Adam Junglen ist ein erfahrener 22 Jahre alter Live und Online Turnier Pro. Obwohl es scheint, als wäre es gewagt, einen 22 Jahre alten Spieler als erfahrenen Pro zu bezeichnen, ist dies in der Pokerwelt durchaus möglich. Im Alter von 19 Jahren gewann Junglen die Sunday Million bei PokerStars (Preisgeld $198.000). Mit 20 Jahren belegte er beim EPT Bracelona Open Main Event den 6. Platz wofür er ein Preisgeld von $268.000 erhielt. Seit dieser Zeit bestreitet er seinen Lebensunterhalt überwiegend durch Online Poker, wobei er meistens von seiner Heimatstadt Ohio aus spielt.
Wie die meisten nicht in Las Vegas ansässigen Pros, reiste Junglen in diesem Sommer noch Vegas zur WSOP und konnte zwei Preisgelder gewinnen. Er nahm sich die Zeit und sprach mit PokerNews über einige interessante Hände, welche er beim $10.000 Main Event gespielt hatte.
Hand #1
Blinds: 50-100
Junglen’s Stack: 27.000
Stack des Gegners (Keith Lehr): 30.000
Konzepte:
• Overplaying von hohen Paaren zu Beginn des Main Events
• Die Stärke der Hand Preflop verbergen
Preflop Action: Junglen hatte A-A auf der Hand und eröffnete vom Cutoff mit 300. Lehr re-raiste vom Small Blind auf 1.075. Junglen machte einen 4-Bet auf 2.850 und Lehr antwortete mit einem 5-Bet auf 7.850. Junglen callte.
Sehr interessant, weil meine 4-Bet Range in dieser Situation relativ eingeschränkt ist. Nachdem Lehr einen 5-Bet machte und ich nur callte, war doch eigentlich klar, was ich auf der Hand hatte, da ich keine andere Hand auf diese Art und Weise spielen würde. Ich denke, er wusste es nicht und die meisten anderen Spieler an unserem Tisch wussten es ebenfalls nicht, doch nun weiß es jeder, welcher diesen Artikel liest [lacht]. Das ist aber egal, weil es sich hier um eine sehr spezielle Situation beim WSOP Main Event handelte. Als er um 5.000 erhöhte, war mir vollkommen klar, was er auf der Hand hatte – Aces oder Kings.
Postflop Action: Der Flop kam mit A-K-6, beide Spieler checkten. Der Turn präsentierte sich mit einer 7. Lehr checkte und Junglen setzte 6.000. Danach ging Lehr All-In und Junglen callte. Lehr zeigte Pocket Kings für ein Set und Junglen deckte Pocket Aces für das höhere Set auf.
Ein echter Cooler für Lehr. Er hatte die Hand Preflop falsch gespielt. Verstehen Sie mich nicht falsch, es gehört eine Menge Pech dazu im Level 1 des Main Events mit zwei Kings in zwei Aces zu rennen, und dann auch noch mit einem Set over Set gestraft zu werden. Wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre, hätte ich einen 3-Bet gemacht und den 4-Bet nur gecallt. Ich hätte vielleicht Postflop mit Set over Set ebenfalls alle meine Chips verloren, aber seinen Annahme, dass ich mit einer Karte wie z.B. A-K einen Raise von 5.000 callen könnte, war doch ein wenig optimistisch.
Da Du nach seinem 5-Bet Preflop ja schon wusstest, was er auf der Hand hat, warum hast Du nicht versucht, ihn Preflop All-In zu bekommen?
Ich habe ihn gecallt, weil ich in ihm Zweifel wecken wollte, damit er eventuell annimmt, ich hätte Pocket Queens. Ich habe ihn später gefragt, ob er ein Preflop All-In gecallt hätte oder nicht, er hatte mir mitgeteilt, dass er ein All-In nicht gecallt hätte. Ich kann aber nicht sagen, ob ich ihm wirklich glaube. Wenn ich eine Erhöhung von 5.000 calle und noch 18.000 vor mir liegen habe, bin ich Pot-Committed und wir können unsere Chips bei den meisten Boards in die Tischmitte schieben, außer vielleicht bei einem Ace-High Board ohne den King.
Wie hättest Du in der frühen Phase des Main Events eine Hand wie z.B. Pocket Queens gespielt?
Ich hätte seinen 3-Bet nur gecallt und dann das Spiel Postflop gemacht. Eigentlich hätte ich seinen 3-Bet mit Händen wie z.B. Q-Q, Kings oder A-K nur gecallt weil ich Postflop Position habe und es sich um Level 1 des Main Events handelt. Einen 4-Bet machen und einen 5-Bet callen, würde ich in dieser Situation nur mit A-A. Mein Gegner war der Meinung, ich hätte mit A-K gecallt, dies war aber nicht der Fall. Das Main Event ist zu lang und zu verlockend, dass es unsinnig wäre mit A-K weitere 5.000 zu zahlen, es hätte genügt einen 4-Bet zu machen.
Was ist dein genereller Ratschlag. Wie sollte man hohe Paare in einem Turnier wie dem Main Event spielen, wo die Spieler über hohe Start-Stacks verfügen und wo es eine Menge schwache Spieler gibt?
Einer der größten Vorteile beim Main Event sind die 2-Stunden Level. Ein Beispiel: Wir verfügen über den Start-Stack, die Blinds sind 150-300, ein Spieler limpt und eine anderer Spieler macht einen ISO-Bet auf 1.200, in diesem Fall würde ich mit einer Hand wie J-J oder Q-Q nur callen. Ich würde auf keinen Fall re-raisen. Ich spiele die hohen und mittleren Paare sehr vorsichtig, da ich Postflop im Vorteil bin und man bei diesem Turnier über einen hohen Start-Stack verfügt. Mit einem Paar kommt man normalerweise nicht so weit.
Ist das Overplaying von hohen Paaren ein schwerer Fehler, welcher von vielen Spielern beim Main Event gemacht wird?
Es gibt immer einige Spieler, welche hohe Paare Preflop overplayen. Ich habe in den Updates gelesen, dass einige Spieler mit A-A im ersten Level gegen ein Set bei einem 7-5-3 Flop ausgeschieden sind. Die Spieler sollten es besser wissen, es gibt immer weniger Spieler welche so ausscheiden, aber es gibt halt immer noch einige, welche sich nicht daran halten.
Im zweiten Teil wird Junglen eine weitere Hand analysieren, welche er bei der 2010 WSOP gespielt hatte. Außerdem wird er darüber berichten, wie man Druck auf Short-Stacks ausübt.
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