
„Metropolis“ soll das ehrgeizige Megaprojekt vor den Toren Bratislavas, nahe der österreichisch-ungarischen Grenze, heißen. Die Idee von Harrah’s Entertainment und dem ungarischen Bauherren Sándor Demján, stößt aber auf wenig Begeisterung, vor allem die Bevölkerung wehrt sich nun gegen die Pläne. Schon einmal gab es den Traum von einem europäischen Las Vegas – das war 2007 in Slowenien. Doch schon vor dem Baubeginn ist das Projekt geplatzt. Auch damals stand Harrah’s Entertainment hinter den Casino Plänen - droht „Metropolis“, nur zwei Jahre später in der Slowakei, nun das gleiche Schicksal?
„Ein Kreuzzug gegen Metropolis“ so die Überschrift des Artikels in der österreichischen Tagezeitung „Die Presse“, der den Widerstand der slowakischen Bevölkerung dokumentiert. Denn die Politik war in Zeiten der Wirtschaftskrise über ein Investitionsvolumen von € 1,5 Milliarden höchst erfreut – so zumindest der slowakische Finanzminister Ján Počiatek. Diese Meinung teilt jedoch nicht die Bevölkerung.
Laut „Die Presse“ seien bereits mehr als 60.000 Unterschriften gegen das „Metropolis“ Projekt gesammelt. Der Grund dafür sei die Sorge um die Jugend und ihre Moral – vor allem aus dem christlichen Lager käme harsche Kritik. Dabei seien nicht ausschließlich Casinos geplant, es würde ein Komplex aus Hotels, Entertainment und Luxuswohnungen für ca. 3.500 Menschen sein, der auch Casinos beherbergen würde.
Das rundherum würde letztlich einen Glücksspiel-Megaplex kaschieren, so besorgte Bewohner aus Bratislava. „Kein anständiger Mensch gibt dazu seine Zustimmung!“ – so eine aufgebrachte Mutter gegenüber der Presse.
Durch den heftigen Widerstand dürfte nun auch der Druck auf die Regionalpolitiker steigen. Der Bürgermeister von Bratislava, Andrej Ďurkovský, will nun anscheinend nur ein „Metropolis“ ohne Casinos. Das hat auch der Gemeinderat beschlossen und somit das Bauvorhaben gestoppt.
Mit so einer Gegenwehr haben weder Harrah’s Entertainment noch Demján gerechnet. Die dürften jetzt überlegen, wie sie das Projekt noch retten können, ohne es kippen zu müssen. Auch die jüngsten politischen Spannungen zwischen der Slowakei und Ungarn. Wir erinnern uns: erst letzten August wurde dem ungarischen Präsidenten Laszlo Solyom die Einreise in die Slowakei verwehrt um an einer Gedenkfeie teil zu nehmen. Das brachte allerdings das heikle Thema „Die Slowakei im Umgang mit ungarischen Minderheiten“ auf den Tisch. Die Slowaken sahen sich mit einem Vorwurf konfrontiert, den sie so nicht gelten lassen…ein Schlagabtausch, der auf wenig diplomatische Weise zu Spannungen führte, die bis heute nicht vergessen sind.
So wundert es nicht, dass der ungarische Bauherr Demjáns bei aller Kritik kleinlaut kontert. Im Gespräch mit „Die Presse“ meint dessen Slowakei-Chef: „Von den 1,2 Millionen Quadratmetern des gesamten Komplexes seien nur 27.365 Quadratmeter für das Casinoviertel vorgesehen, es gehe also bei Weitem nicht nur um Glücksspiel.“ Vielmehr wolle man sich auf Kongress-Tourismus konzentrieren.
Wer sich aber nur halbwegs mit Investitionsgeschäften in der Glücksspielbranche beschäftigt weiß, dass natürlich aus den Casinos der meiste Gewinn abfallen wird. Kein Wunder, dass trotz „geringem“ Quadratmeter Anteil der Fokus darauf gelegt wird. Ob die Kritik der Bevölkerung berechtigt ist bleibt aber zu bezweifeln, denn die befürchtete Kriminalitätsrate dürfte weniger von Casinos, denn der hohen Arbeitslosigkeit herrühren. Mit knapp über 10% ist sie im EU-Vergleich das Schlusslicht. Auch wenn die offiziellen Zahlen rückläufig sind, Arbeitsplätze sind rar und das Einkommen im EU-Schnitt immer noch niedrig.
Abhilfe könnten hier neue Projekte schaffen, auch wenn es Arbeitsplätze von ausländischen Investoren sind und auch wenn das manch besorgter Mutter nicht schmecken mag...
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