
PokerNews hat sich in der Pokerszene umgehört und interessante Antworten und Meinungen zum Raubüberfall auf die European Poker Tour Berlin erhalten:
Thomas Lamatsch – European Poker Consulting und Poker Manager
Natürlich war ich, wie alle meine Freunde sehr schockiert über diesen Vorfall und ich hatte ja „das Glück“, dass ich schon am Freitag aus Berlin abgereist bin.
Das Wichtigste ist natürlich, dass niemand ernsthaft verletzt wurde und die Summe, die gestohlen wurde, ist nebensächlich. Einige Personen stehen unter Schock und hatten schreckliche Angst. Daher ärgern mich am meisten Kommentare auf Facebook und anderen Seiten, wie „ Die Dealer liefen davon wie die Hasen“. Letztklassige und dumme Aussagen….
Schon bei dem letzten Meeting der Turnierdirektoren in London war die Sicherheit ein Thema und uns ist immer allen bewusst, dass so etwas passieren kann.
Daher sind alle Mitarbeiter angewiesen das Geld ohne Widerstand heraus zu geben.
Im professionellen Poker geht es um sehr viel Geld und dies zieht leider auch die Kriminellen an und die Sicherheitsvorkehrungen sind immer sehr hoch und daher ist auch noch nie viel passiert! Gegen 5 „Amokläufer“ mit Macheten und Sturmgewehren kann man sich schwer erwehren. Denn auch eine Sicherheitsschranke kann diese bewaffneten Verbrecher nicht aufhalten.
Wichtig ist, dass man das Geld entfernt von den Gästen verwahrt und so die Sicherheit aller Teilnehmer gewährt ist. Für das Snowfest im Alpine Palace, bei dem ich auch im Organisationsteam bin, gibt es schon vorab einen Sicherheitsplan, wie Polizeischutz, das Geld wird regelmäßig in die Bank gebracht und vieles mehr!
Verhindern kann man solche Überfälle nur, wenn man wenig Bargeld aufbewahrt und die Überwachungsanlagen, wie Kameras, Alarmsyteme direkt zur Exekutive vorhanden sind und während der Registration ausreichend Polizeischutz aufbietet. Dadurch macht man einen Überfall unattraktiv!
Ich fühle mich bei allen Turnieren immer sehr sicher, sei es in Bukarest, San Remo, Venedig oder auch in Berlin und werde mich auch in Zukunft noch sicherer fühlen!
Die Sicherheitsvorkehrungen werden noch weiter erhöht werden und wir konzentrieren uns alle wieder um BadBeats und PotOdds….was ja auch viel mehr Spaß macht.
Stefan Huber – Pokerspieler aus der Schweiz, der zum Zeitpunkt des Überfalls am featured Table des Main Events saß
Den Vorfall hab ich zuerst gar nicht wirklich wahrgenommen, da ich am featured Table erstens in einer Hand involviert gewesen bin und der Tisch zweitens abgeschirmt war und man nichts von dem Vorfall und der Panik mitbekam. Man hörte einfach Geschrei und wie dann auf einmal alle Leute Richtung Notausgang gestürmt sind, die Tische umgeworfen und die Chips am Boden verteilt wurden... Daraufhin sind wir dann auch aufgestanden und irgendwann Richtung Notausgang geflüchtet. Ich hatte keine Ahnung was geschah: Amoklauf? Einsturz des Gebäudes? Überfall? Ging wohl den meisten so, deshalb reagierten fast alle so panikartig.
Um so etwa zu verhindern müsste man entweder mehr Sicherheitsleute anstellen oder alle EPT’s in Casinos durchführen, wo die Sicherheit schon garantiert ist. Weiters sollten die Einzahlungen nicht direkt neben dem Spielsaal gemacht werden können.
Erich Kollmann, Full Tilt Poker Pro
Was in Berlin passiert ist, werde ich wohl nicht so schnell vergessen können. Ich sitze hier wieder daheim vorm Computer und denke an die fürchterlichsten Minuten in meinem Leben zurück.
Ich war am Samstag noch beim PLO Event dabei, jedoch kurz nach 14 Uhr, wir waren noch so um die 13 Spieler, passierte dieser unglaubliche Raubüberfall bei der EPT in Berlin. Mein Tisch war nur so um die 30 Meter entfernt vom CASHIER Desk, nur durch eine Tür getrennt, als plötzlich lauter Lärm von draußen zu hören war.
Ich sah dann nach was los war, dachte an einen kleinen Zwischenfall. Ich brauchte ein paar Sekunden bis ich überhaupt checkte was los war. Ein Security kämpfte wie ein Löwe gegen einen mir nicht sichtbaren Gegner, bis auf einmal hinter dem Cashier Desk zwei vermummte und bewaffnete Räuber auftauchten. Sie waren gerade dabei den Tresor aus zu räumen.
Es ging alles so blitzschnell, momentan stand ich da wie angewurzelt, ein schwerer Raubüberfall am helllichten Tag in Berlin, in einem Luxus-Hotel am Potsdamer Platz. Als der Security bei der Flucht der Gangster den letzten überwältigen konnte und die anderen schon außer Sicht waren wollte ich ihm zu Hilfe eilen. Eine Waffe lag neben den beiden am Boden, doch plötzlich sah ich aus dem Augenwinkel einer der Gangster zurück eilen und ich wich wieder zurück. Ich checkte dann, dass mein Leben auf dem Spiel steht und ich den Security momentan nicht helfen konnte.
Gott Sei Dank ist ihm dann nicht viel passiert, er dürfte dann gemerkt haben, dass es besser ist den Gangster laufen zu lassen, als sein Leben aufs Spiel zu setzen.
Das Turnier spielte ich dann zwar nach ein paar Stunden weiter, doch irgendwie teilnahmslos und noch schwer geschockt. Es wurde schlussendlich der 7.Platz, aber das war eigentlich komplett unwichtig an diesem Tag.
Für die Zukunft wäre es wohl am besten, wenn man einfach bargeldos zahlen könnte, mit Überweisung, oder anders.
Rino Mathis, Schweizer Poker Pro
Ich sass gerade am Final Table des Side Events und hatte bei Blinds von 4k/8k/1k mit AT auf 18k geraist. Thorsson hatte im Small Blind auf 52k gereraist und der Big Blind überlegte gerade, was er mit seinem Stack von 45k anfangen sollte. Da brach plötzlich Tumult aus. Leute kamen auf uns zugerannt, Frauen kreischten, einige Spieler versteckten sich unter den Tischen. Viele rannten durch die Küche raus auf die Strasse und auch ich marschierte relativ schnell zum Hinterausgang raus. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir nur etwas von Waffen gehört, was wirklich los war haben wir erst später mitbekommen. So gegen 17 Uhr wurde unser Turnier fortgesetzt, die Hand zwischen Thorsson und mir wurde annuliert. Zum Glück, er hielt nämlich AA."
Hat sich eher wie ein Erdbeben angefühlt, nachdem ca. 600 Personen auf einmal in eine Richtung rannten, wackelte der ganze Raum. Ein Deutscher Kollege von mir, wollte die Waffe auf die Seite schieben, ging dann aber paar Schritte zurück, als der eine mit der Manschette kam. Draussen waren alle ein bisschen durch den Wind, der eine flog die Treppe runter, Frauen haben beim Rennen die Schuhe verloren oder abgebrochen und einige waren ziemlich geschockt. Aber eben, der ganze Tumult war unnötig, da die Aktion zu diesem Zeitpunkt ja schon vorbei war.
Die Spieler hat das ganze nicht gross gestört, die wollten einfach wieder in den Raum zurück und spielen (typisch Spieler eben).
Das Frauenturnier wurde nicht abgebrochen wie einige behaupteten. Das Sideevent (1000er wurde leider abgebrochen und nicht neu angesagt), ebenso das Charity-Event „Allin 4 kids“, wird voraussichtlich in Saalbach nachgeholt.
Edgar Stuchly, Casinos Austria Poker Manager
Natürlich bin auch ich über den Vorfall bestürzt. Ich war ja selbst bis am Tag vorher bei der EPT in Berlin. Ich habe aber einfach zu wenig Information, um ein offizielles Statement abgeben zu können. Ich gehe aber davon aus, dass die Verantwortlichen den Vorfall ganz genau analysieren und für die Zukunft sicher die richtigen Entscheidungen treffen werden.
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