Das Forschungsgebiet „Online Glücksspiel“ ist ein relativ junges Feld, es gibt wenig empirische Ergebnisse, dafür umso mehr Spekulationen. Damit will nun eine Studie der „Divison of Addictions“ (DOA) der Harvard Medical School aufräumen – die Resultate wurden jetzt in Wien präsentiert.
In einer Presseaussendung spricht der DOA Direktor Howard J. Shaffer über die Ergebnisse und Irrtümer der Vergangenheit: „Rund 95 Prozent der Online-Spieler weisen kein problematisches Spielverhalten auf. Keine wissenschaftlich fundierte empirische Studie kann die risikoverstärkende Wirkung von Online-Gaming beweisen. Alle bisherigen Untersuchungen zum Thema basieren auf eingeschränkt zulässigen Befragungsmethoden und nicht-repräsentativen Stichproben.“
Für diese Studie wurde das Verhalten von 40.000 Spieler/innen seit 2005 untersucht – dafür wurden vom internationalen Glücksspiel- und Wett-Unternehmen bwin Kundendaten bereitgestellt, als Initiative für verantwortungsvollen Umgang mit Glücksspiel (Reasonable Gambling).
Ziel der Abteilung von Howard J. Shaffer sei es wissenschaftliche Beweise zu sammeln. Das würde im Fall von auffälligem Verhalten oder Spielsucht Therapie-Möglichkeiten bieten. Denn erst das Erkennen der Gefahren oder Probleme bei Online-Gaming würde Spielerschutz-Programmen helfen. Gerade auch weil es bisher sehr unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema gebe. Mit dieser Intention ist man in das Projekt hineingegangen und das Ergebnis war überraschend positiv.
Dass es sich hier um ein komplexes und vielschichtiges Thema handelt bestätigt auch Michael Musalek – Vorstand und ärztlicher Direktor des Anton-Proksch Insituts. Der Grad zwischen Impulsverhalten und echter Suchterkrankung sei schmal und unerforscht. Trotzdem vertritt er die Meinung, dass es im Fall einer diagnostizierten Suchterkrankung, gute Therapie-Chancen für Online-Spielsüchtige gebe.
Shaffers Studie belegt nun, dass Online nicht mehr oder weniger süchtig macht, als Live-Angebote. Auch wenn die Frequentierung höher sei, würden die Einsätze nicht höher sein.
Im Bereich „Reasonable Gaming“ tut sich derzeit einiges, immer wieder werden Studien in Auftrag gegeben. Shaffers Langzeitstudie, in dieser Größenordnung bildet hier aber ein Pionier-Projekt – denn es handelt sich um reales Spielverhalten in realen Situationen. Bei vielen Studien wurden immer wieder künstliche Spielsituationen initiiert. Shaffers Studie legt somit ein neues wissenschaftliches Fundament im Bereich Online Glücksspiel Forschung.

















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