Juni 01, 2010, Kristy Arnett

Im ersten Teil demonstrierte Ryan D'Angelo das Konzept der offenen Hand-Range an einer Hand, welche er beim NAPT Mohegan Sun Main Event gespielt hatte. Im Teil 2 spricht er über eine andere Hand, welche er im gleichen Event gespielt hatte und an welcher er ebenfalls das Konzept dieser Woche erläutert.
Hand #2
Gegner: Jacobo Fernandez
Blinds: 1.000-2.000 mit 200 Ante
Wann hast Du diese Hand gespielt, war es lange nach Hand #2?
Ich würde sagen 4 oder 5 Orbits, also ca. 45 Minuten später. Ich hatte eine Menge Pötte geraist, meinen aggressiven Stil gespielt und ein wenig mit dem Spieler zu meiner Linken (Jacobo) gebattelt. Ich habe einige Hände gewonnen, bin aber nicht von meiner Linie abgewichen, wobei meine Gegner keine Ahnung hatten ob ich bluffte oder nicht, da ich fast kein Karten gezeigt habe.
Wie war deine Historie mit diesen Gegnern?
Ich spielte einige Pötte mit Jacobo, bei welchen ich raiste und er mich ohne zu zögern flat-callte und ich vor kein Problem damit hatte, die Hand später aufzugeben. Er machte einen Conti-Bet und ich gab meine Hand auf. Wenn man gegen solche Spieler aus einer Hand aussteigt, gehen diese Spieler davon aus, dass man über kurz oder lang einen Move machen wird, deshalb war die nächste Hand für mein Vorhaben perfekt.
Spieler wie er sind immer argwöhnisch und geben einem keinen Respekt, auch wenn man eine starke Hand repräsentiert.
Hand: Jacobo Fernandez eröffnete UTG mit 5.600 und D'Angelo callte vom Big Blind mit 
.
Was hast Du gedacht, als Du in deine Hole Cards geschaut hast und es waren Aces?
Ich erinnere mich daran, dass zu mir gefoldet wurde und dachte mir wie verrückt es jetzt wäre, wenn ich Aces auf der Hand hätte – und ich hatte Aces auf der Hand. Es war eine besondere Situation. Wenn er UTG raiste und jeder andere Spieler foldete zum Big Blind, verringerte sich meine Range von 25% der Hände auf 3% der Hände.
Da er 170.000 vor sich liegen hatte, die Blinds 1.000-2.000 hoch waren und ich ihn coverte, wollte ich natürlich den Pot größer machen. Ich war aber der Meinung, dass ich nicht viele Chips von ihm bekommen würde, wenn er eine marginale Hand hält, es sei denn, ich würde Post-Flop etwas ganz verrücktes tun. Deshalb plante ich Preflop nur zu callen und auf dem Flop (unabhängig von der Struktur) einen Check-Raise zu machen und meine Aces so zu spielen, als hätte ich das Bottom Set getroffen. Ich callte also die zusätzlichen 3.200 und warf meine Chips in die Mitte, als würde ich mit 9-10 offsuit callen.
Hand: Der Flop kam mit 

. D’Angelo checkte und Fernandez setzte 11.000. D’Angelo reraiste auf 28.500 und Fernandez callte.
Wie hast Du die Höhe deines Bets bestimmt?
An diesem Punkt ist es sehr wichtig sich einen Moment Zeit zu nehmen und in Gedanken die Hand bis zum Ende durchzuplanen, da ich nicht auf dem Turn setzen wollte und mein Gegenspieler damit im Vergleich zum Pot nur noch einen halben Pot vor sich liegen hätte. Das wäre schlecht für die gesamte Hand, deshalb setzte ich 28.500, er hatte somit noch 140.000 vor sich liegen und im Pot lagen 65.000.
Hand: Der Turn brachte die
. Auf dem Board lagen nun 


