Jared Tendler über das Mental Game of Poker Teil 2
März 08, 2012, Kristy Arnett

Jared Tendler ist der Autor von The Mental Game of Poker und hat bereits über 200 Spieler aus der ganzen Welt gecoacht. Mit seinem abgeschlossenen Psychologiestudium und seiner jahrelangen Erfahrung ist Tendler zu einem der beliebtesten Mental-Trainer in der Szene geworden.
Für die aktuelle Ausgabe von Strategy with Kristy, präsentiert von South Point, spricht Tendler im zweiten Teil des Interviews über den richtigen Weg das eigene mentale Spiel zu verbessern und die Wichtigkeit von stabilem Selbstvertrauen.
Hier ein Ausschnitt aus dem Interview:
Prsönlich fühle ich, dass mein Selbstvertrauen sehr stark schwankt. Manchmal fühle ich mich unbesiegbar, ein anderes Mal völlig verunsichert. Kannst du uns ein wenig über Selbstvertrauen und den gesunden Mittelweg erzählen?
Selbstvertrauen ist enorm wichtig. Das wichtigste daran ist, dass man anstreben sollte, diese auf einem konstant hohen Level ohne Schwankungen nach unten oder oben zu halten. Wenn man sich unbesiegbar fühlt, täuscht das ebenso, wie wenn man sich völlig verunsichert fühlt. Beides ist in diesem Moment eine falsche Annahme.
Wenn man sich unbesiegbar fühlt, glauben einige Spieler, sie können alle Iveys und durrrrs dieser Welt mit links schlagen, was aber nicht stimmt. Das ist eine Illusion, fühlt sich aber real an. Lasst man sich von dieser Emotion täuschen, kann das eine verheerende Wirkung auf das eigene Spiel haben. Beim genauen Gegenteil ist das aber genauso. Wenn ein geübter Spieler, der sich als Winning Player bewährt hat, plötzlich völlig verunsichert fühlt, ist das ebenso eine Täuschung. Was man versuchen sollte ist, den goldenen Mittelweg zu finden. Das heißt aber nicht alle Emotionen auszublenden.
Das ist der Schlüssel, den wie ich schon vergangene Woche angesprochen habe, Emotion selbst ist nicht das Problem. Roboterhafte Gefühlsneutralität ist nicht, wonach wir suchen! Wir suchen nach dem Selbstvertrauen, um alle Dinge, die um einen herum passieren und die man beeinflussen kann, zu kontrollieren.
Im Poker kann man nämlich nicht alles kontrollieren und auf kurze Zeit kann man durch die Varianz auch ohne Skills oder Emotionskontrolle hohe Gewinne einfahren. Wenn man seine Emotionen an die Varianz koppelt, lässt man sich auf eine Achterbahnfahrt ein, mit der auch das eigene Selbstvertrauen rauf und runter geht.
Es muss aber viel mehr von den eigenen Fähigkeiten abhängen. Konzentriere dich auf die Auswertung deines eigenen Spiels und nicht darauf, ob du gewonnen oder verloren hast. Du musst dazu in der Lage sein, unabhängig vom Resultat zu beurteilen können, wann du gut und wann du schlecht gespielt hast. Das gilt besonders für Fehler und schwierige Spots in denen du gute Entscheidungen getroffen hast. Wenn dir das gelingt, ist der eigene Lerneffekt viel größer, als wenn du nur auf das Plus oder Minus deiner Bankroll schaust.
Das ist ganz wichtig, wenn man seine emotionale Lage stabilisieren will. An Tagen, an denen du fünf oder sechs Buyins down bist, du aber feststellst, dass du keinen einzigen deiner B- oder C-Game-Fehler gemacht hast, kannst du trotzdem erhobenen Hauptes von den Tischen aufstehen. Denn dann hast du all den schwierigen Spots, den Beats und den komplizierten Händen die Stirn geboten und das Maximum herausgeholt. Das sorgt auf lange Sicht für eine viel bessere Stabilisierung des eigenen Selbstvertrauens.
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