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Pocket Pairs

Wenn man auf Setvalue spielt, muss man die folgenden Dinge beachten: Range des Gegners, seine Aggressivität, die Stackgrößen, Kosten des Calls, Geld im Pot und einige andere Faktoren. In einem vorherigen Artikel haben wir besprochen wie diese Faktoren die eigene Entscheidung beeinflussen können. Ferner haben wir herausgefunden, dass wir in einem von zehn Fällen das Set floppen und den Pot gewinnen, während wir in 90% der Fälle kein Set floppen, oder mit dem Set verlieren. Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Spielen eines Pockets.

Das Spiel als IR

Als IR (initial raiser, meist der Preflopaggressor) haben wir nicht viele schwierige Entscheidungen. Wir wollen unser Pocket in einem offenen Pot spielen (es ist noch kein anderer Spieler in die Hand eingestiegen) und nachdem wir nicht limpen wollen, raisen wir. Oft gewinnen wir den Pot preflop. Wenn wir den Flop sehen, können wir immer ein Set, ein Full House oder sogar einen Vierling floppen, oder den Flop komplett verfehlen.

Wenn wir eine starke Hand floppen, können wir setzen oder checken. Die Entscheidung richtet sich nicht nur nach dem Board, sondern auch nach unseren Gegnern. Fragen Sie sich welche Range Ihr Gegner spielt und anschließend, ob er einige Händen aus der Range callen wird und wie Sie das Maximum aus Ihrem Gegenspieler herausbringen. Angenommen wir haben {6-Clubs}{6-Spades} bei {2-Spades}{6-Hearts}{10-Diamonds} im Flop. Es ist oft schwierig Value auf allen drei Straßen zu bekommen, da der Gegner das Board oft verfehlt hat und auch bei getroffenem Board selten bereit ist seinen gesamten Stack in die Mitte zu schieben. Jedoch bei einem Flop mit {6-Hearts}{9-Diamonds} können und müssen Sie anspielen, da weitaus mehr Hände bereit sind zu callen. In so einem Fall, betten Sie nicht nur um Geld zu bekommen, sondern auch um Ihre Hand zu schützen. Aggressivität zahlt sich hier oft aus, da Sie Ihr Geld mit der besten Hand in den Pot bekommen.

Wenn wir den Flop verfehlen, können wir den Pot noch oft mit einer Continuation Bet gewinnen. Wie und wann Sie am besten eine Continuation Bet platzieren, wird in diesem Artikel nicht besprochen. Es gibt jedoch Artikel zu diesem Thema im Archiv.

Das Spiel in geraisten Pots

Pairvalue, Setvalue, Bluffvalue

Wir müssen nicht immer unser Pocket nur auf Setvalue, sondern können es auch auf Pairvalue spielen. Sie können beruhigt eine Bet mit 88 bei J73 callen. Ihr Gegner wird den Turn oft checken und Sie können sich überlegen wie Sie den Pot am besten mitnehmen. Sie haben außerdem die Möglichkeit mit Ihrem Pocket zu bluffen, der Einfachheit wegen nennen wir es Bluffvalue. Zusammenfassend spielen wir also unser Pocket auf Setvalue, Pairvalue und Bluffvalue, oder auf eine Kombination dieser Faktoren.

Klassifizierung der Pocket Pairs

In der folgenden Graphik können Sie sehen wie oft Sie 1, 2, 3 oder keine Overcard mit Ihrem Pocket floppen. Die letzte Spalte ist mit „all the rest" betitelt und wird später erklärt. Die Graphik wurde mit Hilfe von StoxEV erstellt.

Zunächst einmal können Sie sehen, dass sämtliche Angaben bei „all the rest" 12% lauten. Das bedeutet, dass Sie in 12% der Fälle ein Flop, Full House oder einen Vierling floppen. Mit Full House meine ich nicht nur mit Pocket Sechser JJ6 zu floppen, sondern auch JJJ mit Pocket Sechser. Der Wert eines Full Houses mit Trips auf dem Board steigt je höher Ihr Pocket ist.

Ich wählte die folgende Klassifizierung mit Pockets: 22-77 sind kleine Paare, 88-JJ sind mittlerer Paare und QQ-AA sind hohe Paare. Diese Klassifizierung basiert auf meiner Erfahrung im Umgang mit Pocket. 88 ist grenzwärtig zwischen einem kleinen und einem mittleren Paar, während JJ auf der Grenze zwischen einem mittleren und einem hohen Paar liegt. Der Wert dieser Paare hängt stark vom Gegner ab. Mehr von dieser Klassifizierung folgt später.

