November 18, 2011, Lynn Gilmartin

Unlängst kam uns die Website The 99 Percent unter, wo wir einen Artikel über Motivation in der Arbeit fanden. Dort fand sich folgender Satz: „Die größte Motivation unserer eigenen Kreativität sind wir selbst. Wenn wir uns ein Ziel vorstellen und wir danach merken, wie wir diesem Ziel näher kommen, unsere Fähigkeiten verbessern und uns Wissen aneignen, werden wir motiviert, noch besser zu werden.“
Haben wir nicht alle genau auf diesem Weg im Poker begonnen? Aber was passiert, wenn ein Spieler in ein Downswing-Loch fällt, er glaubt, der unglücklichste Spieler der Welt zu sein, wenn seine Aces zum dritten Mal in Folge gegen Kings nicht halten? Dann nimmt ihre Motivation genau so ab, wie wenn jemand an seinem Arbeitsplatz von seinem Chef kein Vertrauen geschenkt bekommt. Sie werden davon abgehalten, ihren Ziel näher zu kommen.
Nun leben Pokerspieler aber auf einer gigantischen Achterbahn, mit einem Auf und Ab zwischen Erfolg und Niederlage. Dadurch müssen sie weit öfters mit Pleiten umgehen, als der Durchschnitts-Arbeiter. Deshalb müssen sie viel häufiger die Kontrolle über sich selbst behalten können.
Die Harvard Business School veröffentlichte eine Studie, an der 238 Personen aus sieben verschiedenen Unternehmen teilnahmen. Die Probanden mussten jeden Tag über ihren Job und die damit verbundene Emotion und Motivation Buch führen. Nach insgesamt rund 12.000 dieser Einträge, kamen die Autoren zu folgender Schlussfolgerung: “Personen haben die schönsten Arbeitstage und erledigen ihren Job am besten, wenn man ihnen erlaubt, Fortschritte zu machen und sich weiter zu entwickeln."
Was heißt das für Pokerspieler? Ein Suckout kann man nicht kontrollieren, allerdings haben sie sehr wohl Einfluss auf die emotionalen Dinge, die die eigene Motivation betreffen. In der Studie wird allen Unternehmen nahe gelegt, den Angestellten klar definierte Ziele zu setzen und auf Erfolge und Verfehlungen zu reagieren und diese als Erfahrungen im Lernprozess zu sehen – aber nicht nur durch Lob oder Tadel (auf Pokerspieler umgemünzt Gewinn oder Verluste). So sollten auch Spieler mit sich selbst umgehen.
Im Poker-Business hat sich das Buch The Mental Game of Poker von Jared Tendler und dem ehemalihen „UK PokerNews“-Redakteur Barry Carter als hilfreiche Lektüre etabliert. Team PokerStars Pro Lex Veldhuis bezeichnete es in einem PokerNews Podcast unlängst als „das mit Abstand beste Poker-Buch, das je geschrieben wurde.“
Tendlers Buch enthält unter anderem auch ein ganzes Kapitel, das sich nur mit Motivation beschäftigt. Im Folgenden werden wir auf sein Werk mehrfach eingehen.
Ziele
Was Ziele betrifft, meint Tendler: "Wenn Sie in einem Motivations-Loch stecken, stellen Sie sicher, dass Ihre Ziele klar definiert sind. Im Idealfall verfügt man über stabile Motivation. Das bedeutet, dass man permanent und methodisch diesen Zielen entgegen arbeitet, aber auch, dass man zwar ein Burnout vermeidet, aber gleichzeitig nicht der Faulheit erliegt.“
Haben Sie sich selbst ein kurzfristiges Ziel gesetzt? Ist dieses realistisch? Denn manchmal sind wir so fokussiert auf das Endresultat eines langen Prozesses, dass wir uns selbst zu viel Druck bezüglich eines langfristigen Ziels machen, obwohl es motivierender wäre, diesen Prozess in kleinere Abschnitte mit Teil-Zielen zu gliedern.
Tendler erklärt zudem: “Burnout ist im Poker ein großes Problem, denn viele Spieler realisieren gar nicht, mit wieviel Stress diese Beschäftigung einher geht. Der Verstand verhält sich wie der Körper: Wenn man mit ihm zu hart arbeitet, läuft man Gefahr innerlich auszubrennen und mit geringer mentaler Energie lassen sich keine guten Entscheidungen mehr treffen. ”
Denken Sie darüber nach, was Sie erreichen wollen und in welchen Teil-Schritten dieses Ziel zu erreichen ist. Machen Sie sich lieber darüber Gedanken, was Sie diese Woche erreichen können, als darüber, wo Sie in einem Jahr stehen wollen. Ein weiterer Punkt sind Checklisten: Dort kann man auch simple Dinge anführen, nur um das positive Gefühl zu bekommen, einen Fortschritt erzieltn zu haben, wenn man sie abhaken kann.
Angst und Tilt
“Pokerspieler sind sich nicht immer darüber bewusst, dass Angst, Tilt und Probleme mit dem Selbstvertrauen sich negativ auf die eigene Motivation auswirken. Sollten Sie ihre Tilt-Probleme nicht im Griff haben, ist die beste Strategie, mit Poker aufzuhören. Viele Spieler vermeiden Tilt so lange, dass sie vergessen, dass eben dieses Problem, und nicht die mangelnde Motivation, ihrem Spiel schaden. Sie denken sie wären faul oder unmotiviert, aber in Wahrheit haben sie ein Tilt-Problem, dass es zu lösen gilt.” - Tendler
Was sollte man daraus lernen? Vor einiger Zeit veröffentlichten wir einen Artikel, warum wir den Temrinus FML, der mit Motivation Hand in Hand geht, nicht mehr verwenden. Wir stützten uns dabei auf ein Konzept von Eckhart Tolle aus seinem Buch The Power of Now. Tolle meint, dass Ängste, Anspannung, Stress und Sorgen von der Angst vor der Zukunft ausgelöst werden. Während Schuld, Bedauern, Klagen, Traurigkeit oder Verbittertheit von einer Fokussierung auf die Vergangenheit her rühren.
Und was ist mit dem Hier und Jetzt? Jeder Spieler bekommt irgendwann Bad Beats. Wenn sie passieren, müssen Sie sich vor Augen halten, dass es bereits passiert ist. Analysieren Sie, lernen Sie, aber verstricken Sie sich nicht in unnötige Emotionen. Gehen Sie nicht mit Vorurteilen in den Bad Beat und beklagen Sie sich nicht darüber, wie schlecht der andere Spieler nicht sei. Dadurch erlauben Sie sich selbst nur zu tilten.
Ändert das irgendetwas für Sie? Ja, aber nur in einem negativen Sinn, da die Motivation sinkt und Sie sich selbst im Lernprozess blockieren. Sie verlieren die Kurzzeit-Ziele damit aus den Augen.
[I]Es gibt noch einige weitere Faktoren, die sich auf die Motivation auswirken, die Sie in Jareds Buch The Mental Game of Poker nachlesen können.
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