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Pokerbuchbesprechung: Bill Boston's 'Omaha High-Low for Low-Limit Players'

"Mehr als bei jeder anderen Pokervariante, lebt Omaha High-Low von der Hand-Value". Diese Meinung vertritt Bill Boston in seinem neuen Buch "Omaha High-Low for Low-Limit Players". In seinem Buch konzentriert er sich vor allem auf Low-Stakes Games ($2/$4 bis $5/$10) und gibt viele Tipps im Bezug auf die Handauswahl, eine Sache, von welcher Boston annimmt, daß sie in diesen Stakes eine überaus wichtige Bedeutung hat.

Auf den ersten Blick, wirkt dieses Buch ähnlich wie sein vorheriges Buch "Omaha High-Low", welches im Jahr 2006 in einer neuen Auflage erschien. Wie in seinem älteren Buch, präsentiert das neue Buch seinen Lesern zu Beginn einen Überblick über verschiedene Omaha High-Low Games Konzepten gefolgt von einem längeren Kapitel mit Starthand-Tabellen. Obwohl sich das Buch Omaha High-Low for Low-Limit Players mit ähnlichen Themen wie das früher erschienene Buch beschäftigt, handelt es sich um ein eigenständiges Werk mit unterschiedlichen Denkansätzen und mit einer komplett neuen Übersicht der Starthände.

Wie bei Boston's früherem Buch, sind die Starthand Tabellen das Hauptthema bei Omaha High-Low for Low-Limit Players und nehmen fast 2/3 des gesamten Buches ein. Boston erklärt, daß es sein Ziel war ein genaues Ranking der Starthände und der entsprechenden Profitabilität bei Omaha High-Low zu erstellen. Er benutzte eine Handanalyse Software und simulierte zur Erstellung dieser Charts 50 Millionen Hände. Alle seine Anmerkungen, welche er im einleitenden Kapitel unter den Oberbegriffen "Auswahl von profitablen Händen", "Vermeiden von problematischen Händen", "Marginale Hände spielen" u.s.w spiegeln sich in den Starthand-Tabellen wieder. Wenn er z.B. anmerkt A-2-x-x mit zwei beigeordneten Karten zu spielen oder Hände mit "Trap-Connectors" wie 6-7-8-9 zu vermeiden, findet man die entsprechenden Anweisungen ebenfalls in den Starthand-Tabellen.

Das er einige der Parameter bei seiner Handsimulation verändert hatte, unterscheiden sich die Starthand-Tabellen in seinem neuen Buch von den Starthand-Tabellen seines vorherigen Buches. Bei seinem Buch Omaha High-Low hatte Boston seinen "Vom Computer generierten Spieler (CGP)" als sehr "Tight" definiert, welcher sich nur Flops ansah, wenn er die bestmöglichen Starthände hatte. Außerdem saß er an einem virtuellen Spieltisch, an welchem nur CGP-Spieler saßen, welche ebenfalls enorm hohe Anforderungen an ihre Starthände stellten.

In seinem neuen Buch hat Boston seinen CGP so programmiert, daß er alle 5.278 Hände spielte, egal wie hoch das Profitpotenzial der jeweiligen Starthände war, danach hat er seinen CGP so instruiert, daß er nach dem Flop solides Omaha High-Low spielte. Boston beabsichtigte damit aufzuzeigen, welche dramatischen Auswirkungen es haben kann, wenn man sich bei Omaha High-Low den Flop mit einer schlechten Starthand ansieht. In seinem neuen Buch ist der CGP ein "durchschnittlich aggressiver" Spieler, welcher an einem virtuellen Spieltisch gegen drei andere durchschnittliche Spieler, zwei "tighte" Spieler und drei "loose" Spieler spielt. Er hatte mit dieser Simulation beabsichtigt, einen Spieltisch zu simulieren, an welchem die Spieler die gleichen Profile haben, welche man normalerweise in Low-Limit Games finden kann.

Viele Spieler sind zwar neugierig auf die Starthand-Tabellen, es gibt aber unterschiedliche Meinung über deren Nützlichkeit. Holdem-Anfänger z.B. schauen sich sehr oft Starthand-Tabellen an und profitieren davon, da es bei den insgesamt 169 möglichen Starthänden (wenn man Hände mit gleichem Wert nicht berücksichtigt, was Sinn macht, da Suits keine andere Wertigkeit haben) recht überschaubar ist. Obwohl es nicht unbedingt die beste Idee ist sich zu streng an die Vorgaben der Tabellen zu halten, ist es grundsätzlich jedoch sehr hilfreich diese Tabellen zu verstehen. Man sollte schon wissen, daß A-Q suited im Allgemeinen profitabler ist, als K-9, eine Tatsache, welche bei den meisten Holdem Starthand-Tabellen sehr leicht zu erkennen ist.

