Juni 14, 2011, Chad Holloway

Am Samstag, den 12. Juni 2011, saß ich im Amazon Room des Rio All Suites Hotel and Casino in Las Vegas und ahnte ein neues Kapitel in der Geschichte des Poker voraus. Phil Hellmuth hatte soebene Richard Ashby auf Platz 3 eliminiert und zwar in Event #16 der World Series of Poker 2011, der $10,000 2-7 Draw Lowball Championship (No-Limit). Er hatte einen Chiplead von 2.9 Millionen zu 800,000 im Headsup gegen den viermaligen Bracelet-Gewinner John Juanda. Es stand also nur noch ein Gegner zwischen Hellmuth und einem Rekord, nämlich seines bereits 12. Gold Bracelets – das letzte liegt nun genau 4 Jahre zurück. Es schien, als würde das Schicksal auf den “Poker Brat” herunterlächeln. Doch als sich der Samstag in den Sonntag verwandelte, hatte sich dieses Lächeln langsam verändert.
“Seltsame Sache: Ich bin zwar Zweiter geworden und habe $270,000 bekommen, aber ich fühle mit grauenhaft und bin untröstlich. Gratulation an den die luckboxjuanda,” zwitscherte Hellmuth kurz nach dem dreistündigen Headsup gegen Juanda. Der letzte konnte den Chiprückstand herumreissen und jede Menge Hellmuth Supporters standen an den Rails und wünschten sich, die Zahl 11 würde endlich durch die 12 ausgetauscht werden. Ich war einer der Unterstützer.
Ein Blick auf Phil Hellmuth’s elf Bracelets
| Bracelet # | Jahr | Event | Spieler | Preisgeld |
| 1 | 1989 | Event #14 $10,000 Main Event | 178 | $755,000 |
| 2 | 1992 | Event #8 $5,000 Pot Limit Hodl’em | 88 | $188,000 |
| 3 | 1993 | Event #7 $2,500 No Limit Hold’em | 173 | $173,000 |
| 4 | 1993 | Event #8 $1,500 No Limit Hold’em | 284 | $161,400 |
| 5 | 1993 | Event #9 $5,000 Limit Hold’em | 63 | $138,000 |
| 6 | 1997 | Event #15 $3,000 Pot Limit Hold’em | 170 | $204,000 |
| 7 | 2001 | Event #5 $2,000 No Limit Hold’em | 441 | $316,550 |
| 8 | 2003 | Event #12 $2,500 Limit Hold’em | 194 | $171,400 |
| 9 | 2003 | Event #32 $3,000 No Limit Hold’em | 398 | $410,860 |
| 10 | 2006 | Event #34 $1,000 No Limit Hold’em w/ re-buys | 754 | $631,863 |
| 11 | 2007 | Event #15 $1,500 No Limit Hold’em | 2,628 | $637,254 |
Juanda gewinnt also sein fünftes Bracelet, was sicherlich eines der Highlights der WSOP 2011 sein wird, während Hellmuth nur Runner-up wird. Dieses Ergebnis wird sicherlich bald vom Pinsel der Zeit übermalt werden. Aber jetzt ist der Schmerz eben noch groß, die Kritik hart und der Traum erstmal geplatzt.
Das war nur ein Auszug der Kommentare, die von verschiedenen Personen der Szene in Richtung Hellmuth getweetet worden waren – und zwar vor und nach dem Spiel. Aber es hat mich verwundert “Wo sind denn all das Vertrauen und die Unterstützung?” Ich habe ihn unterstützt, so wie auch die meisten Zuschauer im Rio. Wir wollten sehen, wie Hellmuth sein zwölftes Bracelet gewinnt und wir glaubten daran, dass er es schaffen wird. Ich vertraue auch darauf, dass die Poker-Industrie als Ganzes wollte, dass Hellmuth gewinnt. Aber viele Communities haben wohl daran gezweifelt, dass er das wirklich drauf hat.
Selbst ohne sein zwölftes Bracelet hält Hellmuth immer noch den Rekord für die meisten Bracelets mit 11 Stück. Nicht nur das, er sitzt an der Spitze des Leaderboards sowohl für die meisten WSOP Final Tables mit 41 und die meisten WSOP Cashes mit satten 80 (sein letzter Finaltisch wurde schon eingerechnet). Und man braucht nicht erwähnen, dass er ein Mitglied der Poker Hall of Fame ist. Sieht man all diese Leistungen als Ganzes, dann frage ich mich, warum so viele Leute so wenig Vertrauen in einen der größten Spieler der Geschichte der WSOP haben? Ich kann das Argument akzeptieren, dass diese Zweifel in Event #16 darauf beruhen, dass Hellmuth es einfach mit einem besseren Spieler, nämlich Juanda, zu tun hatte. Aber ich kann nicht verstehen, warum man so auf Hellmuth losballert, zumal er seit Jahren ein großer Pokerspieler ist.
Das sind nur ein paar Kritikpunkte, die ich über Hellmuth so aufgeschnappt habe in meiner kurzen Zeit in den Poker-Medien. Unglücklicherweise wird Hellmuth’s Unvermögen, Juanda zu bezwingen, neue Zweifel ankurbeln und seine Kritiker wieder laut machen. Das finde ich sehr ungerecht und absurd. Persönliche Einstellungen bezüglich seiner Einstellung seiness Verhaltes mal aussen vor gelassen, verdient es Hellmuth immer noch, als Poker-Elite gesehen zu werden.
In erster Linie ist Hellmuth auch mehr als erfahren in anderen Varianten, ausser Hold’em. Zugegeben, seine elf Bracelets sind allesamt in Hold’em Events, aber das bedeutet nicht, dass er in anderen Pokervarianten weniger geschickt ist. Wenn man sich seine 80 WSOP Cashes genauer ansieht, dann sieht man, dass ihm viele davon auch in Nicht-Hold'em Events gelangen und dass er vor Allem in den Mixed Games ein Experte ist. Mir ist das schon lange aufgefallen und ich sehe Hellmuth in absehbarer Zeit sein 12. Bracelet gewinnen und zwar in diesem Jahr und in einem Nicht-Hold’em Turnier - fast war es ja soweit.
Auch im Deuce-to-seven ist Hellmuth gewiss auch ein erfahrener Kenner. Sein aktueller Runner-up kam in einem Turnier zustand, von dem viele sagten, dass es das beste Teilnehmerfeld der WSOP 2011 bisher aufweisen hatte können. Sein Leistung war kein Glücksfall. Hellmuth wurde nämlich bereits schon einmal Zweiter in einem gleichen Event während der WSOP 1993 ($1,500 No Limit Deuce to Seven Lowball), wo ihm das Bracelet vom Lowball Experten Billy Baxter verweigert wurde. Mir ist es egal, ob jemand Stu Ungar, Johnny Moss oder Phil Ivey heisst, wenn man im Headsup gegen Baxter und Juanda verliert dann ist das sicherlich keine Schande.
Auch wenn man glaubt, Hellmuth wird langsam bedeutungslos, sprechen seine Ergebnisse das Gegenteil. Seit 2003 hat er jährlich mindestens $100,000 gewonnen, ausser im Jahr 2004. In den meisten Jahren konnte er diese Marke sogar weit übertreffen. Hier eine Statisik mit den Gewinnen seit 2003:
| Jahr | Gewinn |
| 2003 | $1,160,832 |
| 2004 | $96,441 |
| 2005 | $845,810 |
| 2006 | $1,271,502 |
| 2007 | $932,324 |
| 2008 | $1,156,544 |
| 2009 | $177,243 |
| 2010 | $427,656 |
Damit hat Hellmuth insgesamt $6,068,352 gewonnen und jährlich durchschnittlich $758,544 verdient. Das sind bessere Zahlen, als die von Johnny Chan ($3,732,803), Doyle Brunson ($3,741,449), Chris Ferguson ($5,714,866), Antonio Esfandiari ($4,456,402), David Chiu ($5,501,499) und Annie Duke ($3,755,287) aus der selben Zeitspanne. Wenn man also behauptet, dass Hellmuth nicht mehr richtig in Tritt kommt oder nicht mehr mithalten kann, dann wird das schwierig, ohne die anderen eben erwähnten Namen auch zu nennen. Ich gebe natürlich zu, dass Hellmuth 2009 ein unterirdisches Jahr hatte, aber 2010 kehrte er stark zurück und gewann mehr als doppelt so viel als im Vorjahr. Mit bisher $234,619 in Gewinnen für das Jahr 2011 ist Hellmuth auch dieses Jahr in der richtigen Spur, womit er zweifellos wieder in das Poker-Rampenlicht zurückgekehrt ist.
Ein weiterer Fakt, den viele verdrängen scheinen, ist wieviele Bracelets Hellmuth schon haben könnte. Um Ihnen einen Überblick zu verleihen, sei erwähnt, dass der Weltmeister von 1989 sechsmal Runner-Up wurde, vier Mal den dritten Platz belegte und zeimal Vierter wurde. Stellen Sie sich vor: Wenn die Dinge sich etwas anders entwickelt hätten, könnte er schon 22 Bracelets haben (Fügen Sie nochmal 19 dazu, denn so oft saß er am Finaltisch ohne unter die ersten Vier zu gelangen). Mir ist es egal, ob Sie Fan sind oder nicht – Das sind Tatsachen.
Hellmuth’s knappe Verfehlungen*
| Jahr | Event | Spieler | Platzierung |
| 2011 | Event #16 $10,000 2-7 Draw Lowball Championship | 126 | 2 |
| 2008 | Event #51 $1,500 H.O.R.S.E. | 803 | 3 |
| 2006 | Event #45 $1,500 No Limit Hold’em | 484 | 3 |
| 2006 | Event #9 $5,000 No Limit Hold’em | 622 | 2 |
| 2003 | Event #16 $1,500 Limit Omaha | 120 | 3 |
| 2002 | Event #9 $2,500 Heads-Up No Limit Hold’em | 28 | 2 |
| 2000 | Event #14 $2,500 Pot Limit Omaha | 100 | 4 |
| 1994 | Event #4 $1,500 No Limit Hold’em | 330 | 2 |
| 1993 | Event #20 $5,000 No Limit Deuce to Seven Lowball | 58 | 2 |
| 1992 | Event #18 $5,000 No Limit Deuce to Seven Lowball | 53 | 4 |
| 1992 | Event #4 $2,500 Limit Hold’em | 168 | 2 |
*Nur Platzierungen zwischen 2.-4.Platz berücksichtigt.
Hellmuth’s Enttäuschung über seinen letzten 2.Platz ist nachvollziehbar, aber meiner Meinung nach ist das keine Reflektion seines Könnens. Er hat sich mit 126 der besten Spieler weltweit gemessen und alle ausser einen besiegt. Egal ob Leute es berücksichtigen, oder nicht, Phil Hellmuth muss man immer auf dem Plan haben.
Was ist Eure Meinung über Hellmuth? Nutzt die Kommentare-Box unten und lasst uns wissen, wie Ihr denkt.
Ja der Mann ist einfach gut. Ich hatte mal die Gelegenheit den privaten Phil Hellmuth kennen zu lernen und war erstaunt wie bescheiden, ja beinahe schüchtern er ist wenn keine Kameras in Sichtweite sind.
Seine Erfolge sprechen für sich, da wo er schon vor Jahren war, werden viele die ihn abgeschrieben haben nie hinkommen.
Ein sehr guter Artikel ueber Phil Hellmuth.
Ich glaube der Neid vieler Leute hat damit zu tun, dass Phil sich immer aufspielt. Phil ist ein Egomane. Nehmen wir einen anderen Sportler - Roger Federer. Diesen Spieler moegen sehr viele Leute - auch alle seine Gegner, weil Roger immer versucht, bescheiden zu bleiben. Phil WILL NICHT bescheiden sein. Und er hat SEHR VIEL erreicht. Wer so weit oben ist - im Poker Olymp - und immer noch nach Bracelets jagt, hat zwangslaeufig sehr viele Neider. Und wie gesagt, sein Karakter macht es nicht eben leicht, ihn zu moegen, geschweige denn ihn zu lieben.
Aber statt sich mit seinem Karakter aufzuhalten, kann man einfach die Fakten anschauen, so wie es der Bericht macht. Und die Fakten sprechen eine deutliche Sprache!
Es wuerde mich nicht wundern, wenn in den naechsten 20 Jahren noch das eine oder andere Bracelet dazukommen wuerde. Auch wenn er nicht das "modernste" Poker spielt und ihm viele junge, talentierte, agressive SpielerInnen das Leben schwer machen werden. Es zeigt sich ja, dass er mit SEINEM Poker auch immer wieder sehr weit/deep kommen kann...
Ist ja sein Beruf ... aber wenn es um Armbänder geht, ist er sicher wieder top motiviert.
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