Jeder weiß, dass man den Gegner auf eine Hand setzen muss. Erstaunlich ist, dass auch viele schlechte Spieler diese Fähigkeiten besitzen. Leider können diese Fähigkeit aber nicht korrekt umsetzen. Sie kennen zwar die korrekte Spielweise, führen diese aber nicht aus.
Beispiel:1
Wir haben den ganzen Abend sehr tight gespielt und nur Premiumhände am Showdown gezeigt.
Wir bekommen A A. Ein Spieler vor uns erhöht, wir reraisen und der Big Blind geht mit. Am Flop erscheint 9-6-2. BigBlind checkt, der Gegner bettet, wir schützen unser Blatt und raisen, der BigBlind foldet. Der Gegner spielt nun check/call bis zum Ende und zeigt A-9 suited. Macht es nicht einfach Spaß, wenn der Gegner nur 2 Outs hat?
Nach dem Showdown sagt der Gegner „ich wusste, dass Du entweder AA oder KK hast". Sicherlich habt Ihr alle schon einmal etwas Ähnliches gehört, wenn Ihr die beste Hand am Showdown zeigt. „Ich wusste Du hast den Flush... Ich wusste Du hast den Drilling... Ich wusste Du hast die Straße". Ist es nicht erstaunlich, dass die Gegner uns manchmal auf eine genaue Hand setzen können und dennoch nichts dagegen unternehmen? Obwohl sie anscheinend wissen, dass wir die stärkere Hand halten, wenden sie diese Informationen nicht an.
Beispiel 2:
Wir halten K K und raisen preflop. Mit Overpairs spielen wir bis zum Showdown jede Hand an. Der Gegner floppt Middlepair sowie einen Backdoorflush und bekommt ihn auf dem River. Unsere Bet am River wird nur gecallt. Nachdem wir unsere Karten umdrehen meint der Gegner: „ich dachte schon, dass du wahrscheinlich AA-QQ hast".
Wenn uns der Gegner so perfekt liest, warum raist er dann nicht?
Beim Lesen der Gegner werden oft mehrere Fehler gemacht. Viele Spieler handeln genau entgegengesetzt dem Read, den sie auf den Gegner haben. Wenn man 7 8 auf der Hand hält und der Flop A-8-5 zeigt, foldet man nach einem Raise und einen Call. Manchmal foldet man auch die beste Hand, weil vor einem zwei mal erhöht wurde. Das ist aber keine schlechte Spielweise. Gelegentlich muss man die beste Hand niederlegen, weil die Einsätze der Gegner vermuten lassen, dass die eigenen Karten nicht die besten sind.
Die folgenden Fehler treten auf, wenn man zwar eine gute Hand hält, aber eben nicht die beste. In diesen Situationen finden einige Gegner dennoch Gründe oder Rechtfertigungen, um zu callen.
#1 Man will beweisen, dass man Recht hat
Spieler 1 hält A-10 und raist preflop nachdem vor ihm noch niemand in die Hand eingestiegen ist. Vom BigBlind 3-bettet ein sehr tighter Spieler 2. Spieler 1 callt preflop und raist den Flop (A-7-2). Der Gegner 3-bettet. Was kann Spieler 2 haben? Die meisten würden sagen entweder ein besseres Ass oder ein Set. Spieler 1 hat nur 3 Outs und nicht genügend Pot Odds um mitzugehen. Somit sollte er die Hand ablegen.
Viele Spieler werden hier aber bis zum Showdown alles callen, obwohl sie wissen, dass sie hinten sein müssen. Spieler 1 callt hier nur, weil er wissen will, ob er den Gegner richtig gelesen hat. Warum setzt er den Gegner auf ein besseres Ass und foldet nicht, sondern will herausfinden was der Gegner hat?
#2 Plötzliche Meinungsänderung
Hier handelt es sich um eine Falle, die man sich abtrainieren muss.
Angenommen wir haben A-9 und auf dem Flop liegt A-J-8. Ein solider Spieler bettet und wir callen. Wir sind uns nicht sicher, was der Gegner halten könnte, wir vermuten aber, dass wir hinten sind. Wenn der Gegner aber den Turn checkt, könnten wir auch gut vorne sein.
Auf dem Turn kommt eine 7 und der Gegner spielt wieder an. Normalerweise würden wir die Hand jetzt ablegen, wir haben jetzt aber weitere 4 Outs mit einem Straightdraw. Wenn am River 9 oder 10 kommt, gewinnen wir die Hand. Wir callen.
Der River bringt eine 4 und der Gegner bettet an. Wir wissen, dass wir geschlagen sind, doch dann ändern wir unsere Meinung bzgl. der Hand des Gegner. Vielleicht spielt der Gegner die ganze Zeit nur mit K J? oder vielleicht hat er auch KK und hofft, dass wir kein Ass haben?
Plötzlich fangen wir an den Gegner auf Hände zu setzen, die wir schlagen könnten. Ferner reden wir uns auch ein, dass der Gegner genau diese Hände hält.
Wenn ein solider Spieler jede Straße anspielt, können wir nur gegen ein kleineres Ass gewinnen. In diesen Situationen ist der erste Instinkt meist richtig. Wir sollten uns keine Hände für den Gegner ausmalen und uns dann einreden, er könnte diese Hände halten
#3: Zeige die Verliererhand:
Wir halten AK und der Flop zeigt A-K-T. Wir betten an und 2 weitere Spieler callen. Am Turn kommt ein J. Wir betten wieder, hinter uns wird aber zweimal erhöht. Hier ist es klar, dass mindestens einer der Gegner eine Q hält und wir nicht genügend Potodds für ein Fullhousedraw haben. Wir folden. Einige Spezialisten zahlen aber jeden Preis um zum Showdown gehen zu können. Sie wollen die Karten am River umdrehen und Mitleid vom Tisch bekommen: „Da floppe ich schon zwei Pärchen und dann macht der Gegner noch die Straße". Wie kann man da Mitleid haben? Diese Spieler zahlen den Turn und den River, obwohl sie wissen, dass sie verlieren werden.
Noch ein Beispiel:
X hält AA und Y hält 44. Auf dem Flop liegt 4-3-3 und beider Spieler cappen den Flop. Am Turn kommt eine weitere 3. X bettet und Y erhöht. X entscheidet sich nun die Handbremse zu ziehen und nur mitzugehen. Der River bringt die vierte 3. X spielt wieder an (er hält die Nuts) und Y callt. Y gewinnt hier nur, wenn der Gegner 2-2 hält und er macht einen Splitpot, wenn X 2-4 auf der Hand hat. Wie kann Y in dieser Situation callen? Die Chancen den Pot zu gewinnen sind so wahrscheinlich wie ein Lottogewinn. Die einzige Grund, warum Y callt ist, dem Tisch zu zeigen, dass er mit einem gefloppten Fullhouse verliert.
Denkt immer daran – lernt aus euren Fehlern, Analysiert euer Spiel kontinuierlich und passt es aufgrund der Ergebnisse entsprechend an. Nur so könnt Ihr sicherstellen, dass euer Spiel langfristig gewinnbringend ist.

















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