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Das eigene Spiel gegen Spieler anpassen, die mitdenken mit Brett Richey

Brett Richey

Brett Richey ist ein angesehener Cash-Game Spieler, der regelmäßig an Live Turnieren teilnimmt und vor kurzem am TV-Final Table des $25.000 North American Poker Tour High Roller Bounty Shootout Events saß. Bei solch einem hohen Buy-In verfügten die Spieler nicht nur über den entsprechenden Bankroll, sondern auch über den entsprechenden Skill. Richey sprach mit PokerNews über das Konzept dieser Woche: sich darauf einzustellen, wenn Gegenspieler mitdenken.

Wie sehen die Anpassungen aus, welche Du gegen mitdenkende Gegenspieler vornimmst?
Nichts besonderes, aber ich versuche immer einen Schritt weiter zu sein und herauszufinden, wo ihre Schwächen sind. Ich versetzte mich in mein Gegner hinein und überlege mir, was sie tun könnten und zwar nicht nur in der jeweiligen Hand sondern insgesamt betrachtet. Gegen schwächere Spieler, spiele ich eine Menge Hände sehr offensichtlich, halt in einer Art und Weise, wo ein guter Spieler sagen würde: “Oh mein Gott, das war durchschaubar“. Deshalb variiere ich mein Spiel gegen bessere Spieler. Manchmal werden die Jungs einfach zu kreativ und wollen sich unbedingt auf Gefechte mit besseren Spielern einlassen. Wenn ich in einem Turnier mit überwiegend schlechten Spielern am Tisch sitze, werde ich mich nicht mit den guten Spielern anlegen und geradeheraus spielen, da es keinen Sinn macht einen Ego, 5-Betting Krieg mit den guten Spielern zu beginnen, wenn einige Idioten am Tisch sitzen, welche nur darauf warten ihre Chips zu verdonken. Die durchdachteren Spielzüge hebe ich mir für die Cash-Games oder für Turnierspieltische mit starken Gegnern auf.

Denkst Du das passiert oft? Gute Spieler fühlen sich aufgrund ihres Egos nicht wohl, wenn sie so spielen müssen.
Das hängt davon ab. Ich denke viele gute Spieler spielen relativ aggressiv und passen ihr Spiel nicht wirklich an ihre Gegner an. Grundsätzlich möchte ich Postflop gegen schwächere Gegner gerne mit einem höheren Stack spielen, aber es gibt soviele unterschiedliche Arten zu spielen, welche erfolgreich sein können. Es ist schwierig für mich zu sagen, dass es für jemanden falsch war einen guten Gegner mit nichts zu 5-Beten, wenn ansonsten nur Idioten am Tisch sitzen.

Was sind die durchdachteren Spielzüge, welche Du an einem Tisch mit starken Spielern einsetzen würdest?
Hauptsächlich des öfteren 3 und 4 Beten und meine Chips auch mit marginalen Chancen zu riskieren. Ich möchte natürlich keinen Coin Flip wenn ich über ausreichend Chips verfüge und am Tisch nur Donks sitzen, aber ansonsten lasse ich alles einfach mal auf mich zukommen, ich verfolge keine wirkliche Strategie. Ich sitze einfach am Tisch und treffe die Entscheidungen in der jeweiligen Situation spontan.

Wenn Du sagst, du möchtest Dich nicht unbedingt mit den guten Spielern an deinem Spieltisch anlegen, wenn an deinem Tisch einige gute Spieler und eine Menge schlechte Spieler sitzen, was meinst Du damit genau und wie spielst Du in einer solchen Situation.
Ich werde weniger versuchen Re-Stealing einzusetzen. Ich möchte meine Blinds nicht mit marginalen Händen gegen gute Spieler verteidigen und calle weniger in Position gegen einen guten Spieler (was ich gegen schwache Spieler des öfteren tun würde). Ich versuche meine Varianz zu reduzieren, da ich weiß, dass ich gegen gute Spieler so einfach sowieso nicht viele Chips gewinnen kann. Ich möchte die Varianz so gering wie möglich halten, da ich mir mein Chips für die Konfrontationen gegen schwächere Spieler aufheben möchte, gegen welche ich sehr wahrscheinlich einen höheren Edge habe.


Beim NAPT High Roller Bounty Shootout saßen an beiden Spieltischen gute Spieler. Kannst Du dich an einige Hände erinnern, welche Du gespielt hast und an welchen Du das Konzept dieser Woche erläutern könntest?

Hand #1
OK, es war an meinem ersten Spieltisch in diesem Event. Wir waren alle mit 25.000 Chips gestartet, sodass 175.000 Chips insgesamt im Spiel waren. Wir waren an diesem Punkt 3-Handed, ich hatte bisher eine Bounty erspielt indem ich Andrew Robl eliminierte. John Hennigan, Alex Kamberis und Daniel Negreanu waren bereits ausgeschieden. Scott Seiver hatte am Morgen bereits 6 Bounties gewonnen, falls ich also eine Chance auf den Sonderpreis von $100.000 für die meisten Bounties haben wollte, hätte ich die beiden verbleibenden Spieler am Tisch, Phil Galfond und Lee Markholt eliminieren müssen.