. D’Angelo setzte 38.500. Fernandez ging mit 140.000 All-In. D’Angelo callte zeigte 
. Fernandez zeigte 
. Auf dem River kam die
, D’Angelo gewann den Pot, wodurch er nun 475.000 Chips vor sich liegen hatte.
Dies war eine hervorragende Turn-Karte. Ich musste mich ein wenig vor Queens und Jacks in Acht nehmen, da er auf dem Flop aber nur einen kleinen Reraise gemacht hatte, konnte ich mich entspannen. Er ging mit 
All-In und ich lag bei einem Pot vorne, welcher meiner Meinung der höchste Pot war, welcher bisher in diesem Turnier gespielt worden war.
Hätte er Fold-Equity gehabt, falls er All-In gegangen wäre?
Klar, natürlich. Wenn ich auf dem Turn einen 38.000 Value Bet mache, werde ich bei einem All-In sehr wahrscheinlich nicht folden. Aber ich könnte auch einen Draw haben, welchen er schlagen kann, wie z.B. 
, wobei ich damit auf dem Flop sehr wahrscheinlich nur einen Check-Call zu diesem Zeitpunkt gemacht hätte, da dies eine hervorragende Möglichkeit gewesen wäre 2 Bets bei einem Flop wie diesem zu bekommen, aber es wusste dies ja nicht. Ich hätte keinen Check-Raise gemacht, um 3 Bets zu bekommen. Oder ich hätte die Hand übernehmen können, wobei viele Spieler diese Taktik viel zu selten nutzen, im speziellen bei Live Turnieren. Wenn man in einer Hand mit Bottom Pair bei einem 3-Way raised Pot auf einem Flush Draw Board die Initiative übernimmt, wird man meistens nicht von einem Overpair geraist und kann einen Flush repräsentieren, falls er kommen sollte. Eine Menge Spieler snap-folden einfach viel zu oft.
Um auf unseren Topic der Woche im Bezug auf die Sache mit der offenen Range zurückzukommen – kannst Du zusammenfassen was es bedeutet und im speziellen, was Du preflop dafür getan hast?
Grundsätzlich muss man immer versuchen die Gegner solange wie möglich im unklaren zu lassen. Wenn man mit seiner Range immer an bestimmten Punkten das gleiche macht, wird man vorhersehbar und gute Spieler werden sich sehr schnell darauf einstellen. Dieses Konzept funktioniert besser gegen Spieler, gegen welche man immer sehr offensichtlich gespielt hatte, da die Muster während eines Live Turniers oft nicht ausreichen, um aussagekräftig angewendet zu werden. Ein gute Beispiel dafür ist die 3-Bet Range.
Sie sollten nicht bei allen ihren guten Händen einen 3-Bet machen, da es dann für ihre Gegner sehr einfach wird gegen Sie zu spielen. Wenn ich 10-10 in mittlerer Position raise und Sie nicht immer wieder gereraist werden möchten, sollten Sie vom Small Blind einen 3-Bet machen, dann kann ich immer noch wegwerfen. Wenn ich sehe, dass meine Gegner sehr aktiv spielen und zeigt, dass er 3-Bets mit marginalen Händen macht, ist es wahrscheinlicher, dass Sie von ihm Action bekommen werden, wenn Sie eine gute Hand bekommen sollten.
Wenn Sie mit mittelstarken Händen wie z.B. 7-7 oder A-J 3-Bets machen, werden Sie des öfteren die zu diesem Zeitpunkt beste Hand folden müssen, wenn Sie mit einem 4.Bet konfrontiert werden. Wenn Sie mit 10-5 suited einen 3-Bet machen, haben Sie kein Problem damit die Hand aufzugeben, wenn Sie gereraist werden. Es ist sehr gefährlich, wenn es ihren Gegnern gelingt Sie auf eine bestimmte, sehr eingeschränkte Handrange zu setzen. Es ist dann so, als wären ihre Karten offen und ihre Gegner könnten dann immer die perfekten Entscheidungen treffen.
D’Angelo gewann bei diesem Event ein Preisgeld, er belegte Platz 42 ($11.500).
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