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Vorstellung der November Nine 2011: Phil Collins

Phil Collins

Jedes Jahr strömen Amateure, Glücksjäger und Träumer zum World Series of Poker Main Event. Aber auch große Stars jedes Alters versuchen sich. Phil Collins gilt für viele als einer der besten Turnierspieler der Welt und ist einer der jungen Stars des Spiels. Nun hat er die Chance sich zum Champion zu krönen und sein Konto ordentlich aufzustocken – und all das im Alter von nur 27 Jahren.

Collins, der in South Carolina geboren und aufgewachsen ist, lebt mittlerweile in Las Vegas. Vor seinem Einzug in die November Nine hatte er $125,700 an Turniergewinnen aufzuweisen. Sein höchstes Preisgeld holte er mit Platz sechs bei der Borgata Spring Poker Open $7,200 East Coast Championship, wo er $29,196 einnahm. Vor dem Main Event 2011 hatte er zudem acht WSOP-Cashes zu Buche stehen.

Diese Bilanz erscheint zwar nicht allzu ruhmreich, allerdings ist Collins in erster Linie im Internet aktiv, wo er als “USCphildo” bereits über drei Millionen US-Dollar an Turniergewinnen erspielen konnte.
Seinen größter Online-Einzelgewinn sind $89,750, das Preisgeld für den WSOP Main Event Final Table ist damit sein erster sechsstelliger Turniergewinn. Den Finaltisch nimmt er als Vierter im Chip Count in Angriff, er hält aktuell bei 23,875 Millionen.

Collins hat an der University of South Carolina studiert und seinen Abschluss in Betriebswirtschaft gemacht. Auf dem College begann er auch mit Poker. In wenigen Tagen hofft er auf einen Millionen-Gewinn und ein goldenes WSOP-Bracelet.

PokerNews hat Collins getroffen und mit ihm über die November Nine, seine Vorbereitung darauf und die lange Pause gesprochen.

Gab es eine bestimmte Hand, die für deinen tollen Lauf verantwortlich war?
Am fünften Tag geb es eine Hand, die heraus stach. Ich ging mit etwa einer Million Chips in diese Hand und raiste mit A-K aus später Position und bekam eine Drei-Bet. Er hatte zuvor bereits zwei Mal mit Aces verdoppelt und ich wusste, dass er ein guter Spieler war. Ich vier-bettete ihn und es endete mit einem Allin. Er zeigte Kings, aber ich traf am River meine Straße. Danach war ich auf ca. 1,8 Millionen. Ich hatte ihn gecovert und wäre nicht weg gewesen. Ich kann mich eigentlich in all meinen Turnieren, die ich gewonnen habe, an ein großes Suckout erinnern, das ich austeilte. Auch damals dachte ich mir: „Hey, das war vielleicht schon die eine Hand, die ich brauchte.“

Nachdem du es an den Finaltisch geschafft hattest, was hast du in dieser Nacht noch getan? Hast du gefeiert?
Nein, nicht wirklch. Ben Lamb lud uns noch in seine Suite im Aria auf einen Drink ein. Aber bis wir alle nötigen Papiere unterzeichnet hatten, war es schon ziemlich spät. Er war schon weg und ich hatte seine Nummer nicht. Katie und ich verabschiedeten uns und gingen nach Hause. Im Rio trank ich noch zwei Bier und wir schauten uns eine Aufzeichnung des Tages an, die wir aufgenommen hatten. Es war meine Art auszuspannen, bis wir irgendwann auf der Couch einschliefen.

Wie lange hast du gebraucht, um zu realisieren, dass du es in die November Nine geschafft hast?
Es hat sich schon gesetzt, während es passiert ist. Ich nahm nichts als gegeben und verstrickte mich nicht in irgendwelche Fantasien. Es war eine surreale Situation, aber ich blieb die ganze Zeit am Boden. Am vierten oder fünften Tag, dachte ich, dass ich echt eine Chance hätte. Ich habe schon viele meiner Freunde diesem Ziel nahe kommen sehen, aber letztlich dachte ich mir einfach: Hey, es ist auch nur ein Turnier.

