Hallo Pokerfreunde,
ich möchte hier einmal kurz die ICM Sit and Go Strategie vorstellen für diejenigen, welche diese Strategie noch nicht kennen:
Das Independent Chip Model(ICM) modeliert die Wahrscheinlichkeit bei einem Turnier ins Geld zu kommen, sprich bei einem ST SNG 1., 2. oder 3. zu werden basierend auf den Stackgrößen der verbleibenden Spieler.
Craig Howard hat dieses Modell entwickelt und auf dem 2+2 Forum vorgestellt.
Statistische Tests haben ergeben das eine verläßliche Korrelation zwischen dem ICM Modell und aktuellen Ergebnissen besteht.
Das Modell ist dann anwendbar, wenn man sich in einem Turnier in der Bubble Phase befindet, sprich kurz davor ist ins Geld zu kommen, beispielsweise 4 Spieler verbleiben noch am Tisch aber nur 3 bekommen tatsächlich einen Turniergewinn ausgezahlt.
Wie hilft nun dieses Modell bei der Entscheidungsfindung?
Das Modell sagt, wann es mathematisch korrekt ist zu pushen, also ALL IN zu gehen oder zu FOLDEN.
Berechnet wird zunächst nach Stackgrößen die Equity der einzelnen Spieler und deren Chancen, 1., 2., oder auch nur 3. zu werden:
Tournament Payout Distribution
1st: 50% 2.: 30% 3.:20%
Spieler A: 5000 Chips
Spieler B: 4000 Chips
Spieler C: 3000 Chips
Spieler D: 1500 Chips
Zunächst werden die Chancen berechnet, für den jeweilgen Spieler aufgrund seiner Stackgröße
1., also Turniersieger zu werden:
Chance, 1. zu werden für
A = 0,370 (37%)
B = 0,296 (29,6%)
C = 0,222 (22,2%)
D = 0,111 (11,1%)
Berechnet wird dies nach:
Chips des Spielers / Gesamtchips am Tisch, beispielsweise 5000 /13500 = 0,3703
Im nächsten Schritt werden alle weiteren Chancen für die Spieler A, B, C und D ausgerechnet 2. und 3. zu werden sowie natürlich auch leider 4. und damit leer auszugehen.
Diese Berechnungen basieren auf einfachen kombinatorischen Prinzipien, wenn B, C und D jeweils einen der anderen Plätze gewichtet nach ihrer Gewinnwahrscheinlichkeit haben, was ist dann A's (B's, C's, D's,...) Chance 2., (3., 4.,...) zu werden. Das ganze wird in einer Matrix aufgesplittet, um so die Einzelwahrscheinlichkeiten zu berechnen.
Hier die Daten und Platzwahrscheinlichekiten
unseres Beispiels:
Spieler:
A
1.: 0.370 2.: 0.308 3.: 0.223 4.: 0.099
B
1.: 0.296 2.: 0.296 3.: 0.262 4.: 0.145
C
1.: 0.222 2.: 0.252 3.: 0.299 4.: 0.226
D
1.: 0.111 2.: 0.144 3.: 0.216 4.: 0.529
Dann werden die einzelnen Wahrscheinlichkeiten als Turnierequity berechnet, um einen Geldwert im Sinne eines Erwartungswertes (EV) zu erhalten. Dabei werden die Gewinnwahrscheinlichkeiten der einzelnen Plätze mit den Turnierpayouts der jeweiligen Plätze multipliziert.
Um den ICM Wert zu erhalten, werden die einzelnen Gewinnwahrscheinlichkeiten nach eigener Chance ersten zu werden + Equity wenn "X" gewinnt + Equity wenn "Y" gewinnt + ..... DIES ist dann der ICM Wert:
A 0.3221
B 0.2894
C 0.2466
D 0.1419
Dann werden All-In/Call-Fold Situationen in Szenarios eingeteilt, je nachdem ob man selbst ALL-In pushen könnte als erster in der Hand oder man selbst einen ALL-In callen möchte:
1) Du foldest
2) Du geht All-in und verlierst
3) Du gehst ALL-in and gewinnst
4) Du gehst ALL-in and splittest
Wir können nun die Equitiy vor und nach den Situationen 1-4 berechnen. Haben wir eine positive Differenz zu 1) in einem der anderen Szenarien, ist ein Push mathematisch korrekt, ist die Differenz negativ, ist ein Fold mathematisch korrekt.
Das ist schön und gut soweit, aber das Model geht noch einen Schritt weiter:
Wir wollen wissen, wie unsere Gewinnwahrscheinlichkeiten gegen Tighte, durschnittliche, Loose oder auch "any 2 cards go" Gegner in Bezug auf unsere EIGENEN Karten ist.