Da man bei Omaha vier Karten erhält, ist die Anzahl der möglichen Handkombinationen natürlich sehr viel höher und die Tabellen sind oft unübersichtlich. Wenn man die Anzahl der Starthände verringert (da Suits keine andere Wertigkeit haben), bleiben bei Omaha trotzdem noch 16.432 Starthände übrig. Selbst wenn man eine umfassende Starthand-Tabelle erstellt, bleibt noch die Frage, wie praktisch diese Tabelle im Bezug auf die Übersicht und die Anwendbarkeit ist.

Boston geht deshalb einen Kompromiss ein und betracht nur 5.278 der möglichen Omaha-Hände, wobei nur Hände ohne Suit (vier Karten von unterschiedlicher Farbe), Single-Suited Hände, bei welchen die höchste Hole-Card die gleiche Farbe hat, wie eine der anderen Hole-Cards und Double-Suited Hände, bei welchen die beiden höchsten Hole-Cards zu anderen Pocket-Karten mit der gleichen Suit passen, bewertet werden. Mit anderen Worten, Boston bewertet keine Hände mit vier Karten der gleichen Farbe, keine Hände mit drei Karten der gleichen Farbe, nicht alle Double-Suited Hände und nicht alle Single-Suited Hände. Aufgrund dieser Ausschlusskriterien, werden z.B. Hände wie {a-Spades}{4-Hearts}{3-Spades}{2-Hearts}aufgeführt, aber Hände wie {a-Spades}{4-Spades}{3-Hearts}{2-Hearts} werden nicht betrachtet. Boston geht davon aus, daß diese Hände gleichwertig sind und führt sie deswegen nicht getrennt auf.

Zu Problemen kommt es, wenn Boston auf die Wahrscheinlichkeiten eingeht, eine bestimmte Hand bzw. einen bestimmten Starthandtyp zu erhalten (was er regelmäßig macht), da er sich bei seinen Betrachtungen nur auf ca. 1/3 der möglichen Starthände bezieht. So führt Boston z.B. an, daß es sehr wichtig ist sehr selektiv bei der Auswahl der Starthände zu sein, da "ungefähr 80% der Starthände in seinen Tabellen einen negativen Value haben". Man könnte nun annehmen, daß die prozentuelle Anzahl der Starthände mit negativem Value bei der regulären Anzahl von Starthänden (16.432) gleich wäre, aber dazu findet man in diesem Buch leider keine Anmerkung.

Man könnte jetzt noch über einige anderen Aspekte der angewandten Methodologie diskutieren, ich möchte dies allerdings nicht im Rahmen dieser Buchbesprechung tun, sondern möchte mich auf Anmerkungen über die allgemeine Nützlichkeit dieses Buches beschränken. Neben einigen Kapiteln in welchen er flüchtig einen Überblick über das Spiel auf dem Flop, auf dem Turn und dem River gibt, befassen sich die Startkapitel ausschließlich mit der Auswahl von Starthänden. Viele der Ratschläge werden den Lesern von Omaha High-Low (z.B. Asse sind gut, mittlere Karten sind schlecht, man sollte Versuchen Hände mit Scoop-Potenzial zu spielen u.s.w.) bekannt vorkommen. Boston geht in diesem Buch erneut auf seine Abneigung gegen Preflop-Raise ein- eine Strategie, welche er besonders für Spiele mit sehr niedrigen Stakes empfiehlt. Außerdem geht er auf einige Omaha High-Low Grundlagen nur sehr oberflächlich ein bzw. erwähnt sie gar nicht.

Das Hauptanliegen von Boston besteht einfach darin sich darauf zu konzentrieren, wie man ein Hand bildet, jene mit Potenzial spielt und den Rest foldet. Aufgrund der Spielweise in Low-Stakes Omaha High-Low Games, können die Ratschläge von Boston durchaus hilfreich sein. Boston sagt dazu: "Wenn Sie ein Spieler sind, welcher die Aktion liebt und gerne viele Hände spielt, dann ist Omaha High-Low nicht das richtige Spiel für Sie", "bei dieser Pokervariante ist es unbedingt notwendig, daß Sie eine eisenharte Disziplin entwickeln und gute Entscheidungen treffen, nur dann können Sie erfolgreich spielen."

Abschließend kann man sagen, daß die Starthand-Tabellen (welche sich über 200 Seiten erstrecken) eine gute Informationsquelle sind, wenn man Fragen zu grenzwertigen Händen hat oder wissen möchte, welche Hände profitabel gespielt werden können. Man wird in dem Buch von Boston keine "Antworten-auf-jede-Frage"-Lis te finden, welche sich manche Spieler in von diesem Buch erhoffen. Wie wir natürlich alle Wissen, gibt es eine solche Liste einfach nicht, nirgendwo!

Boston's Omaha High-Low for Low-Limit Players ist keine umfassende Einführung in die Omaha High-Low Strategie, das Buch beschäftigt sich umfassend mit Boston's These, daß man beim Omaha High-Low sowohl verstehen muss, daß man mit den Starthänden sehr selektiv sein muss und daß man wissen muss, was die besten Starthände sind.

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