdown zu gewinnen.

Deshalb sollten Sie am River checken, wenn eine Scary Card kommt. Sie können natürlich auch die Absicht haben am River sowieso zu setzen, aber check und call erlaubt es Ihnen den Showdown zum gleichen Preis zu bekommen. Vielleicht veranlassen Sie Ihren Gegenspieler durch diese Vorgehensweise auch dazu einen Bluff zu versuchen oder einen Fehler zu machen. Ich kann mich an einige Situationen erinnern, in welchen ich bei einem Board wie z.B. A-8-9-7-9 A-K auf der Hand hatte. Wenn ich am River checkte setzen meine Gegner mit Händen wie A-J oder A-10. Ich möchte damit sagen, daß man nicht unbedingt automatisch checken muss, wenn eine "scary" Card kommt. Sie müssen die Balance zwischen dem Geldgewinnen am River und mehr Geld verlieren mit der zweitbesten Hand, finden. Um dies zu erreichen, kann es sein, daß man jahrelang Erfahrungen sammeln muss.

Anzeichen für Gefahr

Es gibt zwei gefährliche Situationen, auf welche ich Sie aufmerksam machen möchte. Die Erste tritt auf, wenn sich einige Spieler den River ansehen, Sie am River Ihren Draw treffen (der Draw ist aber am unteren Ende des Spektrums) und am River mit einem Raise konfrontiert werden. Sagen wir mal Sie hätten mit 4s-5s gelimpt, das Board wäre 2s-7s-9d-Qc-3s. In diesem Fall kann Ihr Gegner kein Full House oder eine Straight haben. Das Beste, was er haben könnte wäre ein Set. Es ist unwahrscheinlich, daß er ein Set mit Dreiern hat und da wir wissen, daß er am Turn geraist hätte, wenn er ein Set hätte, ist es überhaupt sehr unwahrscheinlich, daß er ein Set getroffen hat. Es scheint wahrscheinlicher, daß er ein Flush getroffen hat und da er am River raist, können wir davon ausgehen, daß er ein höheres Flush getroffen hat. Nun befinden wir uns in einer schwierigen Situation. Um es einfach auszudrücken, wenn Sie einen kleine Draw getroffen haben und jemand raist am River, wenn Sie Ihren Draw gerade getroffen haben, ist die Chance, daß Ihre Hand nicht gut genug ist, sehr hoch. Sie sollten ernsthaft überlegen, zu folden. In dieser Situation wird Ihre Hand nur selten die beste Hand sein.

Die zweite gefährliche Situation entsteht, wenn der Showdown nicht Heads-Up sein wird. Der Ratschlag war ja aufzupassen, ob Ihr Gegner Sie raist, wenn Sie einen Einsatz machen. Wenn es aber schon einen Einsatz und ein Raise gab, bevor Sie überhaupt an der Reihe waren, sollten Sie aufpassen. Wenn ein dritter Spieler das Raise "Cold" callt, bevor Sie an der Reihe sind, ist Ihre Hand eigentlich tot. Wenn vier Spieler auf dem River allerdings nur callen, nachdem ein Einsatz gemacht wurde, kann Ihre Hand immer noch gut sein. Wenn Sie in einem "weaken" Game spielen, sollten Sie den River mit Händen wie z.B. einem kleinen Flush öfters callen.

Ausnahmen von der Regel

Überschätzen Sie den Wert Ihrer Hand in dieser Situation nicht. Manchmal haben Sie eine sehr starke Hand, aber die Stärke Ihrer Hand bleibt Ihrem Gegner verborgen. In dieser Situation, sollten Sie den Raiser am River re-raisen, da er Sie eventuell auf die falsche Hand setzt.

Ich saß einmal im Small Blind und hatte JJ auf der Hand. Ein Spieler aus vorderer Position raiste und ich callte vom Small Blind. Vor dem Flop waren vier Spieler im Pot. Der Flop kam mit Q-J-6. Ich setzte und er raiste, wodurch durch die anderen Spieler foldeten. Ich re-raiste und er callte. Der Turn war eine 6. Mit Jack's Full, setzte ich erneut und er callte. Auf dem River kam eine weitere 6. Ich setzte und er raiste. Seit er vor dem Flop geraist hatte, war ich mir sehr sicher, daß er keine 6 hat. Ich fragte mich, ob er Q-Q haben könnte, da ich aber der Meinung war, daß meine Hand besser war, musste ich in Aktion treten und machte ein Re-Raise. Er callte und zeigte mir KK. Mit anderen Worten, mein Gegenspieler hatte nicht erwartet, daß ich JJ haben könnte und deshalb am River geraist, da er davon ausging, daß seine Hand stärker war.

Wenn Sie also am River eine sehr starke Hand haben und jemand raist Sie, sollten Sie immer daran denken, daß Ihr Gegenspieler Sie auf die falsche Hand gesetzt hat und Sie deshalb fälschlicherweise geraist hat. Obwohl mein Gegenspieler ja eventuell Q-Q haben könnte, hatte ich keine Angst vor einer starken Hand, da er mich auf dem River geraist hatte. Deshalb habe ich ihn ge-reraist anstatt nur zu callen. Wie sich herausstellte hatte mein Gegenspieler mich am Flop auf Q-J gesetzt. Am Turn saß er vorne, entschied aber bis zum River mit seinem Raise zu warten, da er davon ausging, daß ich in der gleichen Art und Weise weitersetzen würde. Er erkannte also nicht, wie stark meine Hand war, was dazu führte, daß er mich auf dem River raiste. Deshalb sollte man nicht immer das Schlechteste vermuten.  
 
 

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