Dazu werden die Gegner auf bestimmte Kartengruppen gesetzt, je nachdem wie Tight oder Loose diese bei ALL-In's bisher waren und welche Karten den Gegnern bisher zum pushen gereicht haben.
Um dies zu verstehen, folgt hier nun ein Beispiel:
Hero ist Spieler A in einem 9 Spieler Single Table Sit and Go bei Poker Stars, noch 4 Spieler sind übrig, bezahlt werden nur Plätze 1-3
Gesamtchips sind 13500, Blinds 600/1200+75 Ante
A. Hero mit A3o, Stacksize 3500 Chips
B. Button ($2500) , spielt die besten 11% bei ALL-IN's
C. SB,($3000), spielt die besten 9% bei ALL-IN's
D. BB ($4500), spielt die besten 22% bei ALL-IN's
Ist dies nun ein Push, also ALL-IN oder ist dies ein Fold und lassen wir Ass-Drei offsuit gehen, um nicht zu verlieren und dann doch kein Geld mehr zu bekommen, nachdem wir uns so tapfer bis hierher geschlagen haben?
Die Antwort gibt das ICM Modell:
Der Button mit den besten 11% wird die Kategorie
Paare größer als 44 callen, Offsuit Asse besser als A9, Suited Aces besser als A8 sowie allgemein besser als KQ suited.
Der SB fällt mit 9% der besten Hände unter
66+, AT0+, A9s+
Der BB fällt mit 22% der besten Hände unter
33+, A3o+, A2s+, KJo+, KTs+, QJs+
Woher wir das so genau wissen? WISSEN tun wir es EXAKT nicht, aber wir schätzen dies so aufgrund des bisherigen Spielverhaltens ab, um Kartengruppen und Ränge quantifizieren zu können.
Das Modell gibt uns basierend auf diesen Daten eine klare PUSH ALL IN! Anweisung:
Folden wir, ist unsere Turniergewinn Equity bei 26,2%
Pushen wir, liegt unsere Turniergewinn Equity bei 27,8%. Damit verbessern wir uns um 1,6% und bessern somit unsere Gewinnerwartung auf.
Für viele Anfänger ist diese Entscheidung nicht klar.
Selbst ICM unwissende, aber erfahrende Spieler würden hier pushen alleine schon aufgrund der Tatsache, dass Button und SB sehr tight sind und vermutlich folden. Sollte der BB callen, so ist es Heads up und da hat A3
eine Pot Equity von 55,8 und ist damit ein guter Favorit, gegen einen Spieler zu gewinnen, der 22% seiner bestmöglichen Hände pusht oder damit All-In's callt! Sollte er vielleicht sogar folden, haben wir wichtige Blinds abgeräumt, die uns bis zur nächsten All-In Hand am Leben erhalten werden!
Ich hoffe euch hat das Lesen dieses Beitrages Spaß gemacht und ich hoffe euer Interesse an der ICM Strategie geweckt zu haben.
Gruß,
Team Pokerhound Deutschland
2007-06-02 15:58
Hallo Pokerhound,
herzlichen Dank für diesen interessanten Beitrag. Mit der ICM-Strategie wollte ich mich eigentlich noch beschäftigen, dass habe ich bislang ausgespart.
An meine nachfolgenden Pokerfreunde habe ich folgende Frage: Welche Erfahrungen habt Ihr bislang mit der ICM-Strategie gemacht?
Gruss
McSeafield
2007-06-02 16:20
Danke McSeafield, das tat meiner Seele gut. Ich hatte diesen Strategiepost auch noch auf anderen Foren reingestellt, guck mal was ich DA als Antwort bekommen habe:
link wurde gelöscht
Naja, ich denke ich werde mich wohl in Zukunft nur noch auf dieses Forum hier bei euch beschränken.
Danke nochmals, wenigstens EINER der sich über meinen Beitrag freut!
Gruß,
Pokerhound
2007-06-02 18:11
Hallo pokerhound,
lass Dich bitte nicht beirren. Diese Sorte von Pokerspielern bzw. Postern kenne ich gut.
Ich habe da auch bereits ähnliche Erfahrungen gemacht, in einem anderen Forum.
Im übrigen freuen sich mit Sicherheit alle hier im Forum, wenn Du weiterhin so interessante Beiträge postest. Da bin ich mit Sicherheit keine Ausnahme. Und im übrigen fände ich es auch gut, wenn Du Dich mit Deinen Beiträgen auf PokerNews konzentrierst und nicht auf allen Hochzeiten tanzt.
Das Problem mit ICM ist natürlich wirklich, dass hier ein sehr mathematischer Ansatz
gewählt ist, und der normale Pokerspieler sich schwer tut, dass zu verstehen. Da muss man versuchen, mit allgemeinen Beschreibungen noch etwas nachzuhelfen, bis es Klick macht.
