
Spielen für Set-Value. Was genau bedeutet das? Viele von uns wissen bestimmt, was es bedeutet, für alle anderen hier eine kurze Erklärung. Spielen für Set-Value bedeutet, dass man ein Pocket-Pair spielt mit der Annahme, dass man auf dem Flop ein Set trifft. Wenn man kein Set trifft, gibt man in 95% der Fälle die Hand auf. In diesem Artikel werden wir uns über Situationen unterhalten in welchen Sie mit einem niedrigen Pocket-Pair limpen und mit einem Raise konfrontiert werden. Wir sprechen über Situationen, bei welchen Sie ihren Gegner auf eine wirklich gute Hand setzen und Sie ihre Hand verbessern müssen indem Sie ein Set treffen um diese Hand gewinnen zu können. Oft müssen Sie in dieser Situation einen Raise oder Re-Raise callen, um den Flop zu sehen. In diesen Situationen müssen Sie sich halt die Frage stellen, ob ein Preflop Call noch Profitabel ist oder auch nicht.
Die 5/10 Regel
Die 5/10 Regel besagt, dass man einen Raise mit einem Pocket Pair callen kann, wenn der Raise nicht höher als 5% des eigenen Stacks beträgt und dass die Hand gefoldet werden muss, wenn der Raise höher ist als 10% des effektiven Stacks beträgt. Wenn der Raise irgendwo zwischen diesen beiden Werten liegt, liegt dies im Rahmen des eigenen Ermessens. Der effektive Stack bezeichnet die Summe, welche man letztendlich insgesamt in den Pot zahlen könnte. Wenn Spieler A einen Stack von $50 hat und Spieler B hat einen Stack von $30, kann keiner der Spieler mehr als $30 gewinnen. Die 5/10 Regel bezieht sich auf die Implied Odds. Wenn ihr Gegner ein Short-Stack ist oder er mehr als 10% ihres Stacks preflop raist, kann ihr Preflop-Call nicht mehr profitabel werden. Wenn andererseits beide Parteien hohe Stacks vor sich liegen haben, können Sie immer mit dem Ziel callen zu versuchen den gesamten Stack ihres Gegners zu gewinnen.
Ich persönlich bin kein großer Fan der 5/10 Regel, da ich der Meinung bin, dass eine Call/Fold Entscheidung auf mehr Faktoren basieren sollte, als nur der Betrachtung des effektiven Stacks. Einige Spieler sind der Meinung, dass die 5/10 Regel heute nicht mehr so aktuell ist, da die Spiele an sich viel aggressiver geworden sind. Es ist alles etwas schwieriger geworden, da viele Spieler dazu tendieren mit marginalen Händen zu raisen. Diese Vorgehensweise ist definitiv korrekt, da sich die 5/10 Regel aber nur auf den Stack Size bezieht, ist dieses ein starkes Argument die 5/10 Regel nicht anzuwenden.
Vorab einige Odds
Bevor wir uns mit den einzelnen Faktoren beschäftigen, müssen wir zuerst einige Odds berechnen.
Die Chance kein Set zu floppen ist (48/50) x (47/49) x (46/48) = 0,8825 oder 88,25 %. Deshalb ist im Umkehrschluss die Chance ein Set zu floppen 1 – 0,8825 = 0,1175 oder 11,75 %. Reicht dies für eine Analyse aus? Nein! Denn auch wenn wir ein Set floppen, besteht ja noch eine Chance, dass die Hand trotzdem nicht gewonnen wird. Denken Sie an Flushes und Straights, welche ihr Gegenspieler unter Umständen treffen könnte. Im Durchschnitt sind Sie immer noch 88% Favorit, wenn Sie auf dem Flop ein Set treffen.
Wie groß ist also die Chance ein Set zu floppen und die Hand dann zu gewinnen? Die Chance ist 0,1175 x 0,88 = 0,1034 oder 10,34 %. Gehen wir also einfach davon aus, dass 10% ein guter durchschnittlicher angenommener Wert für Hände ist, welche wir gewinnen, wenn wir für Setvalue spielen.
Einige Spieler berücksichtigen oft die 82% zu 18% Relation, welche im Bezug auf ein Overpair und ein Underpair angewendet wird. Ein Beispiel: mit 
gegen 
, haben Sie noch eine 18% Chance diese Hand zu gewinnen. Diese 18% Wahrscheinlichkeit gilt bei einem Pre-Flop All-In, bei Cash-Games werden Sie selten die Chance haben den Turn oder den River zu sehen, wenn Sie auf dem Flop nicht bereits ein Set getroffen haben. Deshalb sind die die 18% in dieser Situation etwas zu hoch.
Zusätzlich könnte man ja noch anführen, dass man in 5% der Fälle auch wenn man kein Set floppt. die Hand trotzdem noch gewinnen kann, da man ja auch unter umständen einen Open Ended Straight Draw oder etwas Ähnliches floppen kann. Dadurch würde die Gewinnchance von 10% sich etwas erhöhen. Wir können uns natürlich nun die Analyse selbst unnötig schwer machen, indem wir alle möglichen und unmöglichen Szenarios auf dem Flop durchkalkulieren. Eigentlich wollen wir ja über Set Value reden und indem wir 10% als Gewinnchance annehmen, haben wir einen Prozentsatz gewählt, welcher langfristig realistisch ist.
Die wichtigen Faktoren analysieren
Die Handauswahl ihrer Gegner
Anfangs können wir einige grundsätzliche Dinge durch logisches Denken abklären. Wenn mein Gegenspieler raist oder re-raist, kann man ihn ja auf eine bestimmte Handauswahl setzen. Je tighter seine Handauswahl ist, umso ehr sollte man versuchen auf Setvalue zu spielen. Warum? Nehmen wir mal an, wir haben 
auf der Hand und spielen gegen 2 Gegner. Gegner 1 spielt extrem tight. Wenn er raist, kann man sicher sein, dass er mindestens JJ (oder besser) auf der Hand hat. Er raist nicht mit AK, da er der Meinung ist:” Zuerst etwas treffen, dann setzen”. Der andere Gegner spielt anders. Er spielt “lose” und raist preflop mit jedem Paar, suited Aces, suited Connectors u.s.w
Gehen wir mal davon aus, dass jeder Spieler in dieser Hand über 100BB verfügt. Gegner 1 raist. Call oder Fold? Anfänger werden nun in dieser Situation oft denken “ich folde am besten, er ist sowieso besser als ich”. Wenn man wenige oder keine Implied Odds hat (z.B. kurz vor dem Ende eines Turniers), wäre diese Entscheidung korrekt. Beim Cash-Game liegen oft > 100BB vor den einzelnen Spielern und deshalb wäre diese Entscheidung nicht unbedingt richtig. Man sollte callen und darauf hoffen, dass etwas in die Richtung 

auf dem Flop kommt, damit er seine 
nicht folden kann. Dann haben Sie die Chance seinen gesamten Stack zu gewinnen.
Einige Hände später raist der zweite Spieler und Sie haben erneut 
. Was tun Sie? In diesem Fall sollten Sie nicht nur für das Setvalue spielen, da Sie keine so hohen Implied Odds haben. Ich sage nicht, dass Sie folden sollen! Sie sollten halt nur darauf achten, dass auch dieser loose Spieler bei einem 

nicht mit 
All-In schieben wird.
Denken Sie also daran, dass je größer die Startrange ihres Gegners ist, es umso schwerer wird ihm seinen gesamten Stack abzunehmen. Jemand, welcher nur mit AA/KK raist ist leichter auszunehmen, als jemand, welcher mit jeder Hand raist, welche eine schöne Farbe hat.
Postflop Aggression und das Skill- Level ihres Gegenspielers
Dies ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Einige Gegenspieler werden praktisch nie C-Beten, wenn sie auf dem Flop nichts treffen, während andere Gegenspieler sogar noch auf der Turn und River setzen ohne etwas auf der Hand zu haben. Das Spielen für Setvalue wird interessanter je aggressiver die Gegenspieler sind.
Je aggressiver der Gegenspieler spielt, umso mehr Geld kann man Preflop in den Pot bringen. Sie können sich auf eine hübsche Summe freuen, wenn Sie ein Set gefloppt haben und gegen einen Gegenspieler spielen, welcher gerne blufft und dann auf dem Flop, Turn und River weiter setzt. Es ist aber richtig deprimierend, wenn man ein Set floppt und der Gegner bei einem 1/3 Pot Bet foldet.
Das Skill Level ihres Gegners spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Einige Spieler spielen so schlecht, dass Sie sogar mit QQ bei einem King-High Flop noch All-In gehen. Einige Spieler schaffen es nicht ihre AA Postflop zu folden, während andere Spieler ihre Aces auf dem Flop ohne Probleme wegwerfen können. Gute Gegner werden nach dem Flop nicht mehr soviel Action machen, was es schwierig macht den Pot aufzubauen.
Die Sache mit dem Einsätzen
Ich werde nun 3 Situationen beschreiben. Der einzige Unterschied besteht in einem Aspekt: Die Höhe in welcher ihr Gegner seinen 3-Bet macht. Gehen wir mal davon aus, dass Sie und ihr Gegenspieler jeweils 100BB vor sich liegen haben. Sie bekommen auf UTG+1
. UTG foldet und Sie re-raisen auf 4BB. Jeder foldet zum Button, welcher auf 8BB raist (Beispiel 1), 12BB (Beispiel 2) und 16BB (Beispiel 3). SB und BB folden und Sie müssen nun eine Entscheidung treffen. Ihr Gegenspieler hat bisher sehr tight gespielt und Sie setzten ihn auf ein Overpair.
Wenn Sie callen, ist dies langfristig betrachtet Profitabel? In 10% der Fälle werden Sie ein Set treffen und die Hand gewinnen. In den anderen 90% werden Sie auf dem Flop folden müssen. Wenn Sie kein Set treffen verlieren Sie also den Call-Betrag. Wenn Sie treffen, werden Sie den gesamten Pot (nicht zu vergessen SB + BB und event. Limper) und einen Betrag X gewinnen. Dieser Betrag X definiert ihre Implied Odds: was kann ich von meinem Gegenspieler bekommen, wenn ich ein Set treffe? Wir wissen ja, dass das X nicht höher sein kann, als der Betrag, welchen ihr Gegenspieler nach dem Re-Raise vor sich liegen hat. Nachfolgend kalkulieren wir den EV für unsere 3 Beispiele:
EV = (die Chance ein Set zu treffen und zu gewinnen)(aktueller Pot+X) + (die Chance zu verlieren)(die Kosten des Calls).
Beispiel 1
EV = (0,10)(13,5BB + X) + (0,90)(-4BB)
Beispiel 2
EV = (0,10)(17,5BB + X) + (0,90)(-8BB)
Beispiel 3
EV = (0,10)(21,5BB + X) + (0,90)(-12BB)
Schauen wir uns sie Berechnungen mal in Form eines Diagramms an:
Als erstes eine wichtige Anmerkung: Alle Linien des Schaubildes enden bei einem bestimmten X. Linie 1 ist länger als Linie 2, welche wiederum länger als Linie 3 ist. X wird geringer, je mehr der Gegenspieler Preflop raist. Je mehr er Preflop raist, umso kleiner ist sein Stack nach dem Flop, wodurch der Wert von X sich verringert.
In Beispiel 1 erkennen Sie, dass Sie bereits Break Even (EV=0) sind, wenn X=22,5 BB ist. Dies ist definitiv annehmbar. Im Beispiel 2 wird es schon etwas schwieriger. Hier ist der Break Even Point bei X=54,5BB. Dies ist mehr als ein halber Stack, welchen Sie im Durchschnitt Postflop gewinnen müssen, ob dies möglich ist oder auch nicht, hängt natürlich von ihren jeweiligen Gegenspielern ab. Wenn der Gegenspieler nur mit AA raist, besteht diese Möglichkeit durchaus. Wenn er aber auch mit 22+/ AJs+ usw. raist wird es schwierig werden. Beispiel 3 kann man eigentlich vergessen, da man in dieser Situation nie Break Even kommen kann. Sie könnten nur Break Even kommen, wenn Sie im Durchschnitt 86,5 BB Postflop gewinnen würden. Dies ist nicht möglich, da ihr Gegenspieler Postflop (nach dem Preflop Re-Raise) nur 100BB -16BB= 84BB zur Verfügung hat. In diesem Fall können Sie nicht aus Gründen des Setvalue callen.
Nehmen wir mal an, dass der Spieler UTG auf 4xBB raist, anstatt zu folden. Sie callen mit Pocket 10’ern und er Spieler auf dem Button raist auf 8BB/12BB/16BB, wie in den Beispielen zuvor. Was ändert sich dadurch an dieser Situation? Zu Beginn sind eigentlich nur 4 BB mehr im Pot.
Anpassung des Diagramms:
Sie sehen nun, dass Sie im Beispiel 1 callen können, wenn X = 18,5BB hoch ist und in Beispiel 2, wenn X = 50,5 BB ist. Sie sehen auch, dass wir nun in Beispiel 3 ebenfalls callen können, wenn X = 82,5 BB hoch ist. Sie müssen in diesem Fall halt sicher sein, dass Sie jedesmal den Stack ihres Gegenspielers bekommen, wenn Sie ein Set floppen. Wie Sie erkennen können, hat der zusätzliche Spieler UTG die Situation für Sie verbessert, da er Preflop dafür gesorgt hat, dass mehr Geld im Flop liegt.
Im folgenden Diagramm kann man erkennen, dass die Stacks, ihre Implied Odds, die Kosten für ihren Call und das Geld im Pot die entscheidenden Faktoren sind, welche berücksichtigt werden müssen.
Zusammenfassung
Nach dieser Analyse können wir einige Punkte zusammenfassen:
Die Handrange ihrer Gegenspieler:
- eng: besser für einen Setvalue Call
- weit: nicht optimal für einen Setvalue Call (eventuell für Pair Value)
Gegen einen Spieler mit einer engen Handauswahl können Sie am besten für Setvalue spielen. Sie können das gleiche auch gegen einen loosen Spieler machen, sollten ihn dann aber besser re-raisen, anstatt seinen Raise nur zu callen (weil Sie annehmen ihr Pair würde ausreichen oder weil Sie Druck ausüben möchten). Denken Sie immer daran, dass Sie gegen loose Spieler weniger Implied Odds haben, da diese oft Pötte spielen, obwohl ihre Hände nur marginal sind.
Postflop Aggression:
- mehr: besser für einen Setvalue Call
- weniger: nicht optimal für einen Setvalue Call
Je aggressiver der Gegenspieler ist, umso mehr Geld wird in den Pot kommen. Sie können ihm eine Falle stellen, indem Sie vortäuschen Sie hätten nur einen Draw, oder ihm vortäuschen Sie würden bluffen. Egal was Sie tun, je mehr Geld in den Pot kommt, umso besser für das Setvalue.
Skill-Level der Gegenspieler:
- niedrig: gut für einen Setvalue Call
- hoch: nicht optimal für einen Setvalue Call
Gute Spieler bemerken oft, dass Sie ein Set getroffen haben und werden Ihnen deshalb schlechtere Implied Odds geben. Schlechte Spieler sind einfacher zu lesen und ehr bereit mit JJ bei einem 4-5-8 Board All-In zu gehen. Wenn ein Spieler tilt, erhöht sich die Chance für Sie, ihm seinen gesamten Stack abzunehmen. Leicht verdientes Geld!
Stackhöhen:
- hoch: gut für Setvalue
- niedrig: nicht optimal für Setvalue
Big Stacks sind gut, Small Stacks nicht. Es ist ärgerlich, wenn ein Spieler mit 20BB raist und Sie müssen 
folden, weil es nichts zu gewinnen gibt. Stacks mit mehr als 100BB sind normalerweise Ok. Wenn Preflop nicht soviel geraist wurde, sind auch Stacks zwischen 60BB und 100BB annehmbar. Je mehr Spieler im Pot sind, umso mehr Stacks gibt es, welche man gewinnen könnte. Dh. man kann in Multi-Way Pötten problemlos auf Setvalue spielen.
Die Kosten für einen Preflop Call
- gering: gut für Setvalue
- hoch: nicht optimal für Setvalue
Müssen Sie 4BB oder 5BB bezahlen, um den Flop zu sehen? Der eine zusätzliche BB scheint auf den ersten Blick keinen großen Unterschied zu machen, aber langfristig kann sich dieser eine BB dramatisch auf den Wert von X auswirken. In dem Moment, wenn ein Spieler Sie mit einem 3-Bet konfrontiert (das 4x ihre anfänglichen Raises), ist es fast unmöglich einen Call für Setvalue zu machen, es sei den ihr Gegner ist auf tilt oder verfügt über einen sehr hohen Stack.
Geld im Pot (Raiser/Limper/Caller)
- viel: gut für Setvalue
- wenig: nicht gut für Setvalue
Dieser Faktor kann ebenfalls entscheidend sein. Je mehr “Dead Money“ im Pot ist, umso besser für Sie. Dieses Geld hat eine positive Auswirkungen auf ihren EV, wie Sie in den obigen Kalkulationen erkennen können
Schlussfolgerungen
Sie sehen, dass es eine Menge Faktoren gibt, welche eine Rolle spielen, wenn man für Setvalue callt. Wir haben mit diesem Artikel beabsichtigt Ihnen einen Einblick in diese spezifische Situation zu verschaffen, uns ging es nicht nur darum Ihnen zu helfen, bessere Entscheidungen zu treffen, sondern wir möchten Sie auch dabei unterstützen ihr Spieler besser zu analysieren. Sie können sich natürlich an die 5/10 Regel halten, aber ihre Entscheidungen werden umso besser werden, je mehr der in diesem Artikel erwähnten Faktoren Sie bei ihrer Entscheidungsfindung mit einbeziehen.
Viel Glück & wir sehen uns an den Spieltischen!
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