Sit and Go’s werden beim Online Poker immer etwas unterbewertet. Die Turnierspieler erhalten den Glanz und die Glorie und die Cash-Game Spieler können sich über Horden von Railbirds freuen, aber Sit and Go’s werden von der Poker-Community oft einfach außer acht gelassen. Da ich selbst gerne SNG’s spiele, möchte ich versuchen das Image von Sit and Go’s ein wenig zurecht zu rücken, deshalb habe ich mich mit Phil Shaw getroffen. Der in England ansässige Online Pro gehört zu den SNG Spezialisten, arbeitet für Cardrunner und ist als Journalist tätig. Vor kurzem hat er sein erstes Poker Buch herausgegeben – Secrets of Sitngos.
Pokernews: Phil, Sie sind ein sehr beliebter Spieler und ein PokerPro, welcher als Journalist tätig ist. Wie ist Ihre Geschichte?
Phil Shaw: Ich habe an der Oxford University studiert und fing im letzten Jahr meines Studiums an, Poker zu spielen, um mich ein wenig vom Studium zu entspannen. Nach meinem letzten Jahr war ich irgendwie abgespannt und hatte keine Lust, weiter zu lernen, deshalb zog ich nach London und fing an für Poker Europa und das Poker Player Magazin zu schreiben. Ich habe Spieler, wie Phil Hellmuth interviewt und habe Berichte über diverse Poker-Festivals geschrieben. Schließlich habe ich beschlossen professionell Poker zu spielen, habe aber immer nach Berichte für Dennis Publishing geschrieben und für Cardrunner gearbeitet. Es ist immer vorteilhaft, wenn man noch etwas anderes machen kann, vor allem wenn gerade mal keine Games stattfinden oder man einen Burnout bzw. einen Up-Swing hat. Viele Spieler handhaben dies so und arbeiten noch als Coach, betreiben Internetseiten, machen Geschäfte u.s.w.
PN: Was machen die meisten Spieler bei SNG’s falsch?
Phil Shaw: Der offensichtlichste Fehler besteht darin, daß die meisten Anfänger und Cash-Game Spieler das Independent Chip Modell (ICM) nicht verstehen. Die meisten Spieler mit einem gewissen Intelligenzgrad wissen, daß man auf der Bubble nicht so einfach aus der Hand gehen sollte, da dies nicht gut ist und man den anderen Spielern sozusagen ein Freeroll beschert. Die meisten Spieler begreifen die Auswirkungen dieser Sache nicht wirklich; wie oft wird A-K auf der Bubble gefoldet u.s.w. Die Spieler müssen mehr Zeit damit verbringen sich die Fakten im Bezug auf die Statistiken anzusehen und genau das mache ich in meinem Buch.
PN: Einige Spieler behaupten SNG’s wären die einfachste Form des Pokers, was denken Sie darüber?
Phil Shaw: Nach Erscheinen meines Buches wurde ich kritisiert, es wurde behauptet die Strategie in meinem Buch wäre zu grundsätzlich und zu formularisch – aber genau dies trifft für die SNG’s größtenteils zu. Nur in den High Stakes, wo man regelmäßig gegen die gleichen Spieler spielt, ist es notwendig das eigene Spiel auf die Gegenspieler anzupassen. Die eigentliche Strategie ist eigentlich offensichtlich, durch ICM werden eine Menge Fragen beantwortet, aber in den High-Stakes SNG’s ist das Einstellen auf die Gegner genauso wichtig, wie bei Cash-Games.
PN: Ein anderer Kritikpunkt ist, daß die Games immer härter werden, da zuviele Spieler sich am “ICM” orientieren. Sind SNG’s eine brotlose Kunst?
Phil Shaw: Alle Arten Poker sind in der letzten Zeit härter geworden, es gibt mehr Quellen für Strategien und es gibt jede Menge Softwareprodukte, welche das Spiel unterstützen. Aber bei SNG’s ist eigentlich immer noch alles relativ in Ordnung. Die Battle of Planet Promotion bei PokerStars.net war eine großartige Sache für dieses Spiel und zum Ende des Jahres wird es jede Menge Aktion geben, wenn jeder versuchen wird den SuperNova Status zu erreichen und höher spielen wird, als er eigentlich sollte. Die exzellenten VIP Programme bei PokerStars.net machen SNG’s zusätzlich profitabler.
Das Spiel an sich ändert sich eigentlich dauernd irgendwie, deshalb kann man natürlich keine allgemeingültigen Lösungen anbieten. Das Buch wurde vor 18 Monaten geschrieben und ich habe schon überlegt, es noch einmal zu überarbeiten, damit ich auch neue Spiele, wie z.B. Double-or-Nothing, berücksichtigen kann. Ich möchte außerdem die 6-Max Sektion etwas erweitern, da diese Spielvariante immer beliebter wird. Momentan ist 6-max etwas softer, da die meisten regulären Spieler die 9-Max Games an so vielen Tischen wie nur möglich spielen.
Außerdem gibt es momentan mehr Fische bei SNG’s, als bei Cash Games. Wenn man darüber redet, daß die Spiele an sich härter geworden sind, sollte man daran denken, daß die No Limit Cash Games mittlerweile fast unspielbar geworden sind. SNG’s sind die Spielvariante, von welcher sich neue Spieler immer sehr angezogen fühlen und welche für diese Spieler auch durchaus profitabel sein kann.
PN: Man sieht momentan eine Menge 6-Max SNG’s im TV. Warum möchten Sie nicht an so vielen dieser SNG’s teilnehmen, obwohl Sie sicherlich dabei im Vorteil wären?
Phil Shaw: In der Vergangenheit habe ich einige dieser Turniere gespielt (z.B. das Finale der British Poker Open 2006, wo ich ein Preisgeld in Höhe von 14.000 Pfund gewann)… meine Erfahrung ist, daß es dabei jede Menge Varianz gibt und es vom praktischen Standpunkt her eine recht anstrengende Sache sein kann, so wurde z.B. das Finale in Hammersmith um 9:00 Uhr am Sonntag aufgezeichnet, damit die Film-Crew früh fertig werden konnte! Die meisten dieser Events haben eine schreckliche Struktur und es gibt keine zusätzlichen Preisgelder (mit Ausnahme von Invite-Events, wie die Poker Million und der Will Hill Champs/VC Cup), deshalb macht es keinen Sinn $5.000 - $10.000 Games innerhalb einer so eingeschränkten Zeitspanne spielen zu müssen. Ich hätte natürlich Interesse an einem Sponsoring, durch welches ich an diesen Event teilnehmen könnte und ich denke, daß ich bei diesen Events im Vorteil wäre, da dort sehr viele schlechte Spieler mitspielen und die meisten TV-Pros im Endgame nicht so gut sind. Ich für meine Person denke jedoch, daß ich besser online spielen kann, da ich über das Jahr einfach zu wenige von diesen Turnieren spielen könnte um meinen Vorteil sinnvoll einsetzen zu können.
'Secrets of SitnGos' ist ein hervorragendes Handbuch für SNG Spezialisten und für jeden Spieler, welcher an SNG’s teilnimmt. In diesem Buch wird das ICM Konzept sehr anschaulich erläutert und es wird dazu Ihnen Wissen vermittelt, welches Ihnen dabei hilft profitabel zu spielen. Themen, wie z.B. Software, Bankroll Management, Game Selektion werden ausführlich behandelt. Das Buch ist in guten Buchgeschäften erhältlich.

















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