Dieser Beitrag hat eine lange Vorgeschichte und da alles noch lange nicht zu Ende ist will ich die auch erzählen.
Meine Söhne haben mir, ich nehme an in Hoffnung auf ein akzeptables Erbe, zum Geburtstag das Full Tilt Handbuch der Pokerstrategie geschenkt. Dem verdankt dieser Beitrag seinen Namen.
In dem Buch steht nämlich ein Kapitel mit der Überschrift „Spielen sie (nicht) wie Ted Forrester". In dem Kapitel erklärt Forrester wie er erfolgreich gegen die gängigen Lehrmeinungen anspielt.
Mit den gängigen Lehrmeinungen ist das so eine Sache. Ich war schon immer ein Skeptiker gegnüber Lehrmeinungen allein Aufgrund der Tatsache das es lange Lehrmeinung war das die Sonne sich um die Erde dreht.
So hab ich also schon zwei Gründe es mit den Lehrmeinungen eines Menschen den man auch den „mad genius" nennt nicht allzu ernst zu nehmen.
Mike Caro lehrt in seinem Kapitel in Super System Deluxe: „Fabrizieren sie nicht künstlich eine Gewinnsträne"
Daniel Negreanu schlägt, was mit bei meinem Einsatz hilfreich war weil ich ihn nicht besonders mag, in die selbe Kerbe indem er beschreibt das der von ihm Empfohlene Weg zum guten Poker seinem eigenen Leidesweg ensprechend das Spielen von Sessions konstanter Länge ist.
Solche Methoden folgen dem Motto dumm und fleissig was meinem Charakter wiederstrebt.
Ich halts lieber mit genial und faul.
Angewand auf Caros Lehrsatz bedeutet das: „Fabriziere Gewinnstränen!"
Mit dem Vorteil für die faulen unter uns das wann immer du gewonnen hast der Rest aus Urlaub und Erholung besteht.
Spieltechnisch stützt sich der Ansatz zudem auf die Erkenntnis das ich in einer Menge der Sessions die ich am Ende negativ verlassen habe zwischenzeitlich im plus war.
Zur Praxis. Ich gehe an einen Tisch und sobald ich im plus bin verlasse ich ihn und die Session ist beendet. Erhalte ich im BB in der ersten Hand den SB geschenkt dann ist die Session genau eine Hand lang.
Bin ich ein BB oder mehr im plus zahle ich den SB und verlasse den Tisch erst im nächsten BB wenn vorher nichts ungewöhnliches passiert.
Meine Gewinnserie ist seit Beginn des Versuchs ununterbrochene 29 Schritte lang. Ich habe in diesen 29 Sessions 850 Hände gespielt teils Limit teils no limit shorthand, teils limit full ring. Ich hab 17,65 Stacks gewonnen bei durchschnittlich 40 BigBlind/100 Hände.
Die hohe Anzahl der Stacks erklärt sich daraus das ich einen Teil des Versuchs supershortstacked mit einem Stack von nur 10 BB spiele.
Die Theorie dieses Ansatzes ist es das er den Gegnern seltenst erlaubt sich auf die eigene Spielweise einzustellen. Bevor sie richtig wahrnehmen das du an ihrem Tisch angekommen bist klingelt schon ihr Geld in deiner Tasche und du bist wieder weg.
Mittelfristig ergiebt sich auch dem Versuch eine mittlere Weglänge bis zum Plus und eine mittlere Anzahl der nacheinander erreichbaren Gewinnschritte. Hätte man beides so erlaubt es einem zu berechnen bei welchem negativen Ergebnis man eine Session vernünftigerweise abbrechen sollte. Die gefundenen Zahlen wären natürlich individuell und würden sich im Laufe der eigenen Entwicklung auch verändern.
Das ganze basiert im Übrigen nicht unwesentlich auf dem Wiederwillen eines mathematisch beleckten die Ergebnisse der Multitabler zu akzeptieren. Die erzählen uns das Varianz eine Grösse sei die sich über 20000 oder 50000 Hände erstreckt. Poker ist aber seinem fundamentalen Charakter nach eine in erster Näherung digitale Sache. Die eigene Hand ist besser oder schlechter als die der Gegner. Ob du aber in einer dualen Entscheidung besser oder schlechter bist als der Durchschnitt deiner Gegner kann unmöglich eine Frage sein die mit ihrer Antwort 20000 Hände warten lässt.