Wie haben Familie und Freunde reagiert?
Es war ziemlich cool. Meine Freunde waren echt aufgeregt. Ich habe eine Menge Poker-Freunde, die mich jeden Tag im Rio besuchten. Es muss für sie ziemlich cool gewesen sein, einen ihrer guten Freunde im Fernsehen beobachten zu dürfen.

Wir haben schonöfters darüber fantasiert, wie es wäre, wenn einer von uns es im Main Event so weit schaffen würde. Einer meiner Freunde, Brian Lamanna, wollten uns Bananen-Kostüme kaufen und als Lamanna-Bananen rumlaufen. Wir wussten, wenn ich es schaffen würde, würden überall Phil Collins Songs gesungen werden. Es war echt cool.

Sind alte Freunde von dir wieder aufgetaucht und auf dich zugekommen – jetzt wo du es in die November Nine geschafft hast?
Einige, aber nicht zu viele. Zum großen Teil waren es Glückwünsche, die ich bekam. Einige meiner College-Freunde, die selber nicht Poker spielen, haben mir mitgeteilt, wie cool es war, dass sie mich im Fernsehen sahen.

Wie hast du die Pause seit der WSOP verbracht?
In den ersten drei bis vier Wochen habe ich gar nichts gemacht außer ein bisschen Videospiele und Golf gespielt. In den letzten Monaten war ich in Europa und habe so viele Turniere wie nur möglich gespielt, um mich vorzubereiten. Ich habe leider keine großartigen Resultate holen können, was enttäuschend ist. Aber es war eine gute Übung, auch weil ich an einigen starken Tischen saß.

Ich habe die EPT Barcelona, die WPT Paris, die Partouche Poker Tour und einige Side Events gespielt. Während des World Series of Poker Europe Main Events hatten Katie und ich unser einjähriges Jubiläum, also flog ich sie nach Berlin ein.

Wir sahen uns einige Tage lang Deutschland an, waren am Oktoberfest in München und machten einen Abstecher nach Österreich. Bei den letzten Stopps war sie dann immer bei mir: Bei der EPT London, der WSOPE und der EPT San Remo. In Cannes hatten wir ein nettes Abendessen, nachdem ich ausgeschieden war.

Was unternimmst du sonst noch zur Vorbereitung? Gibt es jemanden, der dich coacht?
Ich sehe mir alle Berichte auf ESPN an und gehe mit Freunden meine Gedanken dazu durch. Ich chatte zudem immer wieder über grundsätzliche Final-Table-Dinge mit Leuten wie Jason Mercier. Im Großen und Ganzen weiß ich, wie die anderen Jungs spielen und woher sie kommen. Wenn du fünf oder sechs Stunden lang mit den Leuten zusammen am Tisch sitzt, dann bekommst du schon ein gutes Gefühl für den Flow des Tisches.

Was ist dir wichtiger: Das Geld oder das Bracelet?
Das Geld! 8,7 Millionen sind eine Menge. Natürlich ist auch das Bracelet nett und hat mehr Wert als alle anderen Bracelet, weil du dich dann World Champion nennen darfst. Du bekommst ein Bild im Rio. Also das Bracelet ist etwas ganz Besonderes, aber ich bin eher hinter den 8,7 Millionen her.

Als November Niner hast du bereits $782,115 verdient. Hast du dir um dieses Geld bereits etwas Großes gekauft?
Nein. Ich wollte mir nicht etwas kaufen, dann vielleicht noch mehr Geld gewinnen und mir etwas noch Besseres zulegen. Ich habe mir nur ein Set neue Golfschläger, ein Snowboard und eine neue D-SLR für Katie angeschafft. Ein bisschen etwas habe ich auch für diverse Reisen ausgegeben.

