
Die wichtigste Story der diesjährigen World Series of Poker dreht sich nicht darum, dass jemand ein Bracelet gewonnen hat. Die Story dreht sich darum, dass jemand kein Bracelet gewonnen hat.
Die meisten von uns ärgern sich bei den vorderen Platzierungen über die hohen Unterschiede beim Preisgeld. Mit dem Preisgeld für Platz 7 könnten Sie sich ein neues Auto kaufen, mit dem Preisgeld für Platz 3 wäre schon ausreichend Geld für ein neues Haus vorhanden. Für viele Pros, die in diesem Sommer an der WSOP teilnehmen, ist jedoch der Gewinn eines Bracelets wichtiger als das eigentliche Preisgeld. In dieser Woche fieberten die Fans mit Tom “durrrr“ Dwan, der einen Run auf sein erstes Bracelet hatte, was ihm eine Auszahlung eingebracht hätte, die in keiner Preisgeldtabelle zu finden gewesen wäre.
Der zweite Platz bei Event #11, $1.500 NLHE brachte ihm ein Preisgeld in Höhe von $381.885 und der Erstplatzierte erhielt $614.248, ein Unterschied von $232.363. Um den Unterschied bei den Preisgeldern einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten – diese Summe entspricht gerade mal einem der hohen Pötte, um welche Dwan regelmäßig bei den Full Tilt Pot Limit Omaha Games spielt. Eric Seidel schrieb bei Twitter, dass Durrrr nur einen Spieler davon entfernt gewesen wäre das WSOP Main Event schon 5 Monate vorher zu gewinnen. Es wurde behauptet, dass Dwan aufgrund seiner Bracelet-Wetten $9 Millionen gewonnen hätte, falls er bei diesem Event siegreich gewesen wäre. Am folgenden Tag sprach Mike Matusow in einem Interview darüber, dass die Summe ca. $12,5 Millionen betragen würde. Hätte ein Sieg bei diesem Event zu einigen Bankrotts in der Pokerszene geführt? Vielleicht schon.
Die WSOP entwickelt sich fast so beständig wie das Pokerspiel selbst. Es war schon immer ein Testfeld - ein Ort wo man sich trifft, zeigt was man kann und versucht in die Elite der Braceletgewinner aufzusteigen. Bedingt durch die vielen Amateurspieler, welche in der Post Moneymaker Ära an der WSOP teilnehmen, ist dieses Pokerfestival für die Pros wesentlich gewinnbringender geworden. Ausschlaggebend ist nicht nur die Möglichkeit ein Bracelet zu gewinnen, die gestiegenen Preispools (vor allem bei No Limit Events mit vielen Teilnehmern) spielen natürlich ebenfalls eine Rolle. Dann ist da noch die Sache mit den TV Übertragungen. In den Jahren 2004, 2005 und 2006 zeichnete ESPN eine große Anzahl der Preliminary Events auf. Viele Cash Game Spieler nutzten die Gelegenheit und beschäftigten sich ernsthaft mit der WSOP, natürlich immer in der Hoffnung sich für einen TV Final Table zu qualifizieren. Für die einen ging es dabei um die Chance auf Sponsorenverträge, wahrend andere Spieler, wie z.B. Chip Reese, einfach nur wollten, dass ihre Kinder sie mal im Fernsehen spielen sehen.
Im Laufe der letzten zwei oder drei Jahre hat sich die WSOP wesentlich weiterentwickelt, im speziellen für die Nosebleed Stakes Spieler, die regelmäßigen Spieler aus dem Bobby's Room und für die gesponserten Pros. Eine Menge dieser Pros haben es an die TV Final Table geschafft und haben mittlerweile Sponsorenverträge erhalten. Einige von ihnen haben ihr Geld in Geschäfte investiert, welche soviel abwerfen, dass sie eigenlich nie wieder Karten spielen müssten. Andere haben ihr Glück beim Spielen Online gefunden. Ein WSOP Bracelet ist immer noch genauso wichtig wie früher; jeder Pro ohne ein Bracelet will eins gewinnen und jeder Pro mit einem Bracelet, will noch ein weiteres gewinnen. Der Hauptgrund, warum die Pros daran teilnehmen, besteht darin, dass es sich dabei um einen Spaziergang am Rand einer Klippe handelt, Adrenalin pur. Das Preisgeld spielt natürlich ebenfalls eine Rolle und wenn man verliert tut es immer weh.
Die Bracelet Wetten näher betrachtet.
Phil Ivey möchte nicht herum sitzen und ein $1.500 No-Limit Event mit 3.000 Spielern grinden. Es macht für ihn keinen Sinn ein $2.000 Omaha 8-or-better Event zu spielen, wenn das Preisgeld gerade mal so hoch ist, wie der Buy-In für seine sonstigen regelmäßigen Games. Wenn aber Wetten mit im Spiel sind, spielt er diese Events trotzdem. Im letzten Sommer erhielt er für den Gewinn seines 7. Bracelets beim $2.500 2-7 Lowball Event ein Preisgeld in Höhe von $96.367, zusätzlich gewann er aber noch 3 bis 6 Millionen mit Side Bets.
Bei der 2010 WSOP ist die Messlatte für Bracelets Wetten unendlich hoch gelegt worden. Spieler wie Ivey und Dwan brauchen scheinbar den Nervenkitzel von astronomischen Swings und können deshalb der Bracelet Wettaction nicht widerstehen. Die Summen, die in diesem Jahr im Rahmen von Bracelet Wetten gesetzt wurden sind einfach nur unglaublich und übertreffen alles dagewesene um Längen. Wenn Dwan ein Bracelet gewinnt, wird er eine achtstellige Summe erhalten. Howard Lederer hat mit Phil Ivey gewettet, dass dieser bis zum Ende der WSOP 2011 keine zwei weiteren Bracelets gewinnen wird. Der Einsatz? $5 Millionen.
Sicher, diese Wetten sind ungeheuerlich. Sicher, es ist irgendwie krank, dass $10.000 oder sogar $100.000 für diese Spieler kein Anreiz sind. Ich war letzte Nacht im Amazon Room und beobachtete 170 Spieler beim $10.000 Seven-Card Stud Hi-Lo Event, einige der Spieler interessierten sich nicht wirklich für die vor ihnen liegenden Karten. Jeder sprach nur über Dwan. Alle Spieler verfolgten gespannt, wenn der WSOP Mitarbeiters Robbie Thompson Einzelheiten zum Spiel von Dwan bekannt gab. Jeder interessierte sich für Dwan's Spiel und wollte dessen Karten auf den Monitoren sehen. Diese Spannung hatte man das letzte Mal gesehen, als Phil Ivey letztes Jahr am Final Table der WSOP saß.
Für mich war das Bemerkenswerteste nicht der Betrag, den die Poker Community nun nicht zahlen muss. Es war auch nicht der Anblick von Mike Matusow und Daniel Negreanu, die vor Freude durch den Amazon Room sprangen, weil ihnen die Zahlung einer Wettschuld erspart geblieben ist. Es war die Tatsache, dass Dwan am nächsten Tag um 15:00 Uhr schon wieder beim nächsten Turnier ($10K Stud 8) am Spieltisch saß. Er lachte, machte Späße, er war alles andere als niedergeschlagen. Und erneut befindet er sich in seiner Lieblingssituation – bei einem Spaziergang am Rand einer Klippe.
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