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PokerNews Meinung: Das 2010 WSOP Tournament of Champions – Alles begann im Jahr 2004

Poker Geld

Es gibt einen Grund, warum Demokratie so schwierig ist. Ob es sich um eine Präsidentenwahl, das Finale von Deutschland sucht den Superstar oder die Abstimmung für die Sitze beim World Series of Poker’s Tournament of Champions handelt, man bekommt nicht immer die Ergebnisse, die man erwartet. Fragen Sie mal die Unterstützer von John McCain, Crystal Bowersox, oder einer der vielen jungen Poker-Legenden, welche bei der entscheidenden Abstimmung feststellen mussten, dass ihr Wunschkandidat es nicht geschafft hat.
Der durchschnittliche Poker-Fan ist sicherlich nicht wirklich über die Ergebnisse der Abstimmung für das 2010 WSOP Tournament of Champions überrascht. Insgesamt betrachtet handelt es sich um eine Auswahl der bekanntesten Poker-Stars aus den Glanzzeiten der Poker TV-Übertragungen. Für die Insider im Rio und in den Pokerforen dieser Welt, ist dieses Ergebnis allerdings etwas enttäuschend. Ich war ebenso enttäuscht, im speziellen, weil ich mir soviel Mühe gegeben hatte, meine Kandidaten auszuwählen. Wo sind die jungen Super-Stars; die Jason Merciers und die J.C. Trans dieser Poker-Welt? Wo sind die europäischen Spieler, wie z.B. Peter Eastgate oder Max Pescatori? Und nun denken Sie mal kurz nach --- schaffte es Sammy Farha unter die Top 20? War er nicht vor kurzem mal wieder in Las Vegas gewesen und hatte vor ein paar Wochen ein Bracelet gewonnen, Farha wäre auf dieser Liste genau die richtige Wahl gewesen. Jetzt mal ernsthaft, Farha wird berücksichtigt, aber Chris Moneymaker nicht? Falls Sie es vergessen haben sollten, er ist der Grund, warum die meisten von uns heute überhaupt im Amazon-Room sitzen.

Anstatt die Champions des heutigen Games zu repräsentieren, handelt es sich bei den Teilnehmern des 2010 um einen Rückfall in die Pokerszene vor 6 Jahren. Damals hatte Howard Lederer noch Poker gespielt, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und er hatte sogar einige Turniere gewonnen. Nun muss man ihn schon mit siebenstelligen Bracelet-Wetten dazu bringen, auch nur einen einzigen Tag im Rio zu verbringen. Lederer hatte sein letztes offenes Event (mit mehr als 25 Teilnehmern) im April 2004 gewonnen und schaffte es nun trotzdem gewählt zu werden. Johnny Chan hat zwar 10 Bracelets und zwei Main Event Titel gewonnen, war aber bei der diesjährigen WSOP nicht wirklich aktiv. Er hat bisher erst an zwei Events teilgenommen.
Außerdem schafften es zwei Spieler unter die Top 20, die ich wegen ihres unmöglichen Benehmens niemals für die Abstimmung zugelassen hätte. T.J. Cloutier hatte es doch tatsächlich am Anfang dieses Jahres gewagt, eines seiner Bracelets zu verpfänden und Cake Poker musste es dann schließlich für ihn auslösen. Ein Spieler, der ein Bracelet in dieser Art und Weise entwürdigt, sollte nicht noch belohnt werden, indem er ein Ticket für ein $1 Million Freeroll geschenkt bekommt. Das gleiche gilt für Scotty Ngyen, der sturzbetrunken war, als er im Jahr 2008 die Player’s Championship gewann. Sein Benehmen war eine Beleidigung für die Poker-Legende Chip Reese, zu dessen Ehren dieses Event veranstaltet wird. Sollte in diesem Fall seine Popularität wichtiger sein, als die Respektlosigkeit, mit welcher er in dieser Nacht die gesamte Pokerszene blamierte?