Die Klassifizierung basiert nicht nur auf meiner Erfahrung, sondern auch auf Mathematik. Die in gelb gefassten Situationen kommen für jedes Pocket am öftesten vor. Mit kleinen Paaren floppen Sie oft 2 oder 3 Overcards, was es schwierig macht auf Pairvalue zu gehen Mit Paaren zwischen 88 und JJ sehen wir oft eine Overcard am Flop und können somit diese Paare oft auf Pairvalue spielen, in einigen Situation können wir jedoch nur auf Setvalue gehen. Pockets zwischen QQ und AA sehen eher selten Overcards am Flop, weshalb diese Hände meist auf Pairvalue gespielt werden.

Grundsätzlich können wir also sagen:

• 22-77 spielen wir hauptsächlich auf Setvalue, manchmal auf Pairvalue

• 88-JJ spielt man auf Pair- und/oder Setvalue, je nach Situation

• QQ-AA wird hauptsächlich auf Pairvalue gespielt, manchmal auf Setvalue.

Das Problem mit den kleinen Paaren

Spielt man kleine Paare ist die Range des Gegners ein großes Problem, sowie der Effekt, den diese Range auf unsere Implieds Odds ausübt. Angenommen wir erhalten 55 am Button und ein TAG raist aus dem Cutoff auf 4BB. Viele Spieler würden in dieser Situation callen, die Frage ist, ob es auch profitabel ist. Es wird schwierig auf Pair- oder Setvalue zu callen, da das Paar bei so vielen Overcards selten ausreicht. In 71% der Fälle sehen wir 2 oder 3 Overcards am Flop, und nur mit einem Set weiterspielen können. Wenn wir unser Set treffen, werden wir, aufgrund seiner großen Range, nur selten ausgezahlt. Um in dieser Situation profitabel spielen zu können, müssen wir uns unsere Optionen genauer ansehen.

Unsere Optionen lauten Fold, Call und Raise. Folden ist wie immer 0 EV. Ein Call ist –EV (negativer Erwartungswert), wie kann das aber sein?. Zum einen hat unser Gegner eine sehr große Range. Am Flop treffen wir zu ungefähr 70% auf 2-3 Overcards und müssen fast immer auf seine Continuation Bet folden. Falls wir ein Set treffen, müssen wir zusätzlich das Glück haben, dass auch unser Gegner den Flop verwerten kann und bereit ist viel Geld in den Pot zu schieben. Passiert das jedoch oft genug? Natürlich nicht und somit hat ein Call mit 55 keinen positiven Erwartungswert (-EV). Eine 3Bet wäre die letzte Option und wäre eigentlich ein Bluff, da der Gegner nie mit schlechteren Händen callen würde, allerdings auch bereit ist bessere zu folden. Wir wissen, dass er mit einer großen Range open-raist, und er somit auch auf eine 3Bet viele Hände folden muss. Wir wissen auch, dass wir meistens hinten liegen, wenn er mitgeht. Eine 3Bet in dieser Situation ist somit ein Bluff, der sich aber profitabel spielen lässt so lange wir es nicht zu oft machen. Sollten wir ihn zu oft mit 55 3betten, wird mit seiner großen Range mitgehen oder nochmals reraisen. Wir sind dann in einem Pot, den wir nur durch einen Bluff gewinnen, oder wenn wir unser Set treffen. Der Gegner könnte auch 4betten und wir verlieren 10-15% unseres Stacks, falls wir mit 100BB die Hand begonnen haben.

Die Lösung unseres Problems mit 55 lautet somit: 3Bet>Fold>Call, jedoch nur, wenn wir zwischen Fold und 3Bet variieren. Man sollte nur soviel 3betten, damit es +EV bleibt.

Analyse mit StoxEV

Mit Hilfe von StoxEV, konstruierte ich ein ziemliche kompliziertes Entscheidungsdiagramm für unsere Situation zwischen Cutoff und Button. Preflop open-raist der Cutoff mit folgender Range: 22+, A5s+, A8o+ und Bildkarten. Wir callen mit 22-TT, ab JJ würden wir 3betten. Das Postflopspiel ist ziemlich geradlinig ohne trickreiche Spielzüge. Der Cutoff bettet Middlepair oder besser, Flushdraws, Gutshots oder besser und ein Board mit einem A, K, oder Q. Wir callen nur mit Middlepair oder einem Gutshot/OESD, raisen wir einem Set und folden den Rest. Wenn wir das Set am Flop treffen und seine Continuation Bet raisen, pusht der Gegner kombinierte Draws, TPTK und Hände wie AK und AQ. Mit diesen Informationen konstruierte ich mit StoxEV ein riesiges Entscheidungsdiagramm für das Postflopspiel. Wir kalkulieren nun den EV aus dem Diagramm und können nun den EV für unser Pocket herausfinden.

