
Mit 1. Juli heißt es „rien ne va plus“ oder „game over“ für viele Moskauer Casinos. Schlecht für Roulette und Black Jack – gut für Poker, denn das bewegt sich zumindest in einer rechtlichen Grauzone und darf als Sportveranstaltung weiter gespielt werden.
Schon 2006 wurde ein neues Gesetz verabschiedet, damals war Wladimir Putin noch Präsident und wetterte gegen das Glücksspiel: „Die Spielsucht in unserem Land ist noch gefährlicher als der Alkoholismus.“ Jetzt, fast drei Jahre später, wird das Gesetz vom neuen Präsidenten Dmitri Medwedew exekutiert.
Die goldenen 1990er Jahre sind vorüber, nach dem Sturz des kommunistischen Regimes hat in Russland Goldgräberstimmung geherrscht. Es wurde in kurzer Zeit viel Geld verdient, und neben Luxusgütern waren es auch Casinos, in denen die Millionen verprasst wurden. Wie Pilze schossen die Casinos aus dem Boden. Das Wachstum der Spielangebote hat sich bis heute weitgehend normalisiert, aber die Probleme sind geblieben. Daher gab es 2006 die Gesetzesänderung und das Verbot der Spielhöllen.
Extras gibt es aber für die Exklave Kaliningrad, Altai in Sibirien, die Stadt Asow im Süden Russlands und Wladiwostok im äußersten Osten bei Nordkorea – dort dürfe munter weitergezockt werden, weil diese Regionen ja weit genug von Moskau entfernt lägen.
Kritische Stimmen verweisen mit diesem Verbot auf die Wirtschaftskrise, von der auch Russland nicht verschont bleibt. Denn immerhin würden knapp 400.000 Menschen arbeitslos. Allein in Moskau gab es bis zum 30. Juni 524 Casinos.
Vielleicht satteln nun viele Casinos auf Poker um? Das Gesetz nimmt Poker im Prinzip von dem neuen Glücksspielverbot aus. Aber nur wenn es sich um eine Veranstaltung mit sportlichem Hintergedanken handelt – inwieweit hier Geldbeträge geduldet werden, bleibt in der Praxis noch abzuwarten. Der Einsatz von Geld wäre an sich verboten, aber wenn der Nachweis einer sportlichen Veranstaltung erbracht wird, wäre auch das zulässig. Eine rechtliche Grauzone, die gewiefte Geschäftsmänner nützen dürften.
Neben der Variante „Poker-Veranstaltung“ befürchten Experten aber vor allem den Rückzug in „Hinterzimmer“ und kriminelle Kreise. Das Glücksspiel würde damit nicht verringert, sondern nur unkontrollierbar gemacht, meint Filipp Solotnitski, der Sprecher der Moskauer Polizei im Gespräch mit Reuters Deutschland: "Wir erwarten, dass illegale Etablissements entstehen, kleine Treffpunkte wie zu Sowjetzeiten in Wohnungen und Ferienhäusern."
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