Juni 16, 2009, Jeremiah Smith

Ein Freund beschrieb seine Strategie, welche er bei einem der täglichen Turniere im Orleans einsetzen wollte, folgendermaßen: “Ich werde in den ersten Level sehr tight spielen, deshalb werde ich die anderen Spieler sehr gut bluffen können, sobald Ante gezahlt werden muss”. Dies war ja eigentlich ein guter Plan, es gibt dabei aber ein kleines Problem – die Gegenspieler interessierte der Plan nicht, da sie nichts davon wussten.
Bei einem $10.000 Turnier werden Sie sehr wahrscheinlich stundenlang gegen die gleichen Spieler spielen, deshalb sollte das Erstellen eines Tisch Images auf jeden Fall ein wichtiger Teil Ihrer Strategie sein. Allgemein gesagt, wird diese Vorgehensweise in Turnieren mit einem Buy-In von mindestens $500 und mit Leveln von 60 Minuten sicherlich sinnvoll sein. In den Stakes in welchen die Meisten von uns spielen, wird die Sache mit dem Table Image meistens erheblich überschätzt. Sich ein Tisch Image zu erschaffen, dauert halt eine gewisse Zeit. Das Tisch Image zu nutzen, um daraus Vorteile zu erlangen, dauert noch viel länger. Wenn die Gegenspieler nicht aufmerksam sind, haben Sie gar nicht genug Zeit um Ihrem Gegenspieler Ihr Tisch Image präsentieren zu können. Wenn die Levels nur 20 bis 30 Minuten dauern, wird man nur die einzelnen Hände bewerten und sich keine Gedanken über Ihr Tisch Image machen.
Viele Ihrer Gegenspieler haben so was Ähnliches wie einen Tunnelblick. Warum sollten Ihre Gegenspieler auf Ihre Karten achten, wenn Sie mit Ihren eigenen Karten noch nicht einmal etwas anfangen können? Viele Ihrer Gegenspieler werden Ihre Hände spielen und dabei nicht darüber nachdenken, was Sie auf der Hand haben könnten. Wenn Sie in der ersten Runde All-In gehen sollten, wäre dies vielleicht etwas, woran sich Ihre Gegenspieler erinnern würden, wenn Sie aber die ersten Runden nur gefoldet haben, wird dies meistens keinen Spieler interessieren.
Oft führt der Versuch sein Tisch Image zum Vorteil einzusetzen, genau zum gegenteiligen Effekt, vor allem in Turnieren mit höherem Buy-In. “Jeder andere Spieler am Tisch weiss, daß ich tight spiele, nur dieser Spieler hat es scheinbar nicht bemerkt“ sagte ein Freund zu mir, nachdem einer seiner Gegenspieler auf sein All-In mit einem loosen Call antwortete. Obwohl mein Freund extrem tight spielte, hat sich der Spieler mit dem loosen Call wohl für alles andere, nur nicht für das Tisch Image meines Freundes interessiert. Egal was Sie planen, es ist aber überaus wichtig zu wissen, wie Ihr Gegenspieler Sie sieht.
Ich befürworte nicht, daß man das Tisch Image außer Acht lassen sollte. Ich würde Ihnen allerdings empfehlen, etwas zu tun, wodurch Sie mehr direkten Value erzielen können. Ich glaube folgender Spruch passt sehr gut zu diesem Thema:“ Du bekommst nur eine Chance um einen guten Eindruck zu hinterlassen“. Sie sollten am Pokertisch genauso denken, wie bei jedem anderen gesellschaftlichen Ereignis (z.B. Bar, Restaurant, in einer Schlange stehen vor einer Bäckerei). Obwohl wir es eigentlich nicht zugeben möchten, beurteilen wir ständig andere Leute. Egal, ob wir uns dabei auf körperliche Attribute beziehen oder als Basis ihre Persönlichkeit verwenden, wir beurteilen andere Leute auf vielfältige Art und Weise (auch wenn wir dies meistens unterbewusst machen).
Die ersten Eindrücke fallen dabei sehr ins Gewicht und definieren uns, bis wir durch unser individuelles Verhalten etwas daran ändern. Wenn Sie ein tighter Spieler sind und auf eine gute Starthand warten, könnte es z.B. helfen, wenn Sie Ihre Gegenspieler gleich zu Beginn des Turniers auf eine falsche Fährte locken. Ziehen Sie die Aufmerksamkeit auf sich, wenn Sie die erste Hand raisen “Ich bin hier um ein wenig Spaß zu haben”, machen Sie theatralische Gesten mit Ihren Chips. Wenn keiner Sie callt oder wenn Sie den Pot ohne Showdown gewinnen, zeigen Sie stolz Ihre Q-4 offsuit. Sie können jede Hand während der nächsten beiden Level folden, es steht außer Frage, daß Sie aufgrund des ersten Eindrucks, jede Menge Action bekommen werden, wenn Sie dann eine Hand spielen sollten. Solche Eindrücke beleiben normalerweise solange in Erinnerung, bis Sie etwas komplett Entgegengesetztes tun.
In den meisten Situationen ist Ihr Table Image der erste Eindruck. Sie sollten sich aber nur Sorgen um Ihr Tisch Image machen, wenn Sie längere Zeit gegen den gleichen Spieler spielen. In dieser Situation sollten Sie nie vergessen, daß der erste Eindruck Ihr Image mehr beeinflusst, als jeder andere Faktor.
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