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„Passenger Hammerschmid" – ein Poker Roman

Er ist schon sein ganzes Leben auf Reisen, spielt seit fast 20 Jahren beruflich Poker, liebt die selbe Frau wie sein Bruder, hat nur eine Hand und leidet an einem Burnout. „Passenger Hammerschmid" ist kein strategischer Ratgeber, sondern ein Poker Roman. Eine fiktive Geschichte über das Leben als Berufsspieler. <br>

„Passenger Hammerschmid" – so heißt der Roman des in Bad Ischl geboren und in Wien lebenden Autors Bernhard Seiter. Es ist ein Poker-Buch, aber nicht in der Form, wie es die meisten Leser von Poker-Literatur gewohnt sind. Denn strategische Ratschläge oder autobiografische Erzählungen gibt es in diesem Buch nicht. Es die Geschichte über einen Pokerprofi. Der Leser wird auf eine Reise mitgenommen – den Pokerspieler zu begleiten, sich mit ihm zu erinnern, mit ihm zu träumen, mit ihm zu hoffen. <br>

Seiter spielt selbst seit fast 10 Jahren Poker, allerdings nur als Hobby in privatem Rahmen. Dennoch ist er interessierter Beobachter der Szene und hat sich so viele Puzzel-Stückchen an Ideen zusammengesammelt. Die er in seinem Roman zusammengefügt und mit viel Fantasie ausgeschmückt hat. <br>

Die Hauptfigur des Buches heißt Hammerschmid und ist schon sein ganzes Leben unterwegs, hat keinen festen Wohnsitz – schon seine Mutter war Spielerin, allerdings eine von der Sorte der „Glücks"-Spieler. Daher mussten Hammerschmid und sein Bruder immer von billiger Pension zu billiger Pension ziehen. Einzige „fixe Behausung" – der große schwarze Koffer. <br>

Der spielt dann auch im Erwachsenenleben eine wichtige Rolle, denn dieser beinhaltet das gesamte Leben des Pokerspielers. <br>

Hammerschmid versucht es mit mehr Geschick, denn mit Glück und wird professioneller Pokerspieler. Auch sein Bruder geht diesem Lebensunterhalt nach, allerdings verstehen sich die zwei nicht besonders – beide sehen sich als Konkurrenten, lieben dieselbe Frau, Hammerschmid ist mit ihr verheiratet. Das bringt aber auch nichts, denn sie ist abgehauen. Ist wahrscheinlich zum Bruder…<br>

Ein stornierter Flug ist es, der den Pokerspieler in Wien, in einem Flughafen Hotel stranden lässt. Und genau da kommt es zum Zusammenbruch – zum Burnout. Er kann nicht mehr, will nicht mehr. Ist des Reisens müde, will sich nicht mehr konzentrieren müssen, will keine Geduld mehr haben, will nicht mehr Poker spielen. Das Burnout hatte sich schon längst abgezeichnet, denn die €300.000,- erspieltes Geld, hat er wie in einem Wahn verspielt. Fast so als wollte er absichtlich verlieren um pleite zu sein. <br>

Pleite sein – für Hammerschmid die einzige Möglichkeit sich mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen. Im Hotel beginnt er sich an seine Kindheit zu erinnern, an seine Mutter mit den Würfelspielen, an die Mutprobe im Zoo die ihm seine Hand gekostet hatte weil er sie in einen Raubtierkäfig gesteckt hatte, an Annie seine Noch-Frau, an seinen Bruder und an seine erfolgreichen Jahre als Pokerprofi. <br>

Ja, Hammerschmid war erfolgreich, ein erfolgreicher Pokerspieler. Er weiß um die Anstrengung in diesem Beruf. Wer davon leben will, muss diszipliniert sein, kann sich keine Fehler leisten. Das macht müde, laugt aus. <br>

Das Buch ist keine Geschichte über einen Gewinner oder Verlierer. Das wäre zu banal, zu plump. Es ist eine feinsinnige Annäherung an ein mögliches Leben als Pokerspieler. Und damit der Lesespaß nicht zu kurz kommt, wird gerne dick aufgetragen und mit einem Augenzwinkern übertrieben – das sind schließlich die Vorteile eines Romans, man muss sich nicht an Fakten halten. <br>

Zum Schluss des Buches geht es dann ans Eingemachte – die Brüder treffen sich zum letzten großen Spiel. Zum Heads-up, in dem es um die Frau und den Titel des besseren Spielers geht. Ganz genau beschreibt Seiter den Spielverlauf, mit Händen und Moves. Macht es spannend - ein Hin- und Her, dass bis zur letzten Seite alles offen lässt. Das Poker Duell erfordert beim Leser/in ein gewisses Fachwissen, aber durch die Prägnanz der Sätze und dem rhythmischen Schreibstil ist für jeden verständlich, dass es hier quasi um Leben oder Tod, um Alles oder Nichts geht. <br>

„Passenger Hammerschmid" ist erfrischend zu lesen, kein bisschen langweilig, teils lustig, teils tragisch, zum Teil absurd bis zur Groteske und etwas ganz anderes am Poker-Bücher Markt. <br>

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