Die Blinds waren 800-1600. Ich saß auf dem Button, Lee war im Small Blind und Phil im Big Blind. Lee hatte ca. 50.000 und Phil 35.400. Ich hatte ca. 90.000 und raiste mit A-2 offsuit auf 4.600. Lee foldete und Phil ging All-In. Ich überlegte längere Zeit und callte letztendlich, aber es war eine schwere Entscheidung. Er hatte 7-7 und ich traf ein Ass auf dem River. Er war allerdings bei jedem vorherigen Orbit mindestens einmal All-In gegangen. Ich wusste, dass ihm bewusst war, dass er gut genug war, um zu wissen, dass er ausreichend Chips hatte um mich zum folden zu bringen und ich lag mit 54% gegen Hände wie z.B. K-Q und Suited Connectors vorne. Da er sehr gut spielt, würde ich nicht einfach so versuchen wollen ihn zu eliminieren.

Wenn ich verliere, wäre ich immer noch knapper Chip-Leader. Außerdem hatte ich ja die Chance auf die Bountie-Prämie ($5.000 + die Chance auf den $100.000 Sonderpreis). Wenn er nicht zu den Top Spielern gehören würde bzw. wenn ich nicht die Bountie Prämie gewinnen könnte, hätte ich eventuell nicht gecallt. Ich hatte mindestens 3 Outs, was noch annehmbar ist. Es war eine dieser Situationen, in welchen ich bereit bin zu gambeln, um die Bounty zu gewinnen und mir die Chance auf weitere Bounties zu sichern. Phil und Lee waren natürlich die letzten beiden Spieler, gegen welche ich gerne bei den letzten Drei spielen möchte, deshalb war ich bereit zu gambeln.

Hand #2

Wir waren 6 oder 7-Handed am Final Table, ich eröffnete aus mittlerer Position mit Q-10 Offsuit, Scott Seiver verteidigte seinen Big Blind. Ich kann mich allerdings nicht mehr daran erinnern, wie die Stacks oder die Blinds waren, ich war auf jeden Fall Deep, irgendwo zwischen 50 und 100 Big Blinds. Der Flop kam mit K-3-Q, er checkte und ich checkte behind.

In einer anderen Situation hätte ich vielleicht gesetzt, aber in dieser Situation war ich der Meinung, dass ein Call besser wäre, damit ich abwarten kann, was auf dem Turn passiert. Auf dem Turn kam eine 6 und es war nun ein Flush-Draw möglich. Er checkte erneut und ich entschied mich zu setzen. Ich habe schon viele Turniere gegen schwache, vorhersehbare Spieler gespielt und gegen diese Spieler hätte ein Check von ihnen auf dem Turn auf jeden Fall bedeutet, dass ich die bessere Hand habe. Da ich mir also zu diesem Zeitpunkt relativ sicher war die beste Hand zu haben, entschied ich mich zu setzen. Scott machte dann einen Check-Raise und ich fing an das Leben zu hassen. Ich begann mit mir selbst darüber zu reden, weshalb ich hier gesetzt hatte und foldete. So wie ich diese Hand gespielt hatte, konnte ich niemals besser sein, als Second-Pair. Scott ist erfahren genug, dass ihm auffiel, wie ich diese Hand gespielt habe und konnte mich dann eigentlich auf dem Turn mit jeder beliebigen Hand reraisen, da ein Call in dann für mich überaus schwierig gewesen wäre. Da ich aber schon gesetzt hatte, hätte ich dann eventuell doch noch callen sollen. Dies ist ein Move, welchen ich gerne gegen schwächere Spieler einsetze, wenn ich einen Bet auf dem Turn mit nichts gewinnen möchte oder ihn dazu bringen möchte mit Bottom Pair (oder etwas ähnlichem) zu callen. Gegen einen Spieler wie Scott, hätte ich besser auf dem Flop gesetzt oder den Turn gecheckt. Ich habe verloren, weil ich mich für eine Spielweise entschieden habe, welche mich in dieser Situation zum Verlierer macht. Wenn ich auf dem Flop gesetzt hätte, könnte ich nach einem Raise immer noch folden oder den Turn behind checken, damit ich den River einschätzen kann. Damit hätte ich mir gegen smarte Spieler alle Wege offen gelassen. Er sagte mir später, dass ein Ace auf der Hand gehabt hätte, was für mich gut gewesen wäre, aber immer noch sehr risikoreich. Er hätte jede Hand haben können und ich hätte entweder folden müssen oder alle meine Chips in die Tischmitte schieben müssen.

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