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Pot Kontrolle mit Jonathan Little

Poker Strategie

Jonathan Little ist einer der beständigsten Turnier-Spieler der letzten Zeit. Er hat bereits mehr als $4.7 Millionen Gewinn in Online- und Liveturnieren (unter anderem zwei World Poker Tour Siege) angehäuft. Er war auch immer jemand, der Poker lehrt und kürzlich auch sein Buch namens “Secrets of Professional Tournament Poker” veröffentlicht hat. Er sprach mit PokerNews darüber, wie er denkt, dass sein Buch dazu beiträgt, dass Spieler sich verbessern und spricht über das Konzept der Pot Control.

Was war der Beweggrund für dich, ein Buch über Turnierpoker zu schreiben?
Naja, es gibt einfach bislang noch nicht so viele gute Bücher über Turnierpoker. Das einzige richtig gute ist meiner Meinung nach Harrington on Hold’em und das kam bereits vor fünf oder sechs Jahren auf den Markt. Deswegen weiß nun jeder, wie man grundsätzlich tight-aggressiv spielt, jedoch nicht, wie man im Turnierpoker gewinnen kann. Wenn alle das selbe tun, muss man sich wieder verändern. Mein Buch erzählt, wie man jeden Typen optimal spielt.

Was sind die wichtigsten Konzepte für Anfänger im Turnierpoker, die in deinem Buch behandelt werden?
Ich denke, Anfänger im Turnierpoker müssen verstehen, dass man immer anders spielen muss - immer in Bezug auf die Stackgröße. Wenn man nur noch 10 Big Blinds hat, muss man erheblich anders spielen, als man es mit 100 BBs tut. Besonders bei den niedrigen oder mittleren Buy-Ins wird man viele Spieler sehen, die ein Raise mit ihrem 10 Big Blind-Stack nur callen. Und zwar mit 10-8 suited oder ähnlichem und dann check-folden sie auf dem Flop, wenn sie nichts getroffen haben. Das bedeutet natürlich ganz klar Verlust und Schwäche. Ausserdem glaube ich, dass Spieler zuwenig Pot Control betreiben mit Händen, wie etwa Top Paar und Top Kicker. Sie wollen ihre 100 Big Blinds früh im Turnier riskieren und wenn man das tut, dann geht man immer und immer wieder broke.

Lass uns detailiert über die erwähnten Konzepte über Pot Control sprechen. Kannst du für diejenigen, die sich damit noch nicht beschäftigt haben, kurz erklären, was umgekehrte Implied Odds sind und wie sich diese zur Pot Control verhalten?
Grundsätzlich sind umgekehrte Implied Odds, wenn man eine Hand wie etwa Ass-Zehn hält und damit das Top Paar floppt. Egal ob das Ass oder die Zehn, denn dann wird man damit entweder einen kleinen Pot gewinnen, oder einen großen Pot verlieren. Wenn der Gegner nämlich zu Action bereit ist, dann wird er höchstwahrscheinlich eine bessere Hand halten. Also ist es schwierig, einen großen Pot zu gewinnen.
Deswegen ist es beispielsweise auf einem Ass-Rag-Rag Board sehr schwierig, auf mehr als zwei Streets Value zu bekommen.
Wann immer man eine Hand wie Ass-Zehn auf einem Ass-Vier-Zwei Board hält und gecheck-raist wird, kann man nur weit vorne oder ganz weit hinten liegen. Deswegen ist man mit solchen Händen besser daran, wenn man irgendwie versucht, einen Showdown zu erreichen. Außer Sie haben einen wirklich guten Read auf ihren Gegner.

Wenn wir also nur auf zwei Streets auf Value gehen, welche Street checken wir dann und wieso?
Sie könnten entweder den Flop gleich checken, oder den Flop betten und dann am Turn checken. Das funktioniert normalerweise gut. Wenn auf dem Flop einige Draws liegen, dann müssen Sie sich genau überlegen, gegen welche Art von Gegner Sie spielen. Wenn Sie gegen jemanden spielen, der viele Draws check-raisen wird, dann sollten Sie auch auf dem Flop bereits hinterher-checken. Wenn Ihr Gegenspieler eher check-callt, dann sollten Sie den Flop unbedingt anspielen. Sie sollten einfach nur versuchen, auf zwei Streets Value zu erhalten. Egal ob das Flop und Turn, Flop und River, oder Turn und River sind. Denn wenn Sie auf drei Streets jeweils zwei Drittel Pot anspielen, dann wird es sehr schwer für Ihren Gegner sein, um so viel Geld mit einer noch schlechteren Hand als ihre, zu spielen. Wenn Sie checken, können Sie zudem einen Bluff ihres Gegners bewirken. Wenn Sie auf einem Ass-hoch Flop ebenso checken, wird Ihr Gegner meistens denken, Sie haben nicht getroffen. Dann wird oft ein Turn-Bet Ihres Gegners folgen - so auch auf Turn oder River. Sie betreiben also nicht einfach nur Pot Control und bringen Sich selbst näher in Richtung Showdown, sondern leiten auch noch Bluffs Ihrer Gegner ein.

Überwiegen die Vorteile der Pot Control derer von Protection- oder Equtiy-Bets?
Sie verteilen ein paar Free Cards und werden wohl auch ein paar Pots verlieren, aber selbst wenn ihr Gegner am Flop trifft, werden Sie nicht viel verlieren, da Sie ja Pot Control betreiben. Ausserdem könnten Ihre Gegner durch die Free Cards noch Hilfe erhalten und damit die zweibeste Hand "bauen". Wenn Sie etwa Ass-Zehn auf einem Zehn-Vier-Zwei Board halten und eine Hand, wie Acht-Neun checkt vor Ihnen, dann könnte Ihr Gegner ja eine Acht oder Neun am Turn treffen und denken, er liegt vorne. Das balanciert sich etwa aus. Sie werden in 15 Prozent der Fälle ausgedrawt, aber das ist ok, da die Pots relativ klein sein werden.

Gibt es noch etwas, dass du über dein Buch hinzufügen möchten?
Das Buch handelt grundsätzlich vom Standard-Weg, wie man Poker spielt. Viele Spieler spielen entweder viel zu tight, oder viel zu loose. Man muss einen Mittelweg finden. Mein Buch wird Ihnen sagen, wie man in Position aggressiv spielt und wie man out of position tight spielt. Solange Sie das tun und immer über die Range Ihrer Gegner nachdenken, ist es schwierig, viele Fehler zu machen. Das Buch spricht ausserdem, wie man sich Entscheidungen erleichtert, sodass man noch weniger Fehler machen wird und wenn Sie weniger Fehler machen, als die anderen, dann werden Sie sehr erfolgreich sein.

Ein zweites Buch ist bereits in Arbeit, stimmt das?
Ja, ich habe die Bearbeitung gerade eben abgeschlossen. Ich hoffe, es wird Ende des Jahres erscheinen. Darin geht es dann mehr um Live-Reads und wie man die einzelnen Stufen des Turniers erfolgreich bewältigt und es wird auch eine Einführung in das Leben eines Turnier-Pros geben. Viele haben zu viel für zu teuere Suiten oder Clubs ausgegeben. Zum Jahresende haben sie dann mal eben $300,000 weniger als jemand, der sein Leben etwas geiziger gelebt hat. Das zweite Buch wird Sie unterrichten, wie man ein Turnier-Pro wird, aber davor sollten Sie das erste Buch lesen, da dieses die Grundlagen für das zweite Buch schafft.

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