Pockets zwischen 22 und 55 sind –EV oder ein Nullsummenspiel, wenn wir callen. Alle höheren Paar sind +EV. Grund hierfür ist das Pairvalue für 66+, im Gegensatz zu 22-55. Wenn der Gegner nicht bereit ist ab und zu mit Händen wie KQ All in zu gehen, oder wenn er Toppair hat, während wir unser Set treffen, ist es zu empfehlen 66 preflop nicht zu callen, sondern Fold oder 3Bet zu spielen.

Was ändert sich, wenn wir am Button mit 22-TT sind und ein Raise aus UTG callen wollen? Welche Pockets sind dann +EV. Unsere Intuition sagt uns, dass wir dann öfters die Pockets callen können, da der UTG-Spieler eine kleinere Range hält und wir somit eine bessere Auszahlung bekommen, wenn wir treffen. Wir nehmen an, dass eine UTG-Range AJ+, 22+ und KQ umfasst. Nun wird der Call mit 22-TT +EV. Überrascht? Eigentlich nicht, da wir eine bessere Auszahlung bekommen. Sollten wir das Set nicht treffen, finden wir immer noch einige +EV Situationen, in denen unsere höheren Paare den Showdown gewinnen. Sollte der Gegner in der Lage sein Toppair mit AJ oder KQ wegzulegen, währe ein Call mit 22, oder 33 ebenfalls –EV und wir müssten folden oder 3betten. 3betten ist gegen eine UTG-Range vielleicht nicht die besste Idee und somit sollten diese Hände folden. Ab 44 können Sie seine UTG-Raises callen.

Die Frage lautet nun: Wie tight muss die Opening-Range unseres Gegners sein, damit wir Paare zwischen 22 und TT profitabel callen können. Im folgenden Diagramm finden Sie die Antwort für verschiedene Ranges (kalkuliert mit StoxEV).

Diese Tabelle empfiehlt nicht Hände wie 55 gegen eine große Range zu folden, sondern zu 3betten. Aufgrund der großen Opening-Range des Gegners können diese nur schwer eine 3Bet callen (man hat also Foldequity). Sie müssen auch nicht 77 gegen die unterste Range im Diagramm callen, weil es +EV ist. Oft können Sie einfach hier einfach 3betten, auch wenn Sie gelegentlich gegen eine Starke Hand laufen und es ohne Set schwer wird zu gewinnen.

Wenn Sie mit 77 gegen eine weite Range 3betten, ist es fast immer ein Bluff, da Ihr Gegner nicht mit schlechteren Händen callen wird. Sie sollten also sicherstellen, gegen diesen Gegner genug Foldequity zu haben.

Sie sehen also, je tighter die Range des Gegners, desto eher können Sie mit Pockets callen. Je looser die Range, desto eher müssen Sie ihre Pockets folden oder 3betten, da ein Call nicht +EV ist. Gegen eine tighte Range zu 3betten ist nicht immer die beste Idee, da Ihr Setvalue gegen eine tighte Range steigt und Sie schlechtere Hände aus dem Pot vertreiben. All diese Gründe sprechen für einen Call gegen einen tighten Spieler.

Gegen eine loose Range sieht es anders aus, da man hier nicht profitabel callen kann. Ob Sie nun gegen die loose Range 3betten hängt von Ihrer Hand und der Callfreudigkeit des Gegners ab. Mit kleinen Pockets können Sie problemlos 3betten, wenn der Gegner viel foldet. Sollte er oft 3Bets callen, müssen Sie nicht in die Hand einsteigen.

Mit mittleren Paaren kann man profitabel callen und Sie können auch über eine 3Bet oop nachdenken, da oop ein Call –EV wäre und Ihre Hand oft zu gut zum Folden ist. Wenn Sie denken, dass Ihr Gegner auch mit einer schlechteren Hand Ihre 3Bett callt, können Sie mit Valueraises anfangen .

Eine generelle Richtlinie lautet: Call gegen einen Spieler aus früher Position und Fold/3Bet gegen einen Spieler aus später Position.

Spiel auf Setvalue

Wann können wir also callen? Wenn Sie nur auf Setvalue spielen und das Pairvalue außen vor lassen, können Sie prinzipiell mit 22-66 (manchmal mit 77) callen, brauchen aber auch Implied Odds, um den Call profitabel zu machen. Oftmals treffen Sie nicht und müssen am Turn folden, der Pot wird durchgecheckt oder Ihr Gegner contibettet den Turn anstelle des Flops. Es gilt: Ohne Set gewinnt man selten.