Wem räumst du außer dir selbst die besten Chancen ein zu gewinnen?
Einige haben die Chance. Ich mag den Spielstil von [Eoghan] O'Dea und ich bin glpcklich, dass er zu meiner Rechten sitzt. Ben Lamb wird auch um den Sieg mitspielen, wenn er sich etwas mehr Chips verschaffen kann. Ich hoffe aber, dass ich nicht gegen ihn drei- oder vier-handed antreten muss.

Wen würdest du dir im Heads-Up als Gegner wünschen? Wer wäre der unangenehmste Gegner?
Ben Lamb wäre vermutlich der schlimmste Gegner. Er ist der beste Spieler, ist der regierende Player of the Year und hatte eine echt sicke WSOP. Ihr wollt wissen, gegen wen ich am liebsten antreten würde? (lacht) Es ist mir egal gegen wen, solange ich mit einem 8:1-Chiplead hinein gehe.

Bei der WSOP Europe hast du einige Zeit mit Matt Giannetti gespielt. Hast du in der Pause auch mit anderen November Ninern gespielt?
Ja, mit Ben Lamb, der aber schon sehr short war und nur kurz bei mir am Tisch saß. Mit Anton Makiievskyi habe ich in Paris gespielt. Wir saßen an einem €10/20-Tisch und er nahm links von mir Platz. Ich dachte mir nur „Gut, spiel einfach dein Spiel und vielleicht verschaffst du dir ja etwas Respekt.“ Es endete damit, dass ich einige tausend Euro reicher und er einige Tausender ärmer war.

Denkst du, dass die das Spielen mit diesen Jungs für den Final Table etwas bringt?
Ich denke, entweder hilft oder schadet es mit – je nachdem, wie ich spiele. Ich musste mir ein bisschen in die Karten schauen lassen, als ich gegen Giannetti gespielt habe. Ich habe oft drei-gebettet, unter anderem mit Händen wie K-J. Diesen Move von mir kennt er jetzt. Vielleicht kann ich das aber auch zu meinen Gunsten nutzen und dadurch Value mit größeren Händen bekommen.

Konntest du mit einem deiner Gegner aus den November Nine Freundschaft knüpfen oder gehst du aufs Ganze?
Ich gehe auf jeden Fall aufs Ganze! Ich denke schon, dass ich mir unter meinen Gegner Freunde machen konnte. Wir werden uns sicher auf einen Drink zusammen setzen, wenn wir uns künftig irgendwo treffen.
Mit Ben Lamb habe ich mich oft über Dinge wie Golf unterhalten. Mit Pius Heinz konnte ich mich auch lange unterhalten. Und mit Makiievsky und Giannetti habe ich lange gespielt. Es wird sicher lustig. Nach dem Turnier sind wir sicher Freunde, aber bis dahin werde ich sie sicher nicht verschonen.

Wie denkst du über die lange Pause im Vorfeld der November Nine? Hättest du lieber schon am nächsten Tag am Final Table Platz genommen?
Ich bin ein Fan der Pause. Für mich und meine Poker-Karriere ist das eine gute Sache. Wenn ich als Neunter oder Achter gegangen wäre, hätte ich wohl nicht so einen großen Teil der Berichterstattung abbekommen. So gebe ich seit der Monaten permanent Interviews. Es hat einen großen finanziellen Wert, wenn mein Name bekannter wird. Die Sponsoren-Deals werden dadurch größer.

Aus dieser Perspektive ist das eine gute Sache, aber ich mag es auch, immer noch im Turnier zu sein, denn normalerweise sind Turniere eine kurzweilige Sache. Es beginnt und schon ist es wieder vorbei. Jetzt kann ich dieses Gefühl schon seit über drei Monaten genießen. In den letzten Tagen vor dem Start werde ich zwar wahrscheinlich etwas nervös werden, aber ich mag diese Pause einfach.

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