Für professionelle Pokerspieler können sich WSOP Events mit niedrigen Buy-Ins und hohen Teilnehmeranzahlen als wahre Minenfelder erweisen. Um gewinnen zu können, muss man sein eigenes Spiel auf jeden Fall anpassen. Vanessa Rousso sprach mit PokerNews über eine Hand, in der Sie eine angepasste Strategie anwendete. Diese Hand wurde am Tag 1A beim Event 3 der 2010 World Series of Poker gespielt, ein $1.000 Buy-In No-Limit Hold’em Event, an dem 4345 Spieler teilnahmen.
Wie waren die Blinds als die Hand gespielt wurde und wie ist deine grundsätzliche Preflop Strategie bei diesen Events?
Die Blinds waren 75-150. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keinen Ante. Ich habe eine sehr offene Handrange, solange ich mit meinem Chip-Stack über dem Durchschnitt liege und ich in Position bin (ganz speziell in Turnieren dieser Art). Der Grund ist, da ich einen signifikanten Skill-Edge gegenüber den meisten anderen Spielen an meinem jeweiligen Spieltisch habe, möchte ich eine Menge Hände spielen. Ich experimentiere etwas mehr mit meinen Händen herum, ich calle auch schon mal einen Raise, bei welchem ich normalerweise folden würde. Ich passe mein Spiel aus folgenden Gründen an (a) da die Blinds relativ niedrig sind und es deshalb nicht so teuer wird und (b) weil ich mit einem überdurchschnittlichen Stack gegen relativ schwache Spieler spiele.
In dieser Hand raiste ein sehr tighter, vorhersehbarer Spieler von mittlerer Position. Ein Spieler zu meiner Rechten callte und ich saß auf dem Button mit A-4 Hearts. Ich callte und der Big Blind callte. Vier Spieler sahen den Flop, welcher 10-hoch war und sich mit drei Hearts präsentierte. Ich hatte die Nuts gefloppt. Der Big Blind setzte und der sehr tighte Preflop Raiser machte einen hohen Raise. Der Raise betrug ca. 7% seines Chip-Stacks. Ich rechnete nach und kam zu dem Ergebnis, dass er mit ziemlicher Sicherheit auf dem Turn einen Pot-Size Bet machen würde und ich dann eventuell seinen gesamten Stack bekommen würde.
Auf welche Hand hast du ihn zu diesem Zeitpunkt gesetzt?
Da er einen so hohen Bet gemacht hatte, setzte ich ihn auf ein Set oder ein Overpair. Er konnte keine Asse mit dem Herz-Ass haben, da ich dieses Ass selbst auf der Hand hatte. Er hätte auch “Drawing Dead“ auf einen Runner-Runner mit seinem Overpair sein können, ich ging aber davon aus, dass er bedingt durch seinen Bet, eine stärkere Hand hatte. Der Spieler zu meiner rechten foldete und ich flat-callte den Raise. Ich hoffte nur, dass sich das Board auf dem Turn nicht pairte.
Dies ist etwas, was ich tue, um die Varianz zu reduzieren. Oft mache ich meine Moves mit starken Händen auf dem Turn, anstatt auf dem Flop, da man bei großen Events oft Situationen überleben muss, in welchen man 70% Favorit ist. Fakt ist, dass man zwar 70% Favorit ist, aber man bei 10 Mal immer noch drei Mal verliert. Obwohl man bei diesen 60-40 oder 70-30 Chancen immer noch großer Favorit ist, kann man die Varianz verringern, indem man versucht das Geld erst auf dem Turn zu verdienen. Deshalb habe ich nicht auf dem Flop geraist. Ich habe gecallt, um die Varianz zu verringern.
Was denkst Du über das Konzept “schütze deine Hand“? Wird dieses Konzept überbewertet und kannst Du uns erklären, warum Du es hier nicht angewendet hast?