Bisher hatten Sie die Optionen Fold, Call oder 3Bet. Ein Call ist gegen tighte Ranges zu empfehlen, die Frage ist, ob man gegen einen tighten Spieler immer callen sollte? Die Antwort ist NEIN. Auf einige Dinge wie die effektiven Stackgrößen und die Kosten des Calls müssen Sie achten.

Wir floppen ein Set zu 11,76% und gewinnen dann die Hand zu ungefähr 85%. Somit gewinnen wir mit einem gefloppten Set zu 10% (11,76%*85%). Die folgende Gleichung gibt unseren EV in solchen Call-Situationen an.

EV = (0.10 * (momentaner Pot + X)) – (0.90 * Kosten für den Call)

wobei X = Implied Odds.

Ein Beispiel: Wir erhalten 88 im Big Blind und ein 16/14-Spieler raist UTG auf 4 BB, sämtliche nachfolgenden Spieler folden. Folden und 3betten sind gegen eine tighte Range inkorrekt, somit ist Call die beste Option. Auf der anderen Seite ist ein Call nur korrekt, wenn wir genug Implied Odds postflop bekommen. Anders ausgedrückt, wir müssen genug gewinnen, wenn wir unser Set treffen.

In dieser Situation sieht die Gleichung so aus:

EV = (0.10 * (5.5 BB + X)) – (0.90 * 3 BB)

Wie viel müssen wir postflop gewinnen, um breakeven zu spielen? Wir setzen den EV gleich 0 und lösen nach X auf:

0 = (0.10 * (5.5 BB + X)) – (0.90 * 3 BB)

0 = (0.10 * (5.5 BB + X)) – 2.7 BB

0 = 0.55 BB + 0.10X – 2.7 BB

-0.10 X = -2.15 BB

X = -2.15 BB / -0.10

X = 21.5 BB

Wir sehen also, dass unsere Implied Odds mindestens21,5 BB sein müssen. Diese Zahl stellt den zu erreichenden Durchschnittsgewinn dar. Manchmal trifft man ein Set und bekommt kein Geld, manchmal holt man sich mit einem Set den gesamten Stack des Gegners.

Stellen wir uns eine Situation vor, in der wir ein Set treffen und wiederholen die Hand 5 Mal. 2x gewinnen wir 10 BB postflop, 1x gewinnen wir nichts, 1x gewinnen wir 25 BB und 1x gewinnen wir 100 BB. Der Durchschnitt beträgt (10 + 10 + 0 + 25 + 100)/5 = 29 BB und nachdem wir im Schnitt nur 21,5 BB benötigen, haben wir mit unserem Paar profitabel gecallt. Angenommen wir spielen nun gegen einen besseren Gegner, der nicht so leichtfertig seine Chips in die Mitte schiebt. Wieder floppen wir ein Set und wiederholen die Hand 5 Mal. 1x gewinnen wir nichts, 2x gewinnen wir 10 BB, 1x gewinnen wir 25 BB und einmal gewinnen wir 50 BB. Der Durchschnitt beträgt 19 BB und gegen diesen Spieler hat der Call keinen positiven Erwartungswert.

Grundsätzlich kann man sagen: Man kann auf Setvalue callen, falls man mit dem Set das neunfache der Callkosten gewinnt, abzüglich des Geldbetrages, welcher preflop im Pot ist. In dieser Situation müssen wir 3 BB callen, um den Flop zu sehen. 3 x 9 = 27 BB. Es sind bereits 0.5 + 1 + 4 = 5,5 BB im Pot, somit müssen wir 27 – 5,5 = 21,5 BB gewinnen.

Ein letztes Beispiel: wir müssen am Button 5 BB mit unserem Pocket callen und gehen davon aus, dass die Blinds gegen den UTG-Raise folden werden. Der Pot beträgt nun 0,5 + 1 + 5 = 6,5 BB. Somit müssen wir postflop 9 x 5 = 45, minus dem Betrag, der bereits im Pot ist gewinnen. 45BB – 6.5 BB = 38,5 BB. Ob Sie diesen Betrag im Schnitt gewinnen können, müssen Sie aufgrund der effektiven Stacks und der Callfreudigkeit des Gegners entscheiden.

Dieser Artikel war nun sehr ausführlich, ich bin aber sicher, dass Sie das eine oder andere über Pocket Paare lernen konnten. Hoffentlich hat Ihnen der Artikel gefallen.

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