Was daran falsch ist weiss ich noch nicht. Aber ich suche danach.
Im Augenblick versuche ich es mal mit der Umkehrung von Lehrmeinungen.
2008-11-13 17:44
Nette Anregung, aber hab ich es auch richtig verstanden?! .... :
Ein extremes Beispiel: Ich setz mich an den Tisch als Button. Ich hoffe das ich in den ersten 5 Runden ein Monster kriege (was im Mittel alle 2.5 Full Ringe der Fall ist). Ich hoffe dass ich mit der Monsterhand (Gewinnwahrscheinlichkeit 70 %) im Mittel mehr als 10 BB gewinne (6 BB + 1 BB Trinkgeld als Einsatz). Ergibt sich nach 5 Runden keine gute Gelegenheit muss ich abbrechen.
Aber was mach ich dann?! Ich denke ein Pro würde auf so einem Tisch sitzenbleiben, sein Spiel variieren, und vom Lesen seiner Gegner profitieren.
Ich als Gelegenheitsspieler würde aufstehen, mich für ein Turnier anmelden, und mich freuen ein paar Euros eingespart zu haben.
2008-11-14 13:44
Also für Live Games halte ich die Methode für vorerst nichtanwendbar.
Wenigstens solange man nicht in Vegas für 2000/4000$ spielt wo freilich der Gewinn eines SB das Hotelzimmer inclusive Früstück und sonstigen Mahlzeiten zahlt.
Aber mal für einen Moment angenommen ich wüsste bereits was ich herauszubekommen versuche:
Dann wüsse ich auch wie ich zweite Sessions die ich an eine erste anschliesse im Vergleich zu ersten Sessions spiele. Und dritte zu zweiten usw.
Ich sässe also am Tisch und würde meine Zahl an für mich erfolgeversprechen viruellen Gewinnsessions runterzählen. Hab ich die oder mein ko Kriterium für max Verlust erreicht steh ich auf.
p.s. Nachträglich fällt mir auf das ich die innere Spielmechanik die du beschreibst nicht meine. Also keine Rede von spielen nur mit Topstarthänden. Die Methode legt keine Spielweise fest. Sie legt nur fest das die Session endet wenn du im plus bist
2008-11-14 15:43
Also das Experiment läuft bekloppt gut!
Von der no Limit Komponete des Versuchs hab ich mich getrennt bzw. T6 hat mich davon getrennt indem sie mich nicht mehr Spielen liessen.
Also habe ich nur die Limit Variante verfolgt. Da stehen die Daten bei 50:4. Also 50 Gewinnsessions zu 4 Verlustsessions.
Eine Gewinnsession dauert durchschnittlich 24 Hände und liefert einen Profit von 12 BB.
Eine Verlustsession dauert durchschnittlich 162 Hände und leifert einen Profit von -28BB.
Zeit nochmal ein paar von Mike Caros Argumente zu betrachten.
Er sagt wer einen Tisch verlässt an dem er gewinnt verlässt wahrscheinlich einen profitablen Tisch.
Das kann angesichts meiner Daten kaum gelten weil die Tatsache ob ein Tisch für mich eher profitabel ist oder nicht sich in 24 Händen kaum offenbahren wird.
Er sagt umgekehrt das ein Tisch an dem man im minus steht wohl eher einer ist an dem man unter schwierigen Bedingungen Zeit verplempert.
Das mag für einen der am Ende seiner Entwicklung angekommen ist durchaus gelten. Für jemanden der sich noch entwickelt ist das der profitabelst mögliche Tisch nicht am Geld sondern an der Entwicklung gemessen.
Da ich innerhalb des Experiments praktisch gleichzeitig Profit und Entwicklung maximiere bleibe ich vorläufig beim Motto: "Spielen sie nicht wie Mike Caro!"

2009-01-04 16:07
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