Dort wo Craig Howard sein erstes Konzept veröffentlicht hat, waren wirkliche Pokerexperten zu gange und die haben ICM auch unter mathematischen Gesichtspunkten intensiv diskutiert und den Beitrag begeistert aufgenommen.
Leider muss ich mich da erst einlesen, um mitdiskutieren zu können. Ich habe dazu bereits jetzt eine Frage an Dich. Craig Howard hat ja auf der Ursprungseite auch den Source-Code von ICM angeboten. Ich habe versucht über den angeboten Link dranzukommen. Nur das klappt leider nicht. Hast Du eine Ahnung, wo man den ursprünglichen Source-Code von Craig Howard bekommen kann?
Gruss
McSeafield
2007-06-02 19:36
Das Problem ist, dass sich das ICM erst ab SNG`s für 50$ Buy-in aufwärts lohnt. Bis dahin und auch noch darüberhinaus reicht HoH allemale aus.
Hier im Forum gibt es wenige, die solche Buy-ins spielen. Ist aber natürlich nicht schlecht, wenn man sich schon mal vorab damit beschäftigt.
Also klasse Post aber falsches Publikum.
Deshalb auch so wenig Resonanz. Der Poster in dem anderen Forum ist einfach ein Troll und sollte nicht überbewertet werden.
Gruß, Mountain
2007-06-02 22:36
@McSeafield
Tja, der Source-Code STAND mal dort:
http://sharnett.bol.ucla.edu/ICM/info
Aber leider ist die Site derzeit offline!
Danke auch an Mountain, das mit dem Troll muss ich mir merken,
, der is gut!
Gruß,
Pokerhound
2007-06-03 01:02
Hallo Mountain,
Du hast wahrscheinlich recht mit dem Limit. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich mich für ICM interessiere. Vielleicht bin in einem Jahr so weit, dass ich diese Limits spielen werde. Was dann. Soll ich mich dann erst um meine Ausbildung kümmern? 
Und warte mal bitte ab. Meine Resonanz kommt vielleicht noch. Bitte nicht so schnell abwinken. Vielleicht gibt es auch noch Andere, die neugierig wissen wollen, was ICM ist.
Gruss
McSeafield
2007-06-03 11:14
hallo Mc,
genau deshalb habe ich geschrieben:
Ist aber natürlich nicht schlecht, wenn man sich schon mal vorab damit beschäftigt.
Überlesen
?
2007-06-03 12:13
Da ich mich selbst noch als Anfänger sehe (der jedoch in für seine BR zu hohen Limits spielt *fg*) kann ich mich auch nicht so recht mit obiger technik anfreunden.....
Bitte schlagt mich nicht für folgenden Satz....
Man kann Poker NICHT zu 100% Berechnen!
Die Technik die hier beschrieben wird setzt die Werte vorraus wie Loose oder Tight ein Spieler ist. Diesen kann man aber meiner meinung nach unmöglich in genauen % Schritten angeben!
Jetzt frage ich dich: Was macht dein Prog wenn der Gegner nach der "Armbanduhrmethode" spielt??
(Kurz zur erklärung: Ich gucke auf meine Uhr und anhand der Stellung des Sekundenzeigers treffe ich eine entscheidung ob ich eine Hand Preflop Pushe oder nicht.) Somit kannst du dank des Totalen Zufallselements nicht vorhersehen ob ich A-A oder 7-2 os pushe und deine ganze rechnerrei läuft den Bach runter!
Korrigiert mich wenn ich falsch liege!
2007-06-10 02:38
Hallo Pitzi,
wenn Du mit Deiner Armbanduhrmethode im Endspiel um die ersten Plätze beim SNG Glück hast, kannst Du mich möglicherweise doppelt treffen. Einmal mit 7-2 im Rahmen eines Bluffs und einmal mit A-A mit Deinen guten Karten. Wenn Du Pech hast, verlierst Du doppelt und dann hilft Dir u.U. auch A-A nicht.
Ich meine, Du solltest Dir dieses Konzept mal genau ansehen und durch den Kopf gehen lassen. Imho kannst Du mit diesem Konezpt eine rationale Entscheidung finden. Auf Deine Armbanduhrmethode musst Du trotzdem nicht verzichten. Du kannst ja je nach Situation das eine oder das andere Konzept verfolgen. Und wenn Du beim SNG bereits ITM bis und unbedingt noch 1. werden willst, mußt Du ohnehin viel Risiko gehen. Da ist dann wahrscheinlich Deine Armbanduhrmethode genau der richtige Ansatz.
Gruss
McSeafield
2007-06-10 03:53
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