September 12, 2011, Jürgen Stephan

Um es kurz zu sagen, ja! Menschen können sehr wohl bewusst lügen und diese werden nicht erkannt. Die grössten Hochstapler dieser Erde haben ganz bewusst Gesprächspartner getäuscht. Das Beste Beispiel ist die Geschichte eines ungarischen Lügners und Hochstaplers, der vorgab Graf Lustig zu sein und den Pariser Eiffelturm kaufte um ihn nach der Weltausstellung wieder abreißen zu lassen. Der Turm steht bis heute noch und erst Jahre danach wurde bekannt, dass die Verantwortlichen einem Hochstapler aufgesessen waren. Diese Menschen, professionelle Lügner, leben ihr Lüge. Für diese Menschen existiert keine Täuschung, sondern sie empfinden es als Ihre Wahrheit. Folglich ist auch nichts von einer Lüge im Ansatz zu erkennen.
Schwierig wird es bei normalen Lügen oder auch Täuschungsversuchen. Wie beim Pokern. Mag sein, dass Sichtschutz und Schals die normal bekannten Regungen, die erkannt werden könnten, verbergen. Doch es ist unmöglich sechs Stunden an einem Tisch zu sitzen und keinerlei Regung zu zeigen.
Eine Grundregel bei FACS lautet: Es ist unmöglich nicht nicht zu senden. Es ist immer eine Form von Reaktion und Aktion vorhanden. Wichtig ist dies genau dann zu erkennen wenn es passiert. Es handelt sich dabei um ein Zeitfenster im Sekundenbereich. Dies kann trainiert werden. Und ab da wird es dann richtig spannend. Der Grund dafür liegt in unserem limbischen System, das sehr nahe zum Rückenmark liegt. Wir haben drei Hirnteile, die verschiedene Aufgaben haben. Ein Reptilienhirn, für Kampf oder Flucht, das limbische System zum Erzeugen von Gefühlen und den Cortex in dem wir Wertungen vornehmen. Wissenschaftler fanden heraus, dass das limbische System vor dem Cortex angesprochen wird. Also bevor wir denken, handeln und reagieren wir. Und das kann nicht gesteuert werden. Was gesteuert werden kann ist das was unser Verstand, also in unserem Cortex abgespeichert ist. Beispiel: ein Erwachsener wird selten seine Enttäuschung offen zeigen, da man das auch Höflichkeit nicht macht. Ein Kind zeigt diese Enttäuschung sehr offen. Warum? Kinder sind noch nicht so sozialisiert wie wir Erwachsenen. Wir werden erst im Laufe unseres Lebens angepasst. So auch bei Gefühlen. Wenn wir jedoch irgendwie emotional angesprochen werden, z. B. jemand kennt meine Karten und es geht um extrem viel Geld im Pot, dann ist da eine Reaktion zu sehen. Egal wie abgebrüht jemand zu sein glaubt. Das zu erkennen, das leistet FACS.
Ach ja: Jan Heitmann hat ein FACS Training bereits hinter sich.
Jürgen Stephan wird ab sofort bei uns im Forum in seiner Rubrik unseren Lesen für Fragen zur Verfügung stehen. Weiters dürfen wir uns auf eine wöchentliche Kolumne von ihm freuen und Podcasts in denen er interessante Videos von Poker Pros analysiert.
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