Wie ich bereits erwähnte, bei einer Wahl gewinnt halt nicht immer der eigene Kandidat. Bei dieser speziellen Wahl gab es nur eine einzige Teilnahmevoraussetzung - der Gewinn eines Bracelets. Wenn man also 5.130 Leute mobilisiert hätte und diese hätten für Russ Hamilton gestimmt, hätte er den Sitz erhalten und nicht der auf Platz 20 gewählte Antonio Esfandiari. Richtig, 5.130 Stimmen. Ein zweifacher Bracelet-Gewinner sagte zu mir, als die Sitzverteilung bekannt gegeben wurde: “Wenn ich gewusst hätte, dass 5.000 Stimmen ausreichen würden, hätte ich viel härter daran gearbeitet, um dieses Ziel zu erreichen. Ich dachte eigentlich das ganze wäre aussichtslos.

Im ersten Jahr der Sitzverteilung durch eine öffentliche Abstimmung, war der Schlüssel zum Gewinn eines TOC Sitzes in der Häufigkeit des Auftretens in den Mainstream-Medien bedingt. Die Kampagnen in den sozialen Netzwerken oder die selbstgedrehten Werbe-Videos waren definitiv nicht für die Anzahl der jeweiligen abgegebenen Stimmen verantwortlich. Es waren vielmehr die regelmäßigen TV-Auftritte in den letzten Jahren, welche für gute Abstimmungsergebnisse sorgten. 65% der Spieler, welche letztendlich gewählt wurden, machen oder machten TV-Werbung für Online Poker Rooms (Harman, Phil Ivey, Daniel Negreanu, Doyle Brunson, Phil Hellmuth, Chris Ferguson, Allen Cunningham,John Juanda, Erik Seidel, Howard Lederer, Joe Hachem, Greg Raymer und Antonio Esfandiari).

Wie schnitten meine Kandidaten ab? Sechs von den insgesamt 20 Spielern, für die ich gestimmt hatte, schafften es sich zu qualifizieren (Brunson, Negreanu, Seidel, Cunningham, Juanda und Greenstein). Nichts gegen diese Spieler, es handelt sich bei allen um wahre Legenden des Pokers, aber wenn ich so recht überlege, hätte ich meine Stimme vielleicht für weniger bekannte Spieler abgeben sollen, welche jede Stimme benötigt hätten. Ich bin immer noch ein großer Fan davon, die Sitze für das TOC durch eine öffentliche Wahl zu vergeben, ich wünschte nur die neuen Spieler hätten eine gleichgroße Fangemeinde, wie die durch das TV bekannt gewordenen Poker-Oldies. Bei zukünftigen Wahlen für das TOC sollte das Teilnehmerfeld vielleicht so eingrenzt werden, dass auch einige neue Bracelet Gewinner eine Chance haben gewählt zu werden. Wenn man z.B. zu dieser Wahl nur Spieler zulassen würde, welche in den letzten 5 Jahren ein Bracelet gewonnen haben, würde dies dazu führen, dass auch aktuellere TV-freundliche, populäre Spieler eine Chance hätten. Negreanu und Juanda gewannen im Jahr 2008 Bracelets. Seidel, Cunningham und Hellmuth gewannen im Jahr 2007. Und Phil Ivey gewann sein achtes Bracelet sogar erst vor wenigen Tagen. In diesem Szenario hätten auch Spieler wie Brock Parker, Eric Baldwin und Jason Mercier die Chance gewählt zu werden.

2003-2005 war die Glanzzeit des TV-Pokers. Die Zuschauerzahlen waren am höchsten, die Popularität des Games hatte ihren Zenit erreicht, die Werbe-Dollars flossen ungehemmt und niemand dachte an den UIGEA. Das Teilnehmerfeld des diesjährigen TOC ist ein nostalgischer Rückblick auf die Ära des Poker Post-Booms und erinnert aber gleichzeitig daran, dass das Publikum eigentlich genau diese Spieler sehen möchte. Am Tag 1 sitzen am ESPN TV-Tisch ein Bruder/Schwester Duo, ein typischer Kanadier, ein Craps-Abhängiger, ein Magier, ein Franzose und ein Spieler, der nie ohne eine Flasche Michelob Ultra Bier am Spieltisch zu finden ist.
Es sollte auf jeden Fall unterhaltsam werden.

PokerNews wird natürlich beim Tournament of Champions mit dabei sein. Alle aktuellen Updates finden Sie wie immer auf unserer WSOP Live Reporting Seite.

Anmerkung: Die hier wiedergegebene Meinung ist die Meinung des Autors und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung von PokerNews wieder.

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