Der Schlüssel liegt in der Analyse, bei der ich zu dem Ergebnis kam, dass der Spieler entweder “Drawing Dead“ ist oder er darauf hoffen muss, dass sich das Board pairt. Basierend auf seinen Einsätzen, war ich der Meinung, dass er nicht folden würde, deshalb wollte ich zuerst den Turn sehen, um zu entscheiden wie ich weiter vorgehe, abhängig davon, was er macht und ob sich das Board pairt bzw. nicht pairt. Gegen ein spielstarkes Teilnehmerfeld, sollte man bereit sein, mehr Risiken auf sich zu nehmen und versuchen seine Hand zu schützen, gegen schwache Gegner ist es jedoch wichtiger die Varianz zu reduzieren und die Pötte klein zu halten. Ich versuche die hohen Pötte nur dann zu spielen, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass ich verliere möglichst gering ist. Ich hatte zuviele Chips, um einen Reraise zu rechtfertigen, falls er re-raisen sollte, hätte All-In gehen müssen, sodass wir einen hohen All-In Pot gespielt hätten, bei dem er mit 40% Live auf ein gepairtes Board oder Quads gedrawt hätte. Anstatt diese Hand als 60% Favorit auf dem Flop zu spielen, habe ich bis zum Turn gewartet, wo ich 80% Favorit bin, Das ist meine Philosophie.
Was passierte auf dem Turn?
Der Turn war relativ bedeutungslos, ein Blank. Dies ist ein weiterer Fakt, von welchem ich denke, dass man etwas lernen kann. Es sollte an diesem Punkt aufgrund meines Setzverhaltens relativ offensichtlich sein, dass ich einen Flush gefloppt habe oder einen Draw auf den Nut Flush habe. Zu diesem Zeitpunkt waren dies die beiden einzigen Hände, auf welche er mich setzen könnte. Auf dem Turn machte er wie erwartet einen Potsize Bet und ich raiste All-in. Er callte ohne zu zögern. Er hätte natürlich folden können nachdem ich All-In gegangen bin und hätte dann noch über einen guten Chip-Stack verfügt oder er hätte auf dem Turn checken können anstatt zu setzen, wodurch er nicht commited gewesen wäre. Hätte mein Gegenspieler gecheckt, bestünde immer noch die Möglichkeit einen Pot-Size Bet von mir zu check-callen, sich den River anzusehen und dann einen Big-Laydown zu machen oder zumindest mal die Situation neu zu bewerten. Die Hand in dieser Art und Weise zu spielen, zwang ihn dazu an dieser Stelle All-In zu gehen. In dem Moment, als ich ihn All-In raiste, war sicher, dass ich nicht bluffe. Ich hätte diesen Move nie gemacht, wenn ich nur die Ace of Hearts ohne ein weiteres Heart auf der Hand gehabt hätte, ich hatte also auf dem Turn offensichtlich bereits einen Flush.
Er hatte ein 10'er Set. Diese Hand kann man natürlich nur sehr schwer wegwerfen, da man auf dem Turn immer noch eine 20% Live Draw Chance hat, er hätte die Hand aber risikoarmer spielen können, wenn er einen check-call auf dem Turn gemacht hätte. Er hätte in dieser Hand nicht unbedingt ausscheiden müssen, damit meine ich, dass sich die Hand natürlich hervorragend zu meinen Gunsten entwickelt hat (lacht). Ich denke, das ist die Lektion. Wenn man auf einem koordinierten Board ein Set getroffen hat und Preflop mehrere Spieler mit gegangen waren, kann man nicht immer davon ausgehen, dass man die beste Hand hat. Es besteht eine 75% Chance, dass jemand einen Flush hat und eine 25% Chance, dass jemand auf einen Flush drawt. Warum checkt man also in dieser Situation nicht einfach? Wenn auf dem River ein Herz gekommen wäre, sollte man immer davon ausgehen, dass das Her-Ass im Spiel ist, was in der Realität zwar nicht immer der Fall ist, aber durch diese Annahme rettet man sich selbst in 75% der Fälle, wenn man geschlagen ist.
Hattest Du, wenn sich das Board auf dem Turn gepairt hätte und er einen Pot Size Bet gemacht hätte, geplant zu folden?
Ja, ich hätte gewusst, dass meine Hand nicht mehr gut genug gewesen wäre. Manchmal hat man einen guten Read auf einen anderen Spieler. Wenn er den Raise auf dem Flop gemacht hätte, wäre mir bewusst gewesen, dass er nur ein Overpair ohne ein Heart oder ein Set gehabt hätte und wenn der dann auf dem gepairten Turn einen Pot-Size Bet gemacht hätte, wäre ein Fold meinerseits angedacht gewesen.
Weitere Informationen finden Sie auf der PokerNews.com Live Updates Seite. Vor Beginn des Spiels unterhielt sich Rousso kurz mit unserem Video Team.
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