Oktober 12, 2010, Georg Steiner

Der Schweizer PokerStars Pro Rino Mathis hat sich nicht nur als Spieler, sondern auch als Veranstalter, Blogger und Botschafter seines Sports einen Namen gemacht. Wir haben die Gelegenheit genutzt und ihn zum Gespräch über Poker in der Schweiz, den Nationscup und überhaupt alles gebeten.
Rino, Du kommst als Titelverteidiger zum Nationscup nach Baden. Wie stehen die Chancen auf eine erfolgreiche Verteidigung?
Nun, ich bin leider schon raus, aber unsere Chancen sind noch intakt. Zwei Spieler unseres Teams sind noch gut dabei, ein weiterer hält gerade noch im Turnier. Unser Team hat den Nationscup ja schon zweimal gewonnnen und daher wissen wir was für eine gute Ausgangslage notwendig ist. Wir arbeiten mit einer Teamtaktik, bei der wir Rollen vergeben. Zwei Spieler haben ein Freilos, die spielen aggressiv draus los. Zwei weitere spielen defensiv. Das bedeutet, wenn bei einem Teammitglied etwas schiefläuft, können die anderen noch rettend eingreifen. Diese Rollen können bei Bedarf verändert werden um auf den Spielverlauf zu reagieren. Das hat bisher gut funktioniert und so konnten wir zweimal hintereinander den Nationscup gewinnen.
(Anmerkung der Redaktion: leider haben es Rino und sein Team in diesem Jahr nicht geschafft den Titel zu verteidigen)
Die schweizer Pokerspieler drängen international vermehrt ins Rampenlicht. Wie beurteilst du die Leistungen der jungen Wilden wie Anton Alleman und Stefan Huber?
Mich freut es unglaublich, dass in der kleinen Schweiz so starke Spieler herangewachsen sind. Wir haben sehr viele starke Jungs, die sich auch untereinander weiterbilden. Wir sehen es ja gerade beim Essen am Nebentisch, da werden noch die einzelnen Hände durchdiskutiert, davon profitieren alle. Von den jungen Spielern aus der Schweiz wird man sicher noch sehr viel hören.
Wie siehst du das Schweizer Pokerverbot außerhalb der staatlichen Casinos mit einigen Monaten Abstand? Sind die schlimmsten Befürchtungen eingetreten?
Es ist genauso gekommen wie ich es schon befürchtet hatte. Die Casinos profitieren, außer bei den ganz kleinen Turnieren, nahezu gar nicht davon. Die Leute gehen nicht ins Casino, um nicht vom Glücksspiel, also Roulette, Blackjack u.a. in Versuchung geführt zu werden. Die Clubs haben ihre Spieler verloren, diejenigen die spielen wollen gehen entweder ins benachbarte Ausland oder spielen illegal.
Welche Auswirkungen hatte die neue Gesetzgebung auf Dich als Turnierveranstalter?
Wir haben die Swiss Poker Masters abgesagt. Letztes Jahr hatten wir noch 5.000 Leute in acht Turniertagen, die diesjährige mussten wir im Juni abbrechen. Ich hätte sehr viele Angebote aus Österreich gehabt um weiterzumachen, doch das kam dann nicht in Frage, denn das Publikum ist in Zürich. Die ganze Aufbauarbeit ist zerstört, aber wir sind gerade noch mit zwei blauen Augen davongekommen. Es ist vor allem schade für die Spieler.
Ich denke es ist besser, wenn man Poker reglementiert, öffentlich zugänglich macht und kontrolliert, als wenn man es verbietet und in die Illegalität drängt.
Was steht auf Deinem persönlichen Pokerturnier Kalender am Programm?
Ich nutze eigentlich die großen Turniere zum Cash Game spielen, denn ich spiele viel lieber Cash Game als Turniere. Da bin ich flexibel, kann kommen und gehen wann ich will und muss mich nicht in ein Korsett zwängen lassen. Ich werde nächste Woche in Seefeld sein und Ende Oktober die EPT in Wien spielen. Ganz sicher werde ich auch die EPT in Barcelona spielen. Der Dezember wird dann ganz hart. Zuerst das Turnier in Bregenz, dann die Schweizer Casinomeisterschaft oder das Finale der Everest Poker 3 Länder Pokertour im Montesino und die WPT in Bratislava.
Ich spreche meine Teilnahme immer mit dem Sponsor ab, eine EPT hat natürlich immer Vorrang. Ich mache meistens eine 2 - 3 Monatsplanung voraus.
Wie lautet Dein persönliches Resümee des Jahres 2010 und was sind dein Pläne für 2011?
2010 ist für mich persönlich sicherlich mein schlechtestes Jahr bisher. Ich bin momentan in einem tiefen Tief, kann man schon fast sagen. Live läufts nicht, Turniere laufen nicht gut, das Cash Game geht halbwegs. Auch Online läufts nicht nach Wunsch. Da habe ich zumindest nichts verloren und das kann nicht Sinn und Zweck sein, wenn man so viele Stunden investiert. 2010 ist ein Jahr zum Vergessen.
Ich werde nächstes Jahr einiges ändern. Nicht unbedingt spieltechnisch, sondern vom Aufbau. Ich war dieses Jahr lange verletzt und ich merke, das hat Einfluss aufs Spiel. Wenn du physisch nicht auf der Höhe bist, dann bist du auch mental nicht topfit und das wirkt sich auf das Spiel aus. Ich werde daher in nächster Zeit wieder täglich trainieren. Es kann nur noch besser werden, schlechter geht fast nicht mehr.
Dann wünsche ich Dir alles Gute, vielen Dank für das Gespräch!
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