
Am Montag war der zweite Tag des dritten Events der World Series of Poker Europe, einem Bankrollfreundlichem £1,000 No-Limit Hold'em Event. Nur 80 Spieler konnten sich von den ehemals 582 Startern für Tag zwei durchsetzen und bildeten ein spannend besetztes Feld aus bekannten und weniger bekannten Spielern die unter sich den Final Table ausspielen sollten. Das erwartete Gemetzel des Feldes war endgültig vorbei um 2:00 GMT und Kaveh Payman durfte zum Schluss des Tages die meisten Chips eintüten. Seine 434.000 Chips geben ihm einen angenehmen Puffer von 65.000 Chips zu seinem nächsten Verfolger und er dürfte wohl eindeutig das Tempo bestimmen wenn die Spieler sich morgen zum Finale treffen werden.
Platz 1: Karim Jomeem - 109,000
Platz 2: Scott Shelley - 148,000
Platz 3: Nicky Katz - 150,000
Platz 4: Paul Ian Pitchford - 77,000
Platz 5: Jeppe Brisgaard - 171,000
Platz 6: Mehdi Senhaji - 369,000
Platz 7: Kaveh Payman - 434,000
Platz 8: JP Kelly - 242,000
Platz 9: Jack Lyman - 55,000
Genauso wie sein Gegenstück in Las Vegas, versprüht die WSOPE einen starken und extrovertierten internationalen Style mit Spielern die aus allen Ecken der Welt kommen um Teil dieses größten aller Pokerevents zu werden und sich vielleicht eins dieser fünf heiss begehrten Goldarmbänder zu sichern. Was der amerikanischen Version der Series leider auf Grund der Größe fehlt, sind echte Lokalmatadore und deren Anhänger die eine echte Identität zum Veranstaltungsort erzeugen. Klar sind Amerikaner omnipräsent auf sämtlichen Podien und Galerien des Amazon Rooms aber als die Series weiter wuchs, rückte das Land des Spielers immer mehr in den Hintergrund, da die WSOP ein riesiges internationales Feld anlockte. In London gibt es keinen Engpass an lokalen Spielern die es auch gut hinbekommen haben einige der Bracelets nicht außer Land zu lassen. Allein zwei Drittel der Final Table Teilnehmer haben einen Britischen Pass aber von den letzten sechs Briten sticht einer aus dem Rest hervor.
Mit JP Kelly ist der Titelverteidiger dieses Events am Final Table und mit diesem Back-to-Back Erfolg beschert er der britischen Pokerwelt einen Triumph sondergleichen. Kelly erschien das erste Mal in der Pokerlandschaft kurz vor seinem letzten Titel als er mit 23 Jahren sich sein erstes Bracelet im $1.500 Pot-Limit Hold´em Event in Las Vegas sicherte. Drei Monate später folgte dann der nächste Titel bei der WSOPE und damit wurde er der zweite Spieler der es schaffte sich auf beiden Seiten des Ozeans ein Bracelet zu holen. Das war beim £1,000 No-Limit Hold'em Event 2009 und in 2010 versucht er den Titel zu verteidigen.
Sind Sie immer noch nicht beeindruckt? Da gibt es noch einiges mehr. Kelly wird 24 Jahre, 7 Monate und 11 Tage alt sein wenn am Dienstag der Final Table ausgespielt wird. Wenn er sich das Bracelet holt wäre er damit der jüngste Spieler der jemals drei WSOP Titel sein eigen nennt. Bisher ist Phil Ivey der Rekordinhaber, allerdings war er ein vergleichsweise alter Mann mit seinen 26 Jahren, 3 Monaten und 2 Tagen im Vergleich zu Kelly.
Diesen Rekord zu brechen, müsste schon eine nette Herausforderung sein wenn man JP Kelly heißt. Ein Sieg am Dienstag würde ihn außerdem in den erlauchten Kreis der Bracelet Verteidiger erheben von denen es bisher auch nur vier gibt, das letzte Mal noch vor dem großem Moneymakerboom 2003:
Doyle Brunson: $10,000 Main Event 1976, 1977
Stu Ungar: $10,000 Main Event 1980, 1981
Johnny Chan: $10,000 Main Event 1987, 1988
Phil Hellmuth: $5,000 Limit Hold'em 1992, 1993
Klar ist, mit neun Spielern steht noch einiges an Arbeit vor ihm, aber ein Sieg würde ihm zu einem weiteren jungen Superstar Britanniens machen und Kelly´s hervortreten in der Pokerwelt würde sich auch ausserhalb der Insel bemerkbar machen. Ein Sieg am Dienstag würde einen beeindruckenden und potentiell sehr langlebigen Rekord aufstellen und es ist nicht ausgeschlossen das er damit James Akenhead als englisches Pokerflagschiff ablöst.
Ach stimmt, es gab ja noch Tag 2! Kelly holte sich eine Masse an Chips als er in zwei Pötten den November Niner Matthew Jarvis eliminierte. Ab da musste er über Stunden nicht all zuviel veranstalten bis er in der Mitte des Tages mit ca. 15 Big Blinds ein wenig unter Zugzwang kam. Dort fand er dann allerdings schnell den Doppler mit Neunern gegen die Siebener von Mehdi Senhaji. Das Board brachte keine Überraschungen und brachte Kelly das erste Mal im Turnier auf über 100.000 Chips. Damit hatte er nun wieder genug um Druck zu machen. Xian Tan war der erste der das zu spüren bekam, als Kelly effektiv 45.000 Chips aus dem Small Blind pushte. Tan callte schnell mit Pocket Fünfern und sah sich Kelly´s
gegenüber. Kelly turnte den Flush, was ihn auf über 160.000 Chips brachte bei verbleibenden 16 Spielern. Der nächste kleine Schritt waren 185.000 Chips, dieser boost kam als er alle verbleibenden Chips von Leonard Truche mit 
gegen 
in die Mitte brachte.
Der
Flop reichte schon fast aus um den Chipleader von Tag 1c auf Platz 14 hinaus zu befördern. Ab da schoss Kelly zielstrebig hoch auf 269.000 Chips und kurze Zeit später musste Stephen Broomfield dran glauben, dessen
nicht gegen Kelly´s 
ausreichte, da dass Board nichts anderes als Blanks brachte und somit Broomfield auf Platz 12 ausschied.
Ab da lehnte sich Kelly zurück und tütete am Ende des Tages 242.000 Chips ein, was ihm Platz 3 beschert und ihn noch 8 Gegner von einem Eintrag in die Rekordbücher trennen.
Obwohl wir uns hier auf einen Spieler fokussierten, waren tatsächlich noch andere erwähnenswerte Spieler an Tag 2 unterwegs. Montag hatte Andrew "LuckyChewy" Lichtenberger Geburtstag, allerdings sah das Geschenk des Pokergotts so aus, dass er ihm kurz vor der Bubble Könige bescherte die direkt in Asse rannten und nicht trafen. Dominik Nitsche, Scott Fishman und Toby Lewis überdauerten zwar einen Moment länger als Lichtenberger, schafften es aber noch nicht in die Geldränge. Insgesamt 54 Spieler wurden bezahlt und Manig Loeser, Tommy Vedes, Allen Kessler und Kyle "kwob20" Bowker hatten einen frühen Feierabend am Leicaster Square, allerdings durften sie ein wenig Geld mit nach Hause nehmen. Stephen "stevie444" Chidwick, Anton Wigg und Keith "The Camel" Hawkins erlebten zwar einen Deeprun, allerdings blieb ihnen ein Platz am Final Table verwehrt.
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