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Bluffen in Heads-Up Cash Games mit Eric Liu

Poker Strategie

Eric Liu spielt regelmäßig High-Stakes Cash-Game und Turniere, wobei er in beiden Disziplinen überaus erfolgreich ist. Obwohl sein Screen-Name “p3achy_keen” nicht wirklich furchteinflößend ist, machen ihn sein überragender Skill und seine Fähigkeiten Schwächen bei seinen Gegnern zu erkennen, zu einem gefürchteten Gegner in jedem Heads-Up Match, was uns zum Thema dieser Woche bringt: Bluffen in Heads-Up Cash Games.

Starten wir damit indem wir über einen Bluff reden, welchen Du angewendet hast, als Du Heads-Up gegen Illari “Ziigmund” Sahamies gespielt hast. Bevor wir aber über diese spezielle Hand reden, sollten wir auf das Match im Allgemeinen eingehen.
Zu diesem Zeitpunkt spielten wir beide sehr solide. Er saß mit $140.000 am Spieltisch. Er hatte mich schon einige Mal gestackt, ich hatte mich vorher aber einige Male mit ihm angelegt, sodass ich mich nun seiner Ansicht nach in einer Phase befand, in welcher ich etwas ruhiger und noch solider spielte. Zu diesem Zeitpunkt war mein Image also so, dass ich sehr solide spielen würde, nicht all zu oft bluffe und nicht von meinem Spielstil abweiche.

Die Hand - Preflop: Ziigmund raiste auf $1.200. Liu reraiste auf $4.000 mit {Q-Diamonds}{J-Diamonds} und Ziigmund callte. Im Pot lagen nun $8.000.
Macht es Sinn gegen Spieler wie Ziigmund, welche den Button oft raisen und reraises callen, einen 3 Bet zumachen um mehr Value zu bekommen?

Ja, gegen einen Spieler wie Ziigmund, welcher den Button oft raist (wie es jeder andere gute Spieler auch macht), reraise ich sehr oft mit Händen, welche auf dem Flop ein großes Verbesserungspotenzial haben (wie z.B. J-Q Diamonds). Mit meiner Hand dominiere ich einen Großteil seiner Calling-Range wie z.B. Q-10, J-10 usw.

Die Hand - Flop: Der Flop kam mit {A-Diamonds}{K-Hearts}{9-Diamonds} und Liu setzte $5.800. Ziigmund callte und im Pot lagen nun $19.600.
Offensichtlich hast Du einen guten Draw gefloppt. Was waren deine Gedanken in diesem Moment bezüglich deiner Bets?

Diese Art Flop liegt, wenn man genau darüber nachdenkt, in meiner 3-Betting Range. Ich mache manchmal 3-Bets mit Händen wie A-K, A-Q und A-J, außerdem nutze ich den 3-Bet, wenn ich mit einer Premium Hand auf dem Flop etwas getroffen habe. Jetzt hatte ich zwar keine dieser Hände, hatte aber durch meinen Draw eine extrem starke Hand. Ich dachte also, dass ich definitiv setzen werde und er sehr oft bei einem Bet folden wird.

Auf welche Hand hat Du ihn gesetzt als er nur callte?
Als er mich auf dem Flop callte dachte ich, dass er ein Ace oder einen King haben könnte. Er hätte mit Queen-10 oder Jack-10 auch floaten können. Er hätte auch mit einer 9 callen können. Interessant war auch, dass er einen Diamond Flush Draw haben könnte, da er bei dieser Art Flop normalerweise nie geraist hat. Meistens hätte er mit einem Flush Draw geraist, auf diesem Board aber, hätte er mit einem Raise sowieso nichts anderes repräsentieren können als einen Draw. Wenn er also nur callt, kann er ebenfalls einen Draw haben.

Ist der Grund warum er nichts anderes repräsentieren kann als einen Draw darin bedingt, dass er Pre-Flop keinen 4-Bet gemacht hatte?
Exakt, deshalb hat er mit großer Wahrscheinlichkeit kein A-K, A-A oder K-K, da dies die Karten wären, welche er durch einen einen Raise auf dem Flop repräsentieren könnte. Er hätte natürlich auch Gas geben können und mit A-10 raisen und den Rest seines Stacks in die Tischmitte schieben können, ich dachte aber das er das in dieser Situation nicht tun würde, da er vom Stack her ja vorne lag.

Die Hand - Turn: Der Turn war die {7-Hearts}. Auf dem Board lagen somit {A-Diamonds}{K-Hearts}{9-Spades}{7-Hearts} und Liu setzte $16.800, Ziigmund callte. Im Pot lagen somit $53.200.
Was hattest Du auf dem Turn geplant?

Als ich auf dem Turn setzte, plante ich bereits auf dem River All-In zu gehen, wenn er mich callen sollte. Ich dachte, wenn ich auf dem Turn setze und er mich callt, wird er nicht annehmen, dass ich als Bluff auf dem River All-In gehe, da dies ja ein wirklich selbstmörderischer Bluff wäre. Es waren zwei Draws möglich und ein All-In hätte gegen einen Spieler wie Ziigmund keine wirkliche Fold Equity, da dieser solche Situationen sehr genau analysieren kann und auch mit marginalen Gewinnchancen callen würde. Deshalb habe ich einen sehr hohen Bet gemacht um damit sicherzustellen, dass er keinen dummen Spielzug, wie einen fetten Re-Raise macht und mich aus der Hand drückt. Zu diesem Zeitpunkt habe ich ihn auf die gleiche Range wie auf dem Flop gesetzt. Ich wusste, dass er mit einigen Händen seiner Range nach diesem Bet folden würde, aber auch mit jeder Menge Hände callen würde. Er würde sicherlich eine 9 oder so etwas wie einen King folden, er würde aber sicherlich kein Ace oder einen Flush Draw wegwerfen, da er einen hohen Stack vor sich liegen hatte.

Hättest Du gefoldet, wenn er nach deinem Bet auf dem Turn All-In gegangen wäre?
Ich hätte eventuell gefoldet da ich so hoch gesetzt hatte. Er muss sich bewusst sein, dass er mich nicht aus der Hand drücken kann, wenn er also All-In gegangen wäre, hätte dies bedeutet, dass er eine wirklich starke Hand gehabt hätte.
Die Hand - River: Der River ist die {8-Hearts}. Auf dem Board lagen nun {A-Diamonds}{K-Hearts}{9-Spades}{7-Hearts}{8-Hearts}. Liu geht mit $28.399 All-In und Ziigmund foldet. Liu zeigt {Q-Diamonds}{J-Diamonds}.

Was hat Dich dazu gebracht hier zu bluffen, obwohl dies in dieser Situation meistens selbstmörderisch ist?
Dafür waren eine Menge Faktoren entscheidend. Während der bisherigen Session hatte ich bisher keinen einzigen Bluff gezeigt. Ich hatte auch keinen 3-Barrel Bluff gegen ihn eingesetzt. Das höchste, was ich gemacht hatte, war ein 1-Barrel in 3-Bet Pötten und danach habe ich gecheckt (bis zum Ende oder auch nur auf dem Flop), falls Gegenwehr kam habe ich die Hand aufgegeben. Dies war also das erste Mal, dass ich einen wirklichen Bluff durchgezogen habe und ich denke, es war genau zum richtigen Zeitpunkt. Er foldet definitiv alle Draw's und einen King. Ich hatte auch das Gefühl, dass er in dieser Situation eine große Anzahl an schwachen Aces gefoldet hätte, da er annehmen muss, dass ich mindestens mit A-K, A-Q oder A-J All-In gegangen bin.

Warum hast Du dich entschieden die Karten zu zeigen?

Ehrlich gesagt denke ich, dass es keine so gute Idee war Ziigmund die Karten zu zeigen (lacht). Wir standen in starker Konkurrenz gegeneinander. Er “slow rollte” mich und ich bluffte und zeigte einige Hände. Ich denke das Zeigen meiner Karten in dieser Situation zu zeigen war strategisch betrachtet kein guter Move.

Bluffen beim Heads-Up ist überaus wichtig. Wie analysierst Du Deine unterschiedlichen Gegner um zu entscheiden, ob Du bluffen kannst oder ob Du nicht bluffen kannst?
Man versucht natürlich von jedem soviel wie möglich zu erfahren, aber den Gegner andererseits auch nicht wissen zu lassen, wieviel man eigentlich über ihn weiß. Wenn man z.B. bei jeder Hand einen 3-Bet machen würde, wäre dies nicht profitabel, da die Gegner dann anfangen würden mit 4-Bets zu antworten , wenn man aber nur mit einer bestimmten Range 3-Bets macht und außerdem noch ab und an einen 3-Bet Bluff dazwischen schiebt, werden die Gegner oft folden. Sie können dann damit beginnen immer mehr zu mixen und mehr 3-Bet Bluffs einsetzen bis ihr Gegner diese Taktik durchschaut und entsprechend antwortet. Sie müssen also immer sehr darauf achten, wie oft Sie bei einer bestimmten Board-Textur einen Two Barreling Bluff einsetzen, wie oft Sie einen C-Bet machen und wie oft ihr Gegner auf ihre Angriffe aggressiv reagiert. Dann müssen Sie ihr Spiel eventuell entsprechend anpassen.

Findest Du, dass andere Spieler oft zum falschen Zeitpunkt bluffen?
Ich denke, dass viele Spieler oft auf Tilt gehen und deshalb gar nicht darüber nachdenken, was sie tun. Es stimmt, viele Spieler bluffen einfach zum falschen Zeitpunkt. Es ist überaus schwierig den richtigen Zeitpunkt zu finden, da bestimmte Situationen aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln unter Umständen völlig anders aussehen, abhängig davon wie ihr Gegner die Sache sieht und die Situation auffasst. Deshalb ist Bluffen solch eine einzigartige Sache. Jede Situation, in welcher man blufft ist einzigartig.

Dieser Bluff war wirklich ein Value Bet Bluff. Bei dieser Art Bluffs scheint es so, als wäre die Game-Historie und die Game-Dynamik entscheidend, um den Bluff erfolgreich durchzuführen, da der Gegner aufgrund der Odds eigentlich callen müsste.

Man sollte wirklich sehr genau einschätzen können, wie ein Gegner mit solchen Situationen umgeht. Wenn Sie Ihren Gegner aber nicht kennen, müssen Sie es einfach tun und wenn er callt, hat ihr Gegner einen Ahnung davon wie Sie denken bzw. spielen und wird zukünftig entsprechend reagieren wenn Sie kleine Einsätze machen. Dann müssen Sie ihr Spiel anpassen und halt kleine Value Bets machen.

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