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Teenager im Glücksspiel Taumel

spiel

Die Stadt Hamburg wollte die aktuelle Spiele-Situation unter Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren wissen, und gab eine Sondererhebung in Auftrag. Dabei wurde Glücksspiel und Computerspiel-Verhalten analysiert. Die „Schüler- und Lehrerbefragung zum Umgang mit Suchtmitteln“, kurz SCHULBUS, wurde vom Büro für Suchtprävention der Landesstelle durchgeführt. Dafür wurden 3.500 Hamburger Schüler/innen aller Schulformen befragt.

In ihrer Presseausendung, zur aktuellen SCHULBUS Studie, fasst die Suchpräventionsstelle Hamburgs ihre Ergebnisse zusammen. Diese sind teilweise überraschend, teilweise erwartet worden. Familien- und Gesundheitssenator Dietrich Wersich zeigt sich überrascht, dass viele Jugendliche Neid, Langeweile und „Mitreden-Können“ als Motor ihrer Spiel-Leidenschaft nannten.

Die Studie nimmt im Glücksspielbereich aber nicht nur „Privatanbieter“ unter die Lupe, sondern bezieht auch Glücksspiele wie Rubbellose ein – diese werden von der Lotterie-Gesellschaft angeboten und unterstehen dem Monopol. Die Rechtfertigung für das bestehende Glücksspiel-Monopol Deutschlands liegt in verstärkter Suchtprävention und vor allem dem Jugendschutz.

Auf der Seite der Suchtpräventionsstelle ist die Glücksspiel-Studie als pdf öffentlich zugänglich, hier eine überblicksartige Zusammenfassung:

- „Vier von fünf Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben mindestens einmal in ihrem Leben mindestens ein Glücksspiel um Geld gespielt“: Die Mehrheit der Jugendlichen hat „schon mal gespielt“ nur eine Minderheit spielt regelmäßig. Dabei ist auffällig, dass männliche Jugendliche mit 17% wesentlich öfter spielen, als weibliche Jugendliche mit nur 3%.

- Die meisten Jugendlichen spielen ab und an einmal – dieses „singuläre Ereignis“ wurde in der Studie separat befragt. Dabei stellte sich heraus, dass hier Rubbellose die beliebteste Spielvariante sind – 62% der Jugendlichen haben schon einmal beim Rubbeln ihr Glück versucht.

- Wieviele Jugendliche nehmen mehrmals im Monat an Glücksspielen teil? Die Studie ergab: jeder 20. Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. Hier führt wiederrum Poker die Liste an, gefolgt von Sportwetten und Automatenspielen.

- Was bei der Frage nach der Häufigkeit von Glücksspielen bereits auffällig war, führt sich bei der Befragung nach der Regelmäßigkeit von Glücksspielen fort: eindeutig männlich dominiert. Hier stehen bei Poker 10,1% männliche gegen 1,3% weibliche Jugendliche und beim Automaten 5,2% gegen gar 0,6%. Aber nicht nur männliche Jugendliche spielen mehr, auch Jugendliche mit Migrationshintergrund seien laut Studie stärker am Glücksspiel interessiert. Jugendliche aus dem arabisch-asiatischen und türkischen Raum seien aufgrund ihrer Spiele-Kultur mehr dazu geneigt sich mit Glücksspielen zu beschäftigen. Dabei sind Spielautomaten hier die beliebteste Spiel-Variante.

- Die Studie hat bewusst minderjährige Jugendliche befragt, um auch hier ein Bild zu bekommen. Daher auch die Altersbegrenzung von 14-18 Jahren. Die Mehrheit der Jugendlichen, die regelmäßig spielen ist bereits 18 Jahre, dennoch gibt es auch 14-15 und 16-17-jährige, die beim Spielautomaten, Online Poker, Rubbellosen oder Sportwetten ihr Glück versuchen. Vor allem im Internet geben Jugendliche falsche Daten an und machen sich älter.

- Von den „regelmäßigen Spielern“ unter den Jugendlichen werden ca. € 50,- pro Monat ausgegeben.

- Die Motive hinter dem Spielinteresse sind Geld gewinnen auf Platz 1, Langeweile auf Platz 2, „unter Freunden sein“ auf Platz 3 und Spannung auf Platz 4.

Was bedeutet die Studie nun für die Zukunft? Was für Konsequenzen gibt es und bedeutet „regelmäßiges Spielen“ gleichzeitig Spielsucht? Theo Baumgärtner, Autor der Studie und Leiter des Büros für Suchtprävention: "Unser Ziel war es, die sich häufenden Hinweise von Eltern, Schulen und Beratungseinrichtungen zum problematischen Spielverhalten von Jugendlichen systematisch auf eine empirische Grundlage zu stellen. Die SCHULBUS-Sondererhebung zeigt uns, dass der überwiegende Teil von Jugendlichen zwar nicht täglich am PC spielt. Dennoch weist eine relevante Zahl von jungen Menschen eine erhöhte Affinität zu riskanteren Verhaltensmustern auf, die sich nachhaltig auf ihren Alltag auswirken."

Kann man so ein dramatischeres Verhalten bei Computer-Spielen ableiten? 75% der Jugendlichen spielen mindestens alle 30 Tage ein Computer-Spiel. Um die Hälfte spielen mehrfach in der Woche. Das bevorzugte Computerspiel sind Ego-Shooter, von denen überwiegen die männlichen Jugendlichen fasziniert sind. Sie spielen durchschnittlich 19 Stunden pro Woche.

Was das Glücksspiel betrifft meint Baumgärtner abschließend: zwar würde es aufgrund dieser Studie keine hinreichenden Kriterien für eine Sucht oder Abhängigkeit geben, dennoch sei es wichtig über die aktuelle Lage informiert zu sein.

Zu wissen woran man ist, das ist vor allem in Zeiten des Neuen Deutschen Glücksspielstaatsvertrages, der eine Besserung der Lage als Ziel hatte, eine wichtige Informationsquelle. Das war der Grund seiner Verabschiedung – stärkerer Schutz und Prävention.

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