Wer hat Angst vor der Rezession?
Januar 15, 2009, Lisa Horn

Wirtschaftsforscher sagen für 2009 einen Wirtschaftsrückgang voraus – aus den letzten Monaten der Finanzkrise ist nun eine echte Wirtschaftskrise geworden. Wie wird sich das auf die Glücksspielbranche auswirken? Laut aktuellen Meldungen erlebt Italien trotz Rezession einen Boom, aber ist das vielleicht nur ein vorrübergehender Einzelfall?
Trotz Krise wird in Italien weiter gezockt - € 47 Milliarden wurden 2008 für Glücksspiele ausgegeben, das sind 11% mehr gegenüber 2007. Und für 2009 wird sogar ein weiteres Plus von 8% prognostiziert. Gut für Italien, kann man sich doch freuen die Staatskassen weiter zu füllen, knapp € 8 Milliarden waren es 2008.
Aber ist Italien ein Einzelfall? Experten preisen in schwachen Wirtschaftszeiten Aktien der sogenannten „Laster Unternehmen" – dazu wird Alkohol-, Tabak- und auch das Glücksspiel gezählt. Man geht davon aus, dass der Mensch für „Laster" immer Geld ausgibt, auch wenn es Zeit zu sparen ist. „Die Verbraucher werden ihre Gewohnheiten in harten Zeiten nicht einfach über Bord", sagt der Finanz-Stratege Brian Belski im Gespräch mit der FAZ. Seine Untersuchungen seit den 1970er Jahren ergaben, dass der allgemeine Aktienindex um 1,5% zurück ging, aber die „Laster-Aktien" im Schnitt fast 11% stiegen.
Diese Wirtschaftskrise sei aber anders, denn diese Gewinne der früheren Jahrzehnte konnten bis dato nicht erzielt werden, und das obwohl sich die USA bereits seit 2007 in einer Phase des Wirtschaftsrückgangs befinden.
Die Tabakindustrie verzeichnete 2008 ein Minus und auch die Casinos haben sinkende Aktienkurse. Vor allem die großen Konzerne wie Las Vegas Sands, Wynn Resorts oder MGM Mirage hatten mehr als 50% Kursverluste. Auch Harrah´s Entertainment steuert auf keine rosigen Zeiten zu. Auch wenn die Zinssenkung der US-Notebank kurz vor Jahresende für einen vorübergehenden Aufschwung gesorgt hatte, soll sich der Markt laut Analysten erst ab 2010 stabilisieren und erholen.
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Keith Hembre, Chefvolkswirt des First American Funds meint gegenüber der FAZ: „Diese Rezession ist anders, wir beobachten eine bislang beispiellose Schwächung der Haushaltskassen." Grund dafür sei der Abbau von Arbeitsplätzen – das würde sich eklatant auf das Ausgabeverhalten der Bevölkerung auswirken. Und das wirkt sich auch auf die Wirtschaft und Kaufkraft aus.
Nach den ersten Schock-Monaten der Krise seien die Anleger zurückhaltend, meinen Analysten. Ob in diesem Jahr generell auf Freizeit-„Laster" verzichtet wird, bleibt noch abzuwarten. Noch ist die Bevölkerung noch nicht ganz schlüssig wo gespart werden wird.
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