August 27, 2010, Brian Rast

Bei Pot Limit Omaha (und natürlich auch bei jeder anderen Variante) ist es immer gut, wenn man die Einsätze so macht, dass die eigene Hand davon profitiert und es für den Gegner möglichst teuer wird. Die Grundidee sieht vor, dass Sie ihr Geld nicht auf irgendeiner Street in die Tischmitte schieben müssen, weil Sie scheinbar committed sind, sondern Sie callen und verschieben die Entscheidung auf die nächste Street.
Anstatt also die Equities an dieser Stelle außer Acht zu lassen indem Sie All-In gehen, schlage ich vor, dass Sie einen Teil ihres Geldes in der frühen Phase durch einen Call setzen und den Rest ihres Geldes erst setzen, wenn nur noch wenige Karten kommen (und die Equity ihrer Hand hoffentlich größer ist) oder auf der nächsten Street folden, wenn die Hand nicht mehr gut ist und Sie sich mit dieser Hand nicht mehr in einer profitablen Position finden. Ich nenne dies “der Umgang mit den Bets“.
Bei Holdem wissen die meisten Spieler, wie dieses Konzept angewendet wird. Wenn z.B. ein Spieler in einem Turnier einen Raise mit einem kleinen Pair callt und dann auf jedem Flop auf welchem kein Ace kommt All-In geht. Stop-n-Go!
Dieses Konzept hat viele Anwendungsmöglichkeiten bei Pot Limit Omaha. Im Allgemeinen haben die Hände bei Pot Limit Omaha im Vergleich zu Holdem bei einem All-In ähnlichere Equities. Deshalb findet man sich bei PLO oft in Situationen, in welchen ein Fold keine Option ist.
Eine Situation, in welcher die Spieler ihr Setzverhalten bereits erfolgreich managen.
Sie und ihr Gegenspieler haben jeweils $1.000. Nehmen wir mal an, Sie machen Preflop einen 3-Bet auf $180, wobei Sie 9-8-7-6 double-suited auf der Hand haben. Ihr Gegner macht einen 4-Bet auf $600. Sie können nicht folden, weil ihre Hand +EV gegen die anzunehmende Handrange des Gegners ist, wenn Sie All-In gehen sollten. Was sollten Sie also tun? Callen oder All-In gehen. Sie wissen genug über ihren Gegner, dass Sie annehmen, er hätte in dieser Situation ein Ace (falls er kein Ace hat, hält er mindestens eine andere starke, spielbare Hand wie z.B. A-K-K-10, K-K-J-J u.s.w.). Gegen diese Range haben Sie +EV wenn Sie All-In gehen sollten – oder $820 zahlen um ca. $1200 zu gewinnen – da Sie ein 45/55 Dog gegen ein Ace mit zwei beliebigen Beikarten sind. Sie können aber auch einen schlaueren Spielzug machen? Wenn Sie callen und der Flop mit A-2-3, A-A-5, 2-3-Q u.s.w kommen sollte, können Sie einfach folden. Falls Sie callen und auf dem Flop etwas treffen (ein Pair, einen Draw etc.) können Sie ihre verbleibenden $400 immer noch einfach in die Tischmitte schieben. Jeder Spieler macht dies ganz instinktiv. Sie haben zwar Preflop eine +EV Situation, falls Sie All-In gehen würden, bekommen aber eine profitablere +EV Situation, wenn Sie einfach nur callen und danach eine Entscheidung treffen, welche darauf basiert, was ihr Gegner auf der nächsten Street haben könnte (in diesem Fall der Flop).
Eine Situation, die nicht so offensichtlich ist
Nehmen wir mal an Sie haben 10-8-6-5 auf der Hand und es liegen $400 in der Tischmitte. Der Flop kommt 10-8-2 mit einem zusätzlichen Flush Draw. Sie setzen $200 und ihr Gegner macht einen Pot-Size Check-Raise auf $1.000. Ihr Gegner hat noch $1500 vor sich liegen und Sie glauben, dass er All-In gehen könnte. Sie haben mehr Geld vor sich liegen als ihr Gegner und müssen nun handeln.
Wenn Sie jetzt All-In gehen, riskieren Sie $2.300 um $3.100 gewinnen zu können. Mit Top Two Pair ist dies gegen viele Konkurrenten durchaus korrekt. Aber in dieser Situation ist es besser die $800 nur zu callen und dann mit den restlichen $1500 auf dem Turn All-In zu gehen, wenn keine Flushgefahr bestehen sollte. Die meisten Gegner werden in dieser Situation keinen Check-Raise mit drawlastigen Händen machen, welche einen Straight Draw beinhalten, aber keinen Flush Draw ermöglichen, da sie sich davor fürchten (was auch durchaus nachvollziehbar ist) gegen Hände mit Flush Draws anzutreten. In einem Großteil der Handrange ihrer Gegner wird es Hände mit einem Flush Draw bzw. Trips Potenzial geben, was für Sie natürlich nicht wirklich positiv ist.
Falls auf dem Turn ein Flush möglich ist, hat ihr Gegner Sie mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit geschlagen, sodass Sie die $1.500 nicht riskieren müssen und dies obwohl Sie eigentlich $3.500 gewinnen könnten. Wenn auf dem Turn keine Flush Karte kommen sollte, haben Sie für ihre $1500 auf dem Turn eine wesentlich bessere Equity gegen “drawy“ Hände, als wenn Sie sich bereits auf dem Flop committed hätten. Durch das Management ihres Setzverhaltens haben Sie dafür gesorgt, dass die Konfrontationen auf die Streets verteilt wurden und dass es zu keinem vorzeitigen All-In auf einer frühen Street kam. Durch die Kontrolle über ihr Setzverhalten haben Sie eine Situation geschaffen, in welcher Sie die wichtigen Entscheidungen nach hinten verschoben haben und haben dafür gesorgt, dass die Equity ihrer Hand steigt. Die zusätzliche Equity, welche entsteht, wenn eine Hand auf diese Weise gespielt wird, kann eine Situation komplett verändern (wie in unserem letzten Beispiel zu erkennen) und ein All-In auf dem Flop ist plötzlich gegen die angenommene Range ihrer Gegner -EV (weshalb Sie folden sollten), aber auf dem Turn wieder +EV, da Sie ihre Entscheidung um eine Street verschoben haben. Verstanden? Denken Sie mal eine Weile darüber nach.
Denken Sie daran, dass wir in dieser Situation zwei wichtige Annahmen voraussetzten
Erstens, nahmen wir an, dass wir uns darüber klar sind, welche Range unser Gegenspieler spielen könnte. Dies ist überaus wichtig, denn ohne dieses Wissen (oder wenn unsere Annahmen falsch waren) werden Sie auf den folgenden Streets falsche Entscheidungen treffen und keine richtigen Entscheidungen treffen können. Im Beispiel mit dem Flush – wenn ihr Gegner mit mit einer Straight Draw Hand ohne einen Flush Draw check-raist, werden Sie folden, wenn auf dem Turn eine Flush Karte kommt und callen wenn eine Straight Karte kommen sollte (was natürlich überaus schlecht wäre). Was für ein Desaster!
Zweitens, wir nehmen an, dass unser Gegenspieler einen All-In Bet callen wird wenn Sie auf einer der ersten Streets geraist hatten. Wenn wir bei unseren ersten Entscheidungen Fold-Equity hatten, ändert sich die Mathematik der entsprechenden Hand grundlegend. Die Equity steigt zu unseren Gunsten wenn wir All-in gehen und unsere Gegner folden. Die Auswirkungen der steigenden Fold-Equity auf unsere Entscheidungsfindung werden wir an anderer Stelle erörtern. Nehmen wir für unsere Zwecke einfach mal an, unsere Gegner würden nie folden und wir würden ebenfalls nie folden. Sie müssen Sie nun folgende Frage stellen:“ Ist es besser jetzt All-In zu gehen oder noch eine Street zu warten?“
Es gibt viele Situationen, bei jeder Art von Big-Bet-Poker, wo das Management der Einsätze überaus gewinnbringend sein kann. Man muss entsprechend aggressiv spielen und wenn es an der Zeit ist All-In zu gehen, weil Sie denken der Spielzug wäre +EV, sollte man der Aggressor sein und somit der "First One In." Ich empfehle Ihnen erst etwas darüber nachzudenken, bevor Sie etwas überstürzt handeln und immer darüber nachdenken, ob Sie das All-In nicht noch auf eine spätere Street verschieben können, indem Sie momentan nur callen und später All-